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Homophobie und Familienwerte: Artikelempfehlung

April 12, 2014

Ungleichbehandlung aufgrund von Sexualität ist verboten – per EU-Grundrechtecharta und den Antidiskriminierungsgesetzen Deutschlands und Frankreichs. Das bedeutet: Es gibt keinen Anlass, über gleiche Rechte in Sachen Ehe, Fortpflanzung und Lehrplan auch nur zu diskutieren. Vielmehr: Es ist verfassungswidrig.

Und trotzdem müssen queere Menschen genau das mit ansehen. Müssen sich gefallen lassen, dass andere ihre Familientauglichkeit „aufgrund fehlender Langzeitstudien“ bezweifeln. Müssen sich rechtfertigen, weil sie dieselben Ansprüche haben wie die anderen. Und müssen sich dabei auch noch über die „Meinungsfreiheit“ freuen.

Warum wird dieses gewaltvolle Verständnis von Meinungsfreiheit medial geduldet? Warum wird diskriminierenden Positionen Raum gegeben, warum werden andere Stimmen dafür übergangen? Vielleicht haben Alleinerziehende, Regenbogen- und Patchworkfamilien, Adoptiveltern und -kinder genau die Expertise, die einer öffentlichen Diskussion über das Wohl der Kinder zuträglich wäre.

Vielleicht sammeln sie seit Jahrzehnten wichtige Erfahrungen und haben sachliche Argumente, gerade weil sie Elternschaft nicht mit penetrativem Sex verwechseln. Nur werden sie nicht an öffentlichen Debatten teilnehmen, solange sie befürchten müssen, als defizitär wahrgenommen zu werden. Der Konservatismus, an dem auch viele nichtkonservative leiden, blockiert Diskurse, die die realen Ängste und Probleme aller Familien ernst nehmen.

Ein wichtiger Text zur Norm von ‘Vater, Mutter, Kind‘ von Peter Weissenburger aus der TAZ.

“Dann hätte ich ein Kind gezeugt und könnte trotzdem genauso skaten wie davor.” – Interview mit Anna Groß in der TAZ

April 3, 2014

Ich fand ein Interview mit der Skaterin Anna Groß (geführt von Juliane Schumacher) aus verschiedenen Gründen interessant. Einmal, wegen der Aussagen darüber, wie Sexismus in vielen Sub- und Jugendkulturen funktioniert; aber auch weil ihre Biografie zeigt, dass für sie Sorge-Arbeiten (Au Pair, Mutter-Sein, eine eigene Skater_innen-Szene unterstützen) teilweise mit dem Skaten in Konflikt traten, es teilweise aber auch überhaupt erst ermöglichten.

Den Weg aufs Board haben Sie aber doch noch gefunden.

Nach dem Abitur bin ich für ein Jahr in die USA gegangen und habe als Au-pair-Mädchen in Washington gearbeitet. Da war für mich klar: Das ist das Land des Skateboardens, da muss ich einfach skaten. Und es kannte mich niemand – es konnte gar nicht peinlich werden. Ich habe angefangen und konnte gar nicht mehr aufhören. In dem Jahr dort bin ich fast jeden Tag geskatet, ich habe Skate-Parks in den ganzen USA abgeklappert.

Wie haben Sie in der fremden Stadt andere Skater kennengelernt?

Das war in den Anfangszeiten des Internets, es gab schon Foren. Da habe ich reingeschrieben, dass ich Skater suche. Und da haben sich auch gleich zwei sehr nette Typen gemeldet. Sie wurden meine Clique, wir waren zu dritt, manchmal zu fünft.

(…)

Ist das der Grund, warum so wenige Frauen skaten: dass ihnen die Vorbilder fehlen?

Ja, auch. Ich habe viel darüber nachgedacht, warum so wenige Frauen skaten. Ich hatte eine Zeit, da dachte ich: Vielleicht ist es doch auch körperlich bedingt? Nach der Geburt meines Sohnes musste ich lange mit dem Skaten pausieren, da habe ich mich geärgert und gedacht: Wäre ich jetzt ein Typ, hätte ich das Problem nicht. Dann hätte ich ein Kind gezeugt und könnte trotzdem genauso skaten wie davor. Aber ich glaube heute, dass der Hauptgrund die Erziehung ist.

Weil Skaten solch ein “harter” Sport ist und damit unweiblich?

Genau. Ein Mädchen wird von von klein auf dazu erzogen, nicht laut zu sein, nicht vorlaut, sich nicht dreckig zu machen. Aber das passiert beim Skaten. Skaten ist ein gefährlicher Sport, man kriegt auch mal blaue Flecken und tut sich weh.

 

DIY: How to make a Schwangerschaft.

März 31, 2014

Es gibt verschiedene Wege, schwanger zu werden. Nicht alle sind allerdings für alle Menschen gleich einfach, zugänglich und durch reproduktive Rechte abgesichtert. Ein Weg wird heute vorgestellt, nämlich die Methode mit Spritze, die bereits von mehreren Menschen mit Erfolg verwendet wurde.

SchwangerschaftsUtensilien

Zutaten (Foto: NP)

Du brauchst: Eine Person mit Eizellen, eine Person mit Sperma, einen Eisprungtest (LH-Sticks), eine Einwegspritze mit Restentleerung, einen Urinbecher, einen Schwangerschaftstest. Optional: eine oder mehrere Personen zur Unterstützung, Dinge, die eine angenehme Atmosphäre schaffen (Musik, etc.), eine Inseminationskappe (auch ein Menstruationsbecher ist möglich) und ein Gleitmittel, das nicht die Spermienqualität beeinträchtigt. Abgesehen von den Personen bekommst Du die meisten Zutaten in Internetshops oder in Apotheken (Becher und Spritze müssen nicht steril sein).

1. Wenn Du die Person bist, die schwanger werden möchte, solltest Du zunächst Deine Zykluslänge ermitteln, denn für viele Menschen gilt der standardisierte 28 Tage-Rhytmus nicht. In Eisprungkalendern (die auch im Internet einfach über Suchmaschinen zu finden sind) kannst Du dann mit dem Wissen über die Zykluslänge bereits der ungefähre Zeitpunkt des Eisprungs schätzen. Noch genauer lässt sich der Zeitpunkt anschliessend durch einen Eisprungtest ermitteln, der kurz vor dem möglichen Kalender-Termin erfolgen sollte. Wenn der Test positiv ist, findet der Eisprung in höchstens 48 Stunden statt. Um diesen Zeitpunkt herum solltest Du das Sperma einführen.

2. Die Person mit dem Sperma füllt es in einen Becher. Es ist gut, einige Minuten zu warten, bis sich das Sperma leicht verflüssigt hat. Dann sollte nicht mehr als eine Stunde zwischen Abspritzen und Einführen vergehen. Im Becher sollte das Sperma möglichst etwas warm (ein bisschen niedriger als Körpertemperatur) gehalten werden. Eine Methode dafür ist, den Becher unter die Achseln zu halten.

3. Das Sperma in die Spritze aufziehen, diese möglichst tief in die Scheide einführen und das Sperma einspritzen. Bei der Geschwindigkeit des Einspritzens gehen die Expert_innen-Meinungen auseinander: Manche Menschen meinen, das sollte eher langsam erfolgen, da sonst die Spermien geschädigt werden könnten. Andere erklären genau das Gegenteil und raten zu einer hohen Geschindigkeit, um so das ‘Abspritzen’ aus einem Penis zu simulieren. Auch eine mittlere Geschwindigkeit hat aber schon zu Erfolgen geführt.

4. Es verbessert das Ergebnis, anschliessend die Spermien am Rückfluss zu hindern: Eine Möglichkeit ist, ca. eine halbe Stunde mit erhöhten Becken (z.B. durch Kissen unter den Po) und Beinen liegen zu bleiben. Manche raten auch, kurz eine Kerze zu machen.

  • Eine zweite Möglichkeit ist, eine Inseminationskappe (oder Menstruationsbecher) zu verwenden. Diese hat den Vorteil, dass Du nicht liegenbleiben musst, sondern sofort aufstehen kannst. Zudem soll sie eine Schwangerschaft noch wahrscheinlicher machen. Ein Nachteil ist, dass sie teuer ist und etwas Übung in der Anwendung erfordert. Die Kappe wird mit Gleitcreme eingeführt und sollte, ähnlich einem Diaphragma, auf dem Muttermund liegen. Der Muttermund fühlt fühlt sich an wie eine Kugel mit Vertiefung, ähnlich wie ein kleiner Doughnut.
  • Es gibt auch die Möglichkeit, nur die Inseminationskappe und keine Spritze zu verwenden (also Punkt 3 auszulassen). Dann wird das gesamte Sperma in die Inseminationskappe gefüllt und diese anschließend eingeführt. Viele raten zu einer Kombination beider Methoden: Nach dem Spritzen den Rest des Spermas direkt in die Kappe zu geben und dieses dann so vor den Muttermund zu platzieren.

5. In einem Durchgang (also um einen Eisprung herum) ist einmal Sperma Spritzen oft ausreichend, es erhöht aber die Chancen zusätzlich, diese Prozedur, wenn möglich, im Abstand einiger Tage zu wiederhohlen.

6. Abschliessend lässt sich mit einem Schwangerschaftstest feststellen, ob es geklappt hat. Der kann frühestens nach zwei Wochen (Früherkennungstest) durchgeführt werden.

Viel Erfolg!

Hierbei ist selbstverständlich ‘Safer Sex’ für alle Voraussetzung. Besonders wenn Du die Person bist, die das Sperma gibt, solltest Du sicher sein, keine sexuell übertragbaren Krankheiten zu haben und gegebenenfalls vorher entsprechende Tests machen.

Diese Methode wird vor allem von queeren, homosexuellen und trans* Menschen verwendet, denen durch eine diskriminierende Reproduktionspolitik – die beispielsweise lesbischen oder alleinstehenden Frauen den Zugang zur Reproduktionsmedizin und institutionalisierten Samenspende verbietet – immer noch die Rechte verwehrt werden, die heterosexuell-verheiratete Menschen besitzen.

Nicht-diskriminierende Kinderliteratur

März 30, 2014

Es tut sich viel im Bereich der Kinderbücher. Die ‘Heinrich Böll Stiftung’ hat ein äußerst empfehlenswertes Dossier herausgegeben, das sich mit Kinderliteratur jenseits hegemonialer Weltbilder beschäftigt. Unter dem Titel “Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt!” finden sich etwa mehrere Videos mit Literaturempfehlungen, ein sehr guter Text zu Rassismus in Künderbüchern von Tupoka Ogette oder eine Liste mit intersektionalen Büchern von ‘Gladt e.V’. Empfohlen wird beispielsweise das Buch „Erstaunliche Grace“ von Mary Hoffmann und Caroline Binch oder „Warten auf Seemann“ von Ingrid Godon und André Sollie.

Auch ‘Me, Myself & Cild’ gibt einige Links zum Thema ‘Representations Matters‘.

Zudem finden sich bei ‘umstandslos’ unter der Rubrik ‘Aufklappen/ Zuklappen‘ immer wieder kritische Rezensionen und Empfehlungen von Kinderbüchern.

“Ich bin schwanger, aber auf die als abartig verteufelte Weise” – Judith Schalansky

März 20, 2014

Durch einen Urlaub hatte ich die unsägliche Dresdner Rede der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff gar nicht mit bekommen. In dieser bezeichnete sie Kinder, die mit medizinischer Hilfe gezeugt wurden, als ‘Halbwesen’. Angenehmer Weise erfuhr ich so erst über die gute Replik von Judith Schalansky in der ‘Süddeutschen Zeitung’ davon:

“Als Kollegin und als lesbisch lebende, schwangere Frau bin ich von Sibylle Lewitscharoffs Äußerungen geschockt, ist mein Kind doch auf eine Weise entstanden, die sie als “abartig”, “widerwärtig”, “abscheulich” verteufelt: Ein Frauenpaar und ein schwuler Mann gründen eine Familie, freuen sich auf ein Kind, um das sie sich gemeinsam kümmern wollen. (…) Wenn Menschen, aus welchen Gründen auch immer, die vollumfängliche Würde abgesprochen wird, ist das nicht mehr die Kultivierung eines Ressentiments, sondern eine ungeheuerliche Hetze, die einem absurden, biologistischen, faschistoiden Natürlichkeitsideal huldigt.”

Fritzi und ich in Warschau – im Gespräch mit Sylwia Chutnik von der Fundacja MaMa

März 16, 2014

Jochen König ist Autor, wohnt mit seiner vierjährigen Tochter Fritzi in Berlin, interessiert sich für die gesellschaftlichen Debatten rund um Feminismus, Familie und Geschlecht und hat ein Buch über sein Leben mit Fritzi geschrieben, das sich um diese Themen dreht.

Im Zug ist es nur eine Stunde von Berlin bis zur deutsch-polnischen Grenze. Und trotzdem haben viele Menschen hier wenig bis keinerlei Bezug zu Polen. Bis vor wenigen Jahren wusste ich selbst kaum etwas über dieses Land. Der Blick richtet sich eindeutig Richtung Westen. In deutschen Schulen wird französisch unterrichtet, die Französische Revolution ist auch weniger geschichtlich Interessierten ein Begriff und gesellschaftspolitische Debatten in Frankreich (wie beispielweise über die Homoehe) sind auch in deutschen Medien präsent. Vergleichbare Diskussionen in Polen werden dagegen in Deutschland kaum wahrgenommen. In Warschau bin ich unter anderem mit Sylwia Chutnik verabredet, um sie zu interviewen. Sie ist Mitbegründerin der Fundacja MaMa und im Jahr 2008 erschien ihr Roman Kieszonkowy atlas kobiet – 2011 auch auf Deutsch unter dem Titel Weibskram. (Ein weiteres Interview mit ihr, das auf ‘fuckermothers’ bereits erschien, führte Anna Kasten.)

Fritzi und ich machen uns auf den Weg nach Warschau. Etwas mehr als fünf Stunden im Zug von der einen Hauptstadt in die andere. Wir wohnen in Weiterlesen…

“gesungen hat niemand, und Herr Strauß war auch nicht da” – Jelinek vs. Hoeneß

März 16, 2014

Ein fast surreal anmutendes Gespräch fand vor 30 Jahren zwischen Uli Hoeneß und Elfriede Jelinek statt. Es ging um Ehe und Hausarbeit und ist auf ‘kuvi‘ in vollständiger Form zu lesen.

Moderator: Frau Jelinek, wie war das denn bei Ihnen mit dem Heiraten?

Jelinek: In der gesetzlich kürzest möglichen Form, gesungen hat niemand, und Herr Strauß war auch nicht da.

Moderator: War jemand anders da?

Jelinek: Meine Mutter war gleichzeitig Trauzeugin.

Moderator: Wie lange haben Sie Ihren Mann gekannt, bevor Sie geheiratet haben?

Jelinek: Ganz kurz nur, vier Wochen. Wir hätten auch früher geheiratet, aber das ging mit den Papieren so schwer.

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