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Sandra Lipsitz Bem und antisexistische Kindererziehung

Mai 1, 2011

Dr. Sandra Lipsitz Bem ist eine Psychologieprofessorin an der renommierten Cornell University in den USA, die sich viel mit der Entwicklung von Geschlechtsstereotypen und Gender-Rollen beschäftigt hat. Von ihr stammt einer der wichtigsten und ersten Fragebögen zu diesem Thema, der ‚Bem Sex Role Inventory‘.

Auch ihr eigenes Leben war von diesbezüglichen Ansätzen geprägt. Mit ihrem Mann, dem Psychologen Daryl Bem, der sich wie sie mit feministischen Einstellungen identifiziert, war sie in schon in den 1960er Jahren eine der Pionierinnen der praktischen Umsetzung einer ‚egalitarian marriage.‘ Diese egalitäre Ehe basiert auf dem eigentlich äusserst simplen Prinzip, dass beide Personen die gleichen Rechte und Pflichten bei Haushaltsarbeit und beruflicher Karriere haben. Die Idee mag das für heutige Ohren eher selbstverständlich klingen – Ideen wie diese mussten aber erst erfunden werden und an ihrer Umsetzung in die Praxis hapert es auch heute noch gewaltig. Die Bems waren mit die ersten, die diese Prinzipien auch tatsächlich in ihrem Alltag lebten.

Ihre gleichberechtigte Aufgabenverteilung behielten Sandra und Daryl Bem auch nach der Geburt von zwei Kindern bei, so wechselten sie etwa tage- und wochenweise, wer jeweils als hauptverantwortliches Elternteil und auch emotionaler ‚Caregiver‘ fungierte. Ausserdem entwickelten sie eine  ‚gender-aschematische‘ Kindererziehung, die frei von Rollenstereotypen, Homophobie und Sexualfeindlichkeit sein sollte. Beispielsweise ermutigten die beiden ihre Kinder, eine Tochter und einen Sohn, sich ihre Kleidung und Spielsachen nicht nach ihrer ‚korrekten‘ Geschlechtszugehörigkeit auszusuchen. Oder sie erfanden Gutenachtgeschichten für ihre Kinder neu, da die meisten ein sexistisches Narrativ enthielten.

Lipsitz Bem hat in den 90ern das unterhaltsame und leicht zu lesende Buch An Unconventional Family über ihre Biografie, ihre Familienleben und ihre Erziehungsmethoden geschrieben. In diesen kommen auch ihre beiden mittlerweile erwachsenen Kinder und ihr (nun Ex-)Ehemann ausgiebig zu Wort.

Ihre Forschungen und die Erfahrungen aus der Erziehungen ihrer eigenen Kinder liessen sie mittlerweile zu dem Schluss kommen, dass es unmöglich sei, Gender vollkommen ‚abzuerziehen‘. Ihr jüngster Vorschlag ist eher, das ‚Volumen aufzudrehen‘ – sie schlägt dazu vor, mindestens 18 Genderkategorien je nach körperlichen Geschlecht, Genderrolle und sexueller Ausrichtung zu berücksichtigen.

Bem, S. L. (1998). An unconventional family. New Haven, CT: Yale Univesity Press.

Bem, S. L. (1995). Dismantling gender polarization and compulsory heterosexuality: Should be turn the volume down or up? The Journal of Sex Research, 32(4)

PS: Einige eher persönliche Gedanken zu Gender und Kindererziehung macht sich das  TeamBaselPop im Missy-Blog.

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