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Entspannte Väter, pingelige Mütter – Sauberkeitsnormen und andere Dinge in heterosexuellen Elternpaaren

April 23, 2016

Es scheint alles viel gerechter und progressiver, heutzutage: Oft ist es nun so, dass sowohl Väter als auch Mütter berufstätig sind. Und oft müssen dann auch Männer einen Teil derjenigen Arbeiten erledigen, die traditioneller Weise eigentlich ‚Frauendomäne‘ waren, nämlich Putzen und Kindererziehung. So stolz viele Paare auf ihre ‚alternative‘ Einstellung zu Geschlechterrollen sind, so deprimierend lesen sich Studien zur Verteilung von Hausarbeit und Einkommenentwicklung – seit den 1970er Jahren hat sich da in der  Geschlechtergerechtigkeit nämlich keinesfalls grundlegend etwas getan.

KaroFamilie

Persönlichkeitseigenschaften (Collage: Fuckermothers)

Wie aber ist es bei den Hetero-Paaren, die nicht nur behaupten, dass sie alles gerecht teilen, sondern bei denen man auf den ersten Blick von eine ‚Rollenumkehr‘ sprechen könnte – in denen also die Frau den Hauptteil der Berufstätigkeit übernimmt?

Leider auch nicht viel besser, sagt ein Studie – zumindest in Bezug auf die Verteilung von Hausarbeit. Sarah Speck und Cornelia Koppetsch untersuchten Paare, in denen die Frau das Haupteinkommen verdient, aber trotzdem noch substanziell mehr Hausarbeit übernimmt. Sie analysierten, wie diese Diskrepanz zwischen Selbstsicht (wir teilen und alles und sind voll progressiv) und Fremdsicht (traditionelle Tätogkeitsmuster und ungleiche Verteilung) zustande kommen. Grundlegend dabei scheint der Mythos der unterschiedlichen ‚Sauberkeitsnormen‘. Dabei werden ‚Geschlechterrollen‘ (‚buh! voll überholt‘) einfach reformuliert, in vermeintliche ‚Charaktereigenschaften‘ (‚hey, verschiedene Persönlichkeitsunterschiede muss man doch grade als tolerante Menschen voll respektieren!`)

Schaut man genauer hin, entpuppt sich das Mantra, man mache bei allem 50:50, als Illusion. Zwar hat man getrennte Kassen und teilt sich die Kosten offiziell. Doch finden eine Reihe von Transaktionen statt, Einladungen und Leihgaben, die verschleiern, dass die von uns befragten Männer die Hälfte der Kosten gar nicht aufbringen können und die Frauen faktisch den gemeinsamen Lebensstandard sichern. Auch darin zeigt sich, dass der ungleiche Verdienst durchaus ein Problem darstellt. Man will am Selbstbild der egalitären Partnerschaft festhalten, die finanzielle Autonomie soll die Gleichheit beider bezeugen.

Aus dem gleichen Grund verbergen Paare dieser Milieus die ungleiche häusliche Arbeitsteilung – vor allem vor sich selbst. Hierbei helfen mehrere interessante Techniken. Der Klassiker: »unterschiedliche Sauberkeitsstandards«. Die ungleiche Beteiligung an Hausarbeit wird individuellen Charaktereigenschaften zugerechnet. Wer einen Sauberkeitsfimmel hat, ist selbst schuld. Verbreitet ist das insbesondere in alternativen, postmaterialistischen Milieus, wo Hausarbeit keine Rolle spielen soll und man auch deshalb vermeidet, darüber zu streiten. Dann schon lieber eine Putzfrau – hilft auch dabei, sich als gleichberechtigte Partnerschaft zu verstehen. Eine weitere Strategie: verschiedene Bewertungen von Tätigkeiten. Ein Beispiel? »Mein Freund kocht echt total super und ist ein ganz toller Gastgeber.« Und der Gegenpart dazu, Tätigkeiten rausrechnen: »Wäsche? Macht die Maschine. Aufhängen? Ach so, naja, das macht man doch so nebenbei… Beruhigt mich auch irgendwie.« Dazu gehört auch die Frage, wer das Gesamtarrangement im Auge behält, insbesondere wenn Kinder im Spiel sind. Wann sind das letzte Mal die Fingernägel der Tochter geschnitten worden? Wann steht der Arztbesuch an? Und wie ist das mit dem Babysitter nächste Woche?

Solche Fragen entlarven weiterhin ungleiche Aufgabenverteilungen – auch im Bereich ‚emotionaler Arbeiten‘, die die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen steigern. Also z.B. sich an Geburtstage erinnern und rechtzeitig Karten schreiben, Verwandte regelmäßig anrufen, den verlangten Kuchen für die Hochzeit mitbringen, etc. Katie Mc Laughlin hat ebenfalls beobachtet, dass in vielen Paaren heute zwar tatsächlich viele Aufgaben auf den ersten Blick glich verteilt scheinen, aber eben nur auf den ersten Blick – diese Tätigkeiten scheinen unsichtbar. Entsprechend nennt sie diese Dinge „The Invisible Burden That Leaves Moms Drained„.

Auch ‚Das Nuf‘ hat sich mit obiger Sauberkeitsstudie und eigenen Erfahrungen beschäftigt:

Und da hat es mich voll erwischt. Nach einer gescheiterten Beziehung, gehe ich nämlich davon aus, dass ich nie mehr mit einem Mann zusammenleben kann, weil letztendlich die unterschiedlichen Sauberkeitsstandards oder aber die Vorstellung, in welchem Zeitrahmen eine Aufgabe sinnigerweise erledigt wird, bei mir offenbar zwischen zwanghaft und (wie mir gerne vorgeworfen wurde) herrisch schwanken.

Mein angeblicher Fimmel ist außerdem „unsexy und unsympatisch“ (deswegen empfehlen Frauenzeitschriften:Mehr küssen, weniger meckern am besten die Aufgaben gar nicht an den armen Mann schieben, sondern mit dem Mann ins Kino gehen…) und – was auch ein Problem ist – eine schlechte Charaktereigenschaft. Schade eigentlich.

Demgegenüber steht das Narrativ des lockeren Typen, der auch mal fünf gerade sein lassen kann.

Ich habe das für mich schon hingenommen. Ich bin eben nervig, anspruchsvoll und kann eigentlich ganz froh sein, wenn es überhaupt ein Mann mit mir aushält.

Das Ergebnis der Studie zu lesen, hat mich dann doch einigermaßen überrascht

 

RRR: Auflehnen statt akzeptieren! Oder: Was mich an dem Begriff „Regretting Motherhood“ stört

April 13, 2016

Gastbeitrag von Iro Abendrot

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Nein! (Foto: fuckermothers)

RRR: Auflehnen statt akzeptieren!

Oder: Was mich an dem Begriff „Regretting Motherhood“ stört

von Iro Abendrot
Als feministische Mutter bekomme ich immer wieder Hinweise auf Medienbeiträge zum ach so neuen Phänomen „Regretting Motherhood“. Und alle denken, ich müsse es doch auch toll finden, dass über dieses Thema nun auch in den Mainstream-Medien diskutiert wird. Generell: ja, es ist nicht nur toll sondern hochnotwendig, dass über Themen, die Frauen und Mütter betreffen, diskutiert wird. Die Frage ist nur, wie darüber diskutiert wird, unter welchen Vorzeichen und unter welchem Titel. Der ist wichtig, denn „der Titel macht die Geschichte“ ist nicht nur ein geflügeltes Wort im Journalismus, es ist Tatsache. „Regretting Motherhood“ ist für mich ein eindeutig falscher Titel. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Der erste Grund: Der Titel „Regretting Motherhood“ enthält eine implizite Schuldzuweisung, die als Tabubruch getarnt daher kommt. Sie analysiere die Dimension eines Tabus, heißt es im Klappentext zum titelgebenden Buch der israelischen Soziologin Orna Donath1. Als hätten nicht seit jeher Mütter (wie auch Väter, Nachbar_innen, Großeltern…) darüber geklagt, dass Kinder oft eine Belastung für sie darstellen, wird hier so getan, als wäre hier durch die Autorin oder die interviewten Frauen ein Bruch mit gesellschaftlichen Tabus provoziert worden, ganz ähnlich wie wenn Nina Hagen im „Club 2“ das Masturbieren demonstriert oder Liv Tyler in einer Fernsehshow konsequent nur „Vagina“ sagt. Die schlichte Tatsache, dass Mütter sich manchmal denken, dass das Leben ohne Kinder leichter, schöner, angenehmer wäre, wird zum großen Rabenmutter-Skandal aufgebauscht: Mütter wollen keine Mütter sein, sie erleben nicht die „vorgeschriebene“ Erfüllung. Immerhin wird mit dem Einwurf „vorgeschrieben“ versinnbildlicht, dass auf den Müttern großer gesellschaftlicher Druck lastet – zumindest auf den befragten Mütter, das sind ganze 23. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Zahl äußerst gering, um damit ein Phänomen einer Generation zu beschreiben. Quasi einen kollektiven Medea-Komplex, der den Frauen zugeschrieben wird. Zwar wird immer behauptet, dass diese Frauen ihre Kinder lieben. Aber was wird ihnen unterstellt, wenn sie die Kinder manchmal weg wünschen? Warum ist das Thema ein so großes Tabu? Als Soziologin nennt Donath natürlich gesellschaftliche Kontexte als Grund dafür, bzw. tun das die von ihr befragten Frauen auch selbst. Aber aufgrund des Titels wird in der medialen Rezeption das persönliche Bereuen, das Aussprechen gegen das Mutterglück, in den Vordergrund gestellt, das individuelle Zaudern. Weil im Hinterkopf immer die Medea’sche Absicht der Kindstötung mitschwebt, auch wenn diese natürlich nur gedanklich stattfindet.

Der zweite Grund: Der Titel „Regretting Motherhood“ reduziert ein Thema auf eine Gruppe von Menschen, nämlich die Mütter. „Eines ist sicher: Regretting Motherhood betrifft viele Frauen. Dieses Buch macht sie sichtbar und zeigt ihnen: Sie sind nicht allein“, so der Klappentext des Buches „Wenn Mutter sein nicht glücklich macht“ von Christina Mundlos2, das im deutschsprachigen Raum noch vor der Übersetzung von Ornaths Studie erschien und diese auswertete. Zwar analysiert auch Mundlos, ebenfalls Soziologin, gesellschaftliche Rahmenbedingungen und diskutiert politische Lösungen. Doch angelegt (und in der Rezeption so besprochen) ist das Buch als Ratgeber für Betroffene. Für mich klingt das wie ein unbeholfener Trostspender, der besagt: Frauen, Mütter, seht her, ihr seid ein wenig psycho, wenn ihr das, was ihr euch vielleicht jahrelang so sehr gewünscht habt (oder es zumindest zugelassen habt, wenn’s ohne ausdrücklichen Wunsch passiert ist), nun bereut. Aber das ist nicht so schlimm, denn es gibt auch andere Mütter, denen es ähnlich geht….

Der dritte und wichtigste Grund: Der Titel „Regretting Motherhood“ individualisiert ein Problem, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Ja, die gesamte Gesellschaft! Es betrifft nämlich nicht allein Mütter, sondern genau so a) kinderlose Frauen. Denen wird bei solchen Diskussionen nämlich meist implizit ihre Kinderlosigkeit vorgeworfen und dass sie sich dem Leidensdruck, den Kinderhaben durchaus zum Teil mit sich bringen kann, unsolidarisch entziehen würden3. Es betrifft b) aber genau so die Väter, die mit ein wenig Glück ihre Frauen bei der Kindererziehung unterstützen – aber sich nur in den seltensten Fällen als gleichwertig verantwortliche Erziehungsperson sehen. Die Autorin Sarah Fischer untertitelt ihr Buch „Die Mutterglück-Lüge“ mit „Warum ich lieber Vater geworden wäre“4 und bringt damit zum Ausdruck, dass sie es dann leichter habe, sich weiterhin auf ihren Beruf und ihre persönliche Erfüllung zu konzentrieren. Und sie bringt damit zum Ausdruck, die herrschenden gesellschaftlichen Normen eigentlich anzuerkennen, nur lediglich ihre Rolle innerhalb dieses Systems tauschen anstatt das System verändern zu wollen. Noch viel weniger als die beiden anderen Autorinnen macht sie den gesellschaftlichen Kontext eingespielter Rollenzuschreibungen für ihr persönliches Drama des Mutterschaftsbereuens verantwortlich, sondern verlegt sich – ganz im Stil vieler passiver Frauen, die über die Unfähigkeit der Männer lästern, anstatt diese damit zu konfrontieren – aufs Lamentieren über ihr Dasein und ihr mütterliches Unglück. Das jedoch ist kein wirkliches Kratzen am Mutterbild. Es ist ein kleiner, individueller Aufschrei, aber keine Strategie, um eingespielten Stereotypen und gesellschaftlichen Kontexten entgegen zu wirken. Nichts, das in eine Richtung wirkt, wie sie etwa die Ethnologin Marita Metz-Becker sehr eindrücklich beschreibt, wenn sie auf die Interviewfrage „Was bräuchten Mütter heute, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können“, antwortet: „Nicht nur Mütter, sondern auch Väter. Ich denke, es ist ein Generationenwechsel da, es ändert sich etwas, aber es geht sehr langsam. Die SkandinavierInnen sind da weiter. In Dänemark werden Männer, die nach Büroschluss noch arbeiten, gefragt: Wieso bist du noch hier? Hast du zu Hause keine Familienarbeit zu leisten? Dieses Umdenken ist nötig. Wir müssen dorthin kommen, dass Familienarbeit auf beide Geschlechter verteilt wird.“5 Dazu möchte ich ergänzen: das Umdenken betrifft nicht nur die Zuordnung der Familienarbeit, aber damit könnte ja mal begonnen werden. Hierzulande wäre schon viel erreicht, wenn der Begriff Familienarbeit endlich als solcher anerkannt würde. Dass dies geschieht, dafür ist jedoch nicht allein ein Umdenken im innerfamiliären Verhältnis nötig, dafür müssen Normen und Zuschreibungen hinterfragt werden, und das nicht nur von Müttern und Vätern, sondern von allen aktiven Teilnehmer_innen dieser Gesellschaft. Deshalb bin ich der Meinung, dass das Thema „Regretting Motherhood“ weit mehr Menschen als „nur“ Mütter betrifft.

Nun, nach dieser langen Einführung, aber zurück zu mir und warum mich der Begriff „Regretting Motherhood“ so stört. Vorweg: ich bereue meine Mutterschaft nicht, zumindest meistens nicht. Aber ich behaupte, dass alle Eltern, die diese kleine Einschränkung nicht machen, lügen. Ich muss dabei immer an diese großartige Werbung denken, in der sich ein Trotzphasenkind vor dem Süßigkeitenregal im Supermarkt schreiend auf dem Boden windet und die sich darum scharende Menschenmenge in diesem Fall den dazu gehörigen Vater anstarrt bis dieses Bild des Grauens mit dem Schriftzug „Use Condoms“ aufgelöst wird.6 Ungewöhnlich, dass in diesem Fall einen Vater die vorwurfsvollen bis feindschaftlichen Blicke treffen, denn Vätern wird in solchen Fällen meist eher Mitleid zu teil, der unausgesprochene aber mitgedachte Vorwurf gilt dann eher den Frauen, die ihre Männer in dieser Situation allein lassen mit der Überforderung.

Aber von solchen Extremsituationen abgesehen gibt es natürlich so Einiges, was ich im Zusammenhang mit der Mutterschaft bereue. Nur würde ich dies nie mit „Regretting Motherhood“ beschreiben, denn dies alles hat eigentlich nichts mit Mutterschaft an sich zu tun, sondern mit einer nach wie vor tendentiell antifeministischen, pro-kapitalistischen und wenig solidarischen Gesellschaft: nämlich diesen nicht selten bis zum Burnout belastenden Kreislauf an Zuschreibungen und Erwartungshaltungen7 mitgetragen zu haben, der dazu führt, dass andere Mütter die Ursachen dafür in ihrer Mutterschaft sehen und nicht, wie es eigentlich richtig wäre, in der Gesellschaft, die diese unterstützen und forcieren.

Mit Gesellschaft meine ich jedoch nicht allein das hegemoniale System, das nach wie vor nicht für eine flächendeckende Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen und ganztägigen Schulformen sorgen kann, schon gar nicht in Ferienzeiten. Und das es zumeist Frauen – wenn nicht den Müttern, dann den Großmüttern – überlässt, dies auszugleichen. Trotz aller offiziellen Versuche, mehr Männer in die Elternkarenz zu bringen, übernehmen nach wie vor hauptsächlich Frauen die Kinderversorgung. Und das sowohl über längere, „arbeitsfreie“ Karenz-Zeiten hinweg wie auch trotz Berufstätigkeit im Akutfall z.B. bei einer Krankheit der Kinder. Ist auch logisch, denn bei der Person, deren Verdienst durchschnittlich 25 % geringer ist, betrifft der Verlust des Arbeitsplatzes das Familieneinkommen eben wesentlich weniger. Zudem ist die Akzeptanz der Arbeitgeber_innen für ein Fehlen der Mütter im Krankheitsfall der Kinder nach wie vor wesentlich größer als wenn ein Mann deshalb zu Hause bleiben will. Tausende engagierte Väter können ein Lied davon singen, wie ihre Chefs auf ihre Anfragen dahingehend reagiert haben. Naja, ein Lied wird es aber wohl nicht werden, zumindest kein schönes.

Davon abgesehen ist es jedoch auch ein allgemein vermitteltes Mutterbild, das Frauen dazu bringt, ihren Beruf, ihre Interessen, ihre Feundschaften, ihr Sexualleben aufzugeben. Nicht selten wird es zum wahren Mutterkult verklärt – und das über alle sozialen Schichten hinweg und quer durch alle politischen Tendenzen: strammen rechten Müttern, familienorientierten konservativen Müttern, linksalternativen Kuschelmüttern, ihnen allen wird die gleiche Botschaft mitgegeben: eine Mutter, die ihre Kinder liebt, kümmert sich um diese bis zur Selbstaufgabe. Eine Mutter, die das per se nicht will, ist eine Rabenmutter. Eine Mutter, die das irgendwann nicht mehr will, weil sie ihre Bedürfnisse wieder entdeckt oder weil sie vielleicht lange versucht hat, alles unter einen Hut zu bringen und dabei völlig ausgebrannt ist: „Regretting Motherhood“.

Spätestens hier sollte nun allen klar werden, was mich an dem Begriff „Regretting Motherhood“ so stört: für das erschöpfte Aufgeben der Freude an der Mutterschaft wird hier die Schuld der Mutter zugeschrieben bzw. schlimmer noch: Sie schreibt sich die Schuld selbst zu, anstatt zu erkennen, was sie in diese Situation gebracht hat und sich laut dagegen aufzulehnen – nicht allein gegen schlechte Bedinungen durch die öffentliche Hand, sondern gegen ihr näheres Umfeld: ihren Mann, ihre Familie, nicht zuletzt gegen ihren Freundeskreis. Gegen die kinderlosen Freund_innen, die sich darüber beschweren, dass mit ihr nichts mehr anzufangen sei seit sie Kinder hat und sich mehr oder weniger von ihr abwenden, anstatt sich solidarisch zu zeigen und mal abends auf ein Bier vorbei kommen anstatt oder zum gemeinsamen Kochen. Einfach weil sie einsehen, dass es keinen Sinn macht sich darüber zu beschweren, dass sie nie mehr in der Kneipe anzutreffen ist. Die mit ihr auch einmal über etwas anderes reden als über Mutterschaft und Kinder und damit zeigen, dass sie sie nach wie vor als Person, als Freundin, mit ihren ureigensten und in den meisten Fällen sehrwohl weiter bestehenden Interessen ernst nehmen. Die, wenn sie eh nix anderes vorhaben am Abend als ein Buch zu lesen oder fernzusehen, das in ihrer Wohnung tun und dabei Babysitten, damit sie auch mal raus kann, gemeinsam mit dem Partner vielleicht, um nicht nur ihr Mutter- sondern auch ihr Beziehungsleben pflegen zu können.

Sich laut auflehnen aber und gerade auch gegen die Freund_innen, die ebenfalls Kinder haben, das vielleicht schon länger als sie. Und die ihr ein wahrhaft heroisches Eltern-Epos vorleben, das Akzeptieren der eigenen Leidensgeschichte inklusive. Nur, weil sie selbst nie fähig und in der Lage waren, Auswege daraus zu suchen. Sich mit anderen Eltern zu solidarisieren, sich gegenseitig das Leben zu erleichtern (es macht nämlich kaum einen Unterschied, mal zwei Kinder von der Schule mit nach Hause zu nehmen um der Freundin damit einen freien Nachmittag zu bescheren – ganz im Gegenteil ist es meist für alle, gerade auch für die Kinder, eine große Freude), anstatt ständig in Konkurrenz über die größte eigene Einsatzbereitschaft und den gelungensten Nachwuchs zu treten.

Würden Frauen, Mütter, sich mehr um sich und ihre Freundinnen kümmern, könnten davon auch die Partner profitieren. Dass MILF (Mother I’d Like to Fuck) einer der meistgesuchten Begriffe auf Pornoseiten ist – derzeit auf Platz fünf, direkt vor „Mom“ – sorgt immer wieder für süffisante Erheiterung8. Dabei ist es doch nicht weit hergeholt zu denken, dass diese Typen sich insgeheim wünschen, mit ihrer eigenen Frau nur annähernd sexuelle Erlebnisse zu haben, wie sie sie aus der Zeit vor den Kindern erinnern? Nur wenige können an diese Zeiten fast nahtlos anknüpfen. Denn nach Studien, die besagen, dass selbst berufstätige Frauen etwa 80 Prozent der unbezahlten Sorgearbeit übernehmen (dazu zählen Haushaltstätigkeiten ebenso wie Kochen und Kinderversorgung) wurde nun festgestellt, dass sogar Frauen, die Haupternährererin der Familie sind, einen Großteil dieser Arbeiten leisten. Nicht unbedingt, weil sie dazu gezwungen werden, sondern weil sie sich gesellschaftlich dazu gezwungen fühlen. Und darüber hinaus verteidigen die meisten von ihnen in Gesprächen das Ruhe- und Selbstverwirklichungsbedürfnis ihrer Partner noch.9

Fit und ausgeruht wie diese sind, wünschen sich die Partner also den alten Sex zurück. Der aber rückt in schier unerreichbare Ferne, weil sich die Frau, nicht selten direkt mit den Kindern, schon Stunden vor ihm aus Erschöpfung und Verzweiflung in einen halbkomatösen Schlaf geweint hat. Natürlich nicht ohne sich die Spülhände eingecremt zu haben, damit zumindest die den nächsten Tag unbeschadet überstehen. Partner, MILF-Googler (oder auch nicht), habt ihr euch mal überlegt, wie ihr mit echtem 50:50 dazu beitragen könntet, dass sich eure Frauen besser fühlen und mehr Lust auf Sex haben? Da muss etwas von euch kommen und als Selbstverständlichkeit der halben Verantwortung in einer wirklich gleichberechtigten Partnerschaft gelten und nicht als nett gemeintes Helfen. Denn, wie Jochen König10 es so schön ausdrückte: „Wenn der Vater das zehnte mal fragt, wo die Windeln seien, ist es nicht Schuld der Mutter, wenn sie genervt wieder die Windeln selbst wechselt.“

Dafür jedoch müsste Care-Arbeit, insbesondere die häusliche, unbezahlte Care-Arbeit, Familienarbeit, als Arbeit anerkannt werden. Eine Forderung, die nicht neu ist und schon seit einigen Jahrzehnten diskutiert wird11. Aber anstatt dass sich etwas tut in der Sache, wird mit zunehmender „echter“ Berufstätigkeit der Frauen alles, was Haushalt und Kinder betrifft, erst recht in die Kategorie „das macht sich doch nebenher und quasi von alleine“ ausgelagert. Und damit das auch weiter so bleibt, machen Frauen und sehr häufig gerade Feministinnen, diese Arbeiten nach wie vor ohne darüber zu reden und ohne Erschöpfung zeigen zu dürfen, weil sie dann ja nicht mehr als die starken Frauen gelten würden als die sie gelten wollen und als die sie sich auch selbst sehen. Schneller, als es ihnen bewußt wird, gehen sie dabei jedoch kaputt. Wie Maschinen, die nicht geschmiert werden. Da hilft auch kein Yoga!

DAS alles bereuen Frauen – und nicht, dass sie Mütter geworden sind! Deshalb ist es wichtig, dass das, was derzeit unter dem Titel „Regretting Motherhood“ diskutiert wird, diskutiert wird. Aber es sollte nicht unter dem Titel „Regretting Motherhood“ passieren. „Ich bereue mich nicht gegen diese scheißunsolidarische, antifeministische, kapitalistische Gesellschaft aufgelehnt zu haben“ wäre vielleicht eine Alternative. Zugegeben, ein bisschen lang und sperrig. Aber es geht auch kürzer und international verständlich, deshalb bin ich für die Einführung eines neuen Titels für diese Diskussion: „Regretting to Refuse Revolt“ – RRR.

P.S: Als Soundtrack für den Anfang empfehle ich „Let’s be bad“ von Childbirth.12


Donath, Orna: #regretting motherhood. Wenn Mütter bereuen. München – Knaus 2016

Mundlos, Christina: Wenn Mutter sein nicht glücklich macht. München – mvg 2015

U.a. dies wird sehr gut dargestellt in Diehl, Sarah: Die Uhr, die nicht tickt. Hamburg – Arche 2014. Auch Diehl lässt Frauen, in diesem Fall kinderlose Frauen, selbst zu Wort kommen, nutzt deren äußerst reflektierte Entscheidungsfindung jedoch, um die Krux der gesellschaftlichen Verhältnisse als Ursache dafür aufzuzeigen. Das Buch wird medial deshalb auch immer in diesem Kontext dargestellt.

Fischer, Sarah: Die Mutterglück-Lüge. Regretting Motherhood – Warum ich lieber Vater geworden wäre. Kiel – Ludwig 2016

Metz-Becker, Marita im Interview mit Christine Tragler: Arbeiterfrauen hatten ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber. In: http://derstandard.at/2000034109359/Ein-immerzu-schlechtes-Gewissen-den-Kindern-gegenueber

Ein emfehlenswerter Artikel hierzu ist „Non, je ne regrette rien – Abgesehen von der Mutterschaft“ von Twister (Bettina Hammer) auf http://www.heise.de/tp/artikel/47/47807/1.html

Ein amüsanter Artikel dazu ist „Komm zu Mutti“ von Alena Schröder aus der Sex-Kolumne des SZ-Magazins „Nackte Zahlen“. http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44041/Komm-zu-Mutti . Auch Alena Schröder merkt an, dass Mütter meist zu müde sind für Sex, zieht jedoch keine weiteren Schlüsse daraus. Das ist auch nicht das Anliegen ihres Artikels. Kleiner Hinweis für Interessierte: das von ihr empfohlene Selbstgooglen kann jedoch nur mit gutem Adblocker empfohlen werden!

Ein sehr guter Radiobeitrag zur entsprechenden Studie: Kathi Grünhoff: Von Frauen, die die Brötchen verdienen und Männern, die sie schmieren. http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/kolumnen-sendungen/generator/mann-frau-geschlechterverhaeltnis-umbruch-100.html

10  Siehe: http://jochenkoenig.net/blog/ – mit diversen guten, pro-feministischen Kommentaren zum sog. „Maternal Gatekeeping“

11  Die Kritik der feministischen Bewegung der 1970er-Jahre beinhaltete u.a. die Forderung nach bezahlter Hausarbeit (u.a. Mariarosa Dalla Costa, die 1972 zusammen mit Leopoldina Fortunati, Italien, Selma James, England, Silvia Federici, USA und Brigitte Galtier, Frankreich, zeitgleich mit der Gründung des Internationalen Feministischen Kollektivs die „Lohn für Hausarbeit“-Kampagne startete), entwickelte neue Arbeitsmodelle (u.a. Frigga Haugg), und stellte, obwohl aus der Linken kommend, wiederholt heraus, dass auch Marx/Engels die Reproduktionsarbeit nur als reproduktive, aber nicht vollwertige Arbeitsleistung anerkannt haben (u.a. Silvia Federici). Als einführende Lektüre ist hierzu empfehlenswert: Federici, Silvia: Aufstand aus der Küche. Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. Münster – edition assemblage 2012)

 

Interview: der Kapitalismus ist Schuld

April 5, 2016

Dieses Interview habe ich gern gelesen (auch wenn es schon einige Monate alt ist). Es wurde in der SZ mit der Wiener Scheidungsanwältin Helene Klaar geführt und macht einige Probleme deutlich, die sich aus der Ehe mit Kindern ergeben. Schön fand ich unter anderem, dass Klaar  einmal ganz andere als die üblichen’Beziehungstipps‘ gibt, indem sie gemeinsame Kapitalismuskritik einschliesst (auch wenn sich das in der Alltagspaxis dann sicherlich doch nicht ganz einfach umsetzen lässt):

Sie sind noch mit dem Vater der schreienden Bälger verheiratet. Was ist Ihnen gelungen, was anderen nicht gelingt?
Wir haben nie geglaubt, dass uns das pure Glück erwartet. Wir haben nicht an die Fernsehwerbung geglaubt, die einem vormacht, wenn man den Kindern nur die richtige Windel umschnallt, tanzen sie Cancan, schreien nie, und man kann wunderbar kochen und hübsch sein und aufregenden Sex haben. Außerdem haben mein Mann und ich feste politische Überzeugungen und sind der Meinung, dass an allem wirklich Schlechten der Kapitalismus schuld ist. Daher lassen wir uns nicht gegeneinander hetzen.

Guter Trick. 
Ich bin überzeugt, dass die 40-Stunden-Woche viel dazu beiträgt, dass die Menschen unzufrieden sind. Man kann nicht 40 Stunden arbeiten und daneben einen Haushalt führen und die Kinder unterhalten.

(…)

Sie reden, als wären vor allem die Frauen die Leidtragenden. 
Sind sie meistens auch. Weil sie nicht die Macht haben. Weil sie nicht das Geld haben. Ich kann Ihnen tausend Beispiele nennen. Die Frau, die gekocht und geputzt und die Kinder betreut und gearbeitet und gespart und sich gefreut hat auf die Zeit, in der sie zusammen die Rente genießen, die dann erfährt, dass er sich in eine andere, jüngere verliebt hat. (…)

In Deutschland wurde 2008 das Unterhaltsrecht geändert: Der Anspruch auf Betreuungsunterhalt der Person, bei der die Kinder leben, wurde auf drei Jahre reduziert. Damit Mütter der Arbeitswelt nicht so lange fernbleiben. 
Zu sagen, wir wollen, dass die Frauen schnell wieder arbeiten, darum nehmen wir ihnen den Unterhalt, schiebt der Frau das Risiko zu, wieder einen Job zu finden. Wenn man wirklich wollte, dass Frauen dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben, müsste man die Unterhaltsansprüche erhöhen und nicht abschaffen.

Zwei zentrale Probleme werden im Interview (erneut, wie so oft) deutlich: die 40-Stunden-Woche sowie die mangelnde ökonomische Absicherung für diejenige Person, die die Haus- und Erziehungsarbeit übernimmt. Es wird Zeit, dass sich endlich etwas ändert.

Kulturuntergang!

März 8, 2016
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Das Buch des Antifeministen und Rassisten (eine nicht ungewöhnliche Kombination) Eberhard von 1927.

 

Kulturuntergang ist manchmal nicht das schlechteste; zumindest, wenn diese Kultur vom Patriarchat geprägt ist; wenn sie nicht in der Lage scheint, ein ‚Nein‘ als Definition für sexuelle Übergriffe zu akzeptieren; wenn es in der Kultur zu Armut führt, bedürftige Menschen zu pflegen; wenn die heterosexuelle Ehe als einzige Lebensform privilegiert wird; wenn die Kultur den Wert menschlichen Lebens nach dessen ökonomischer Effizienz bemisst; wenn sie ‚racial profiling‘ duldet; wenn sie ihre Grenzen für Menschen in Lebensgefahr schließt; oder wenn sie von Schießbefehlen spricht.

Happy internationaler Frauenkampftag, everyone.

 

Mein Kind macht nichts

Februar 20, 2016

Ein Gastbeitrag von Iro Abendrot

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Es hat eine Weile gedauert, bis ich das mit solcher Deutlichkeit sagen konnte, aber dann kam es recht spontan und mit voller Überzeugung. Nein, es ist ja eigentlich gar nicht so, dass mein Kind nichts macht. Ich finde, es macht sogar sehr viel. Es geht zur Schule und lernt. Täglich, und meistens kommen wir auch pünktlich. Und das finde ich, ehrlich gesagt, schon ziemlich anstrengend, wenn man das mit dem Ernst betreibt, mit dem das mein Kind macht. Und nach der Schule spielt es, oder erzählt, oder sitzt und denkt oder sitzt einfach nur. „Nein, mein Kind geht nicht mehr zum Ballett.“ Ja, natürlich hat das damit zu tun, dass sie keine Lust mehr dazu hat. Aber nein, ich finde nicht unbedingt, dass das mit einem Mangel an Durchhaltevermögen zu tun hat.

Im Gegenteil freut es mich, dass sie

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helfende Väter

Januar 19, 2016

Dieselben Typen, die in der Firma jede Verantwortung gerne sofort übernehmen, sind nicht in der Lage, Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen. Wickeln nur, wenn die Wickeltasche mindestens vom Hipster-Label ist. Zum coolen Open-Air-Konzert werden die Kinder gerne mitgenommen, aber wegen Magen-Darm-Geschiss zu Hause bleiben? Um Himmels Willen, das geht gar nicht.

Auch mein Exmann hatte so ein schweres Los gezogen: den ganzen Tag verantwortungvollste Projekte leiten, wenn er dann mal nach Hause kam, stürmten gleich die Kinder auf ihn zu, und wenn die endlich im Bett waren, saß da ne Frau auf dem Sofa: der hatte überhaupt kein Privatleben mehr! (…)

Ich habe mehrfach ernst und gründlich darauf hingewiesen, dass unsere Ehe und unsere Familie kaputt gehen, wenn er so weitermacht. Er hat es nicht ernst genommen. Aber ich habe ihn ernst genommen, habe dies als seine bewusste Entscheidung akzeptiert und bin gegangen. (…)

Es war seine Entscheidung, seine ganz eigene persönliche Entscheidung, wie er sich zur Familie und zum Job verhalten hat. Es ist nicht die Firma und nicht die Gesellschaft, die die Männer zwingt, sich von der Familie abzuwenden und andere Prioritäten zu setzen. Warum in diesen Köpfen der Schwenk auf “ich hab jetzt Familie, das ist toll, ich freu mich und das machen wir jetzt zusammen” nicht gelingt, weiß ich nicht, aber sie sind definitiv nicht Opfer!

Ein Ausschnitt aus dem Text ‚Regrettingfatherhood: Ich nehme meinen Mann ernst, darum habe ich ihn verlassen‚ von ‚Mutterseelesonnig‘. Lesenswert sind auch die vielen Kommentare dazu.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet eine Gastautorin in ihrem  Text ‚Ich bin unzufrieden, obwohl mein Mann mir hilft‚ auf ‚Mama arbeitet‘:

Und es stellen sich wirklich immer wieder alle Haare auf, wenn ich höre „Mein Mann hilft im Haushalt.“ Ein sehr gängiger Satz, so gängig, dass die Absurdität erst auffällt, wenn man ihn umdreht „Meine Frau hilft im Haushalt.“

Im Haushalt helfen!

Eine sprachliche Feinheit kann man jetzt sagen, aber tatsächlich steckt in meinem Empfinden mehr dahinter. Wenn nämlich ein Mann findet, dass er (s)einer Frau im Haushalt hilft, dann schwingen da immer zwei Sachen mit. Erstens – er ist großzügig. Er hilft nämlich und zweitens – Dankbarkeit ist angebracht – er hilft nämlich!

Beide Autorinnen berichten auch von der Erfahrung, dass eine gerechte Aufteilung von Familienarbeit erst nach der Trennung möglich war.

Zum Thema Väter, die sich für die geringste Übernahme von Familienarbeit feiern lassen – oder die, wenn sie ebendiese Arbeit nicht machen, die Schuld auf die  Mütter schieben – passt der wunderbare Text von ‚Aufzehenspitzen‘ sehr gut: ‚Die “… wenn man uns lässt”-Väter‚. Eine dort abgebildete Grafik zu einer repräsentativen Umfrage, in der 2015 insgesamt 1.037 Väter aus NRW befragt wurden, sei hier kommentarlos abgebildet.

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Screenshot www1.wdr.de via ‚aufzehenspitzen‘

Eltern mit Behinderung

Januar 17, 2016

“Das gibt es nicht. Ich kenne keine behinderten Eltern und ich kann mir auch nicht vorstellen, das jemand freiwillig eine Elternschaft eingeht, außer Sie” war die Antwort, die eine Mutter mit einer neuroligen Erkrankung von ihrem Arzt bekam, als sie ihn während ihrer Schwangerschaft nach Kontakt zu Eltern mit Behinderung fragte. Sie wechselte den Arzt, gründete das Blog ‚wheelymum‚ und startet dort nun eine Reihe zu Eltern mit Behinderung:

Ich möchte für dieses Thema sensibilisieren. Und anderen Eltern Mut machen. Niemand soll sich in seiner Schwangerschaft (nur weil er anders ist) als Zombie oder Aussätzige fühlen müssen.
Aus diesem Grund starte ich heute eine Blogreihe. Eine zeitlang wird jeden Donnerstag hier ein Gastartikel oder ein Interview zu dem Thema: Eltern mit Behinderung, veröffentlicht werden. Es werden andere behinderte oder chronisch kranke Eltern, etwas über ihr Leben schreiben, aber auch “normale Eltern” werden zu Wort kommen.

Wer gerne, mitmachen möchte, seine Gedanken oder Erfahrungen dazu aufschreiben möchte, kann sich jederzeit gerne unter: wheelymum08@web.de bei mir melden.

Um ein ähnliches Thema geht es in dem Beitrag ‚Der Alltag zweier Mütter‚ (DR Kultur) von Thilo Schmidt. Er beschreibt dort auch ausführlich die Vorbehalte und Diskriminierung, die Eltern mit Behinderung von verschiedensten Seiten, seien es Sachbearbeiter_innen, Hebammen oder Gynäkolog_innen erfahren: „‚Ja dann geben Sie Ihre Kinder doch ins Heim‘ – auch Antworten wie diese haben behinderte Eltern auf den Ämtern schon erhalten“. Ebenso werden die Hürden, notwendige Unterstützung – etwa in Form einer Elternassistenz – zu erhalten, thematisiert.

Wichtige Informationen, Gruppenangebote und Literaturhinweise bietet der Bundesverein behinderter und chronisch kranker Eltern.

 

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