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Multiple Elternschaft und Polyamorie

Mai 3, 2011

„One is the loneliest number that you’ll ever do. Two can be as bad as one. It’s the loneliest number since the number one.“ (Band Three Dog – Number One)

Gerade bei Elternschaft könnte es äußerst praktisch sein, mehr als zwei Personen zu sein – insbesondere, wenn beide Partner_innen arbeiten wollen oder müssen: mehr helfende Hände beim Wickeln, Einkaufen, Putzen, mehr Augen zum aufpassen, mehr Herzen für emotionale Zuwendung. Hierzulande wie in den meisten euroamerikanischen Kulturen dürfen jedoch nur zwei Menschen die legale Elternschaft übernehmen – eine Ausnahme bildet wohl Kanada, in der auch mehrere Personen Eltern sein können.

Keineswegs zwangsläufig verbunden mit der Frage multipler Elternschaft ist das Thema Polyamorie, also der Praxis, Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit zu haben. Dennoch wird die Frage – neben Debatten zu Scheidung und Patchwork-Familien – oft von Menschen aus diesem Kontext angesprochen. So etwa relativ knapp in einem Eintrag des Poly-Blogs Klassenraum zur Kinderfrage, der hierbei allerdings ‚Elternschaft‘ sehr eng fasst, nämlich scheinbar nur im Sinne der Konzepte rechtlicher und/ oder leiblich-biologischer Elternschaft.

Ein diesbezüglicher wikipedia-Artikel widmet sich dem Thema eher aus Sicht der Kinder:

„Oft wird befürchtet, dass nicht-ausschließliche Beziehungen negative Folgen für Kinder haben könnten. Die Praxis zeigt jedoch, dass dies nicht der Fall ist, sofern die Bezugspersonen in einer stabilen Partnerschaft leben. Bei Teenagern in der Phase der Identitätsfindung kann eine nichtmonogame Beziehungsform der Eltern Unsicherheit und Ablehnung auslösen; kleinere Kinder profitieren oft von den zusätzlichen Bezugspersonen. Bei Heranwachsenden aus solchen Familien kommt es sowohl vor, dass sie nicht-ausschließliche Beziehungen als zusätzliche Option betrachten, als auch, dass sie eher traditionelle Lebensentwürfe wählen und sich damit von ihren Eltern abgrenzen. (…)“

Hört sich also erst einmal nach wenig spektakulären Folgen an  …

Der Artikel nennt folgende Literaturangaben zum Thema: Wendy-O Matik, Redefining our Relationships, S. 57 ff. / Easton und Liszt, The Ethical Slut, Teil III, Kapitel 3, S. 221 ff. / Ryam Nearing, Loving More. The Polyfidelity Primer, Kapitel 7, S. 72 bis 75.

Ich kenne nur einen Fall aus meinem weiteren Umfeld, in dem (nicht-polyamoröse aber) multiple Elternschaft mit ursprünglich 4 Personen im ‚engeren Kreis‘ ausprobiert wurde. Das Kind ist mittlerweile drei Jahre alt. In der alltäglichen Praxis hat sich nun doch eine zweier-Elternschaft, bestehend aus den beiden biologischen Eltern, herauskristallisiert. Die anderen 2 Personen haben mittlerweile eher Tanten- bzw. Onkel-Status: sie passen öfters auf, das Kind schläft manchmal bei ihnen, aber die Hauptverantwortung liegt nicht bei ihnen. Tja, wohl etwas enttäuschend. Vielleicht ist diese Konstellation ja (noch) die zwar weniger utopisch klingende, aber dafür realistischere Variante – zumindest in der Gesellschaft, in der wir momentan leben. Und auch Tanten- und Onkel-Wahlverwandtschaften können ja schon eine große Bereicherung und (Arbeits-) Erleichterung sein.

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2 Kommentare leave one →
  1. Juni 5, 2011 4:20 pm

    Hallo.
    Ich schreibe nur, um dem „enttäuschenden“ Beispiel noch hinzuzufügen, dass es zwar tatsächlich einige Beispiele gibt, bei denen sich die zunächst erwünschte Mehrelternschaft eher in Richtung Haupt(bio)eltern plus Unterstützung entwickelt, aber immerhin mir auch einige bekannt sind, die mit drei oder mehr Elternteilen funktionieren. Weil es ist ja schade, wenn überall immer nur die „gescheiterten“ Konstellationen Erwähnung finden…
    Notizen von einem Workshop hierzu findet ihr unter diesem Link:
    http://wiki.wer-lebt-mit-wem.de/w/Programm_2010:Co-Elternschaft
    Viele Grüße!

  2. Juni 5, 2011 4:35 pm

    Vielen Dank für den Hinweis – ich denke auch, dass mehr ‚geglückte‘ Konstellationen bekannt gemacht werden sollten. Der Workshop klingt spannend, ich hoffe, dass dann eventuell auch einige ‚Ergebnisse‘ irgendwo veröffentlicht werden? Ich fände das toll.
    Ebenfalls liebe Grüsse!

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