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helfende Väter

Januar 19, 2016

Dieselben Typen, die in der Firma jede Verantwortung gerne sofort übernehmen, sind nicht in der Lage, Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen. Wickeln nur, wenn die Wickeltasche mindestens vom Hipster-Label ist. Zum coolen Open-Air-Konzert werden die Kinder gerne mitgenommen, aber wegen Magen-Darm-Geschiss zu Hause bleiben? Um Himmels Willen, das geht gar nicht.

Auch mein Exmann hatte so ein schweres Los gezogen: den ganzen Tag verantwortungvollste Projekte leiten, wenn er dann mal nach Hause kam, stürmten gleich die Kinder auf ihn zu, und wenn die endlich im Bett waren, saß da ne Frau auf dem Sofa: der hatte überhaupt kein Privatleben mehr! (…)

Ich habe mehrfach ernst und gründlich darauf hingewiesen, dass unsere Ehe und unsere Familie kaputt gehen, wenn er so weitermacht. Er hat es nicht ernst genommen. Aber ich habe ihn ernst genommen, habe dies als seine bewusste Entscheidung akzeptiert und bin gegangen. (…)

Es war seine Entscheidung, seine ganz eigene persönliche Entscheidung, wie er sich zur Familie und zum Job verhalten hat. Es ist nicht die Firma und nicht die Gesellschaft, die die Männer zwingt, sich von der Familie abzuwenden und andere Prioritäten zu setzen. Warum in diesen Köpfen der Schwenk auf “ich hab jetzt Familie, das ist toll, ich freu mich und das machen wir jetzt zusammen” nicht gelingt, weiß ich nicht, aber sie sind definitiv nicht Opfer!

Ein Ausschnitt aus dem Text ‘Regrettingfatherhood: Ich nehme meinen Mann ernst, darum habe ich ihn verlassen‘ von ‘Mutterseelesonnig’. Lesenswert sind auch die vielen Kommentare dazu.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet eine Gastautorin in ihrem  Text ‘Ich bin unzufrieden, obwohl mein Mann mir hilft‘ auf ‘Mama arbeitet’:

Und es stellen sich wirklich immer wieder alle Haare auf, wenn ich höre „Mein Mann hilft im Haushalt.“ Ein sehr gängiger Satz, so gängig, dass die Absurdität erst auffällt, wenn man ihn umdreht „Meine Frau hilft im Haushalt.“

Im Haushalt helfen!

Eine sprachliche Feinheit kann man jetzt sagen, aber tatsächlich steckt in meinem Empfinden mehr dahinter. Wenn nämlich ein Mann findet, dass er (s)einer Frau im Haushalt hilft, dann schwingen da immer zwei Sachen mit. Erstens – er ist großzügig. Er hilft nämlich und zweitens – Dankbarkeit ist angebracht – er hilft nämlich!

Beide Autorinnen berichten auch von der Erfahrung, dass eine gerechte Aufteilung von Familienarbeit erst nach der Trennung möglich war.

Zum Thema Väter, die sich für die geringste Übernahme von Familienarbeit feiern lassen – oder die, wenn sie ebendiese Arbeit nicht machen, die Schuld auf die  Mütter schieben – passt der wunderbare Text von ‘Aufzehenspitzen’ sehr gut: ‘Die “… wenn man uns lässt”-Väter‘. Eine dort abgebildete Grafik zu einer repräsentativen Umfrage, in der 2015 insgesamt 1.037 Väter aus NRW befragt wurden, sei hier kommentarlos abgebildet.

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Screenshot www1.wdr.de via ‘aufzehenspitzen’

Eltern mit Behinderung

Januar 17, 2016

“Das gibt es nicht. Ich kenne keine behinderten Eltern und ich kann mir auch nicht vorstellen, das jemand freiwillig eine Elternschaft eingeht, außer Sie” war die Antwort, die eine Mutter mit einer neuroligen Erkrankung von ihrem Arzt bekam, als sie ihn während ihrer Schwangerschaft nach Kontakt zu Eltern mit Behinderung fragte. Sie wechselte den Arzt, gründete das Blog ‘wheelymum‘ und startet dort nun eine Reihe zu Eltern mit Behinderung:

Ich möchte für dieses Thema sensibilisieren. Und anderen Eltern Mut machen. Niemand soll sich in seiner Schwangerschaft (nur weil er anders ist) als Zombie oder Aussätzige fühlen müssen.
Aus diesem Grund starte ich heute eine Blogreihe. Eine zeitlang wird jeden Donnerstag hier ein Gastartikel oder ein Interview zu dem Thema: Eltern mit Behinderung, veröffentlicht werden. Es werden andere behinderte oder chronisch kranke Eltern, etwas über ihr Leben schreiben, aber auch “normale Eltern” werden zu Wort kommen.

Wer gerne, mitmachen möchte, seine Gedanken oder Erfahrungen dazu aufschreiben möchte, kann sich jederzeit gerne unter: wheelymum08@web.de bei mir melden.

Um ein ähnliches Thema geht es in dem Beitrag ‘Der Alltag zweier Mütter‘ (DR Kultur) von Thilo Schmidt. Er beschreibt dort auch ausführlich die Vorbehalte und Diskriminierung, die Eltern mit Behinderung von verschiedensten Seiten, seien es Sachbearbeiter_innen, Hebammen oder Gynäkolog_innen erfahren: “‘Ja dann geben Sie Ihre Kinder doch ins Heim’ – auch Antworten wie diese haben behinderte Eltern auf den Ämtern schon erhalten”. Ebenso werden die Hürden, notwendige Unterstützung – etwa in Form einer Elternassistenz – zu erhalten, thematisiert.

Wichtige Informationen, Gruppenangebote und Literaturhinweise bietet der Bundesverein behinderter und chronisch kranker Eltern.

 

Alltagsrassismus: ‘Manchmal habe ich Angst’

Dezember 13, 2015

Manchmal habe ich Angst um meinen Sohn. Wenn Menschen blitzschnell die Hand ausstrecken und ihm über seine braunen Locken streicheln.

Manchmal habe ich Angst um meinen Sohn. Wenn er mir von seinem Tag im Kindergarten erzählt und Menschen, die uns gegenüber im Vierer in der Bahn sitzen, lächeln und sagen: „Du sprichst aber sehr gut Deutsch!“

Manchmal habe ich Angst um meinen Sohn. Wenn die Menschen, die uns gegenüber im Vierer in der Bahn sitzen und ihn eben noch für sein gutes Deutsch gelobt haben, fragen: „Wo kommst du GENAU her?“ und ihnen die Antwort „Aus Mamas Bauch!“, nicht genug ist.

In dem Text ‘Manchmal habe ich Angst um meinen Sohn‘, der auf ‘Testgelände’ erschienen ist, beschäftigt sich Sarah mit Alltagsrassismus.

Steuerliche Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Eltern

Dezember 8, 2015

In Deutschland können heterosexuelle Paare die Kosten für eine künstliche Befruchtung von der Steuer absetzen. Gemäß eines Urteil des Finanzgerichts Münster haben gleichgeschlechtlich lebende Paare diese Möglichkeit nicht. Dort hatte eine lesbische Klägerin, deren Finanzamt sich weigerte, die Kosten anzuerkennen, nicht Recht bekommen. Ein Bericht dazu findet sich in der Süddeutschen Zeitung.

Zu Recht weist ‘Rainbow Family News’ allerdings auf die Bebilderung des entsprechenden SZ-Artikels hin: Obwohl es sich um ein lesbisches Paar handelte, wurden Bilder eines Männerpaares gezeigt. Wie so oft wird damit auf symbolischer Ebene Homosexualität mit Schwulsein gleichgesetzt, wohingegen Lesben (und queere Lebensformen) ausgeklammert werden.

Illouz und Frederici

November 26, 2015

In jüngster Zeit gab es zwei angenehm zu lesende Artikel zu den beiden feministischen Theoretikerinnen Eva Illouz und Silvia Federici.

Illouz sagt in einem Interview mit der Baselerlandschaftlichen Zeitung gewohnt schöne Dinge, wie z.B.:

Wir haben eine Kultur, in der Liebe und Sexualität ständig propagiert werden – aber nur so lange sie ein Vorwand zum Konsumieren sind. Wenn es darum geht, Familienleben zu organisieren, tut derselbe Kapitalismus so, als ob es so etwas wie Familien, um die man sich kümmern sollte, nicht gäbe. Kinder interessieren den Kapitalismus nur als Konsumenten.

(…) Unsere Firmen sollten sich bemühen, etwas weniger Geld zu machen, dafür mehr zum Wohl der Gesellschaft beizutragen. Denn es ist schlecht für die Gesellschaft, wenn Menschen den grössten Teil ihrer Energie der Arbeit opfern und nicht denjenigen geben, die sie lieben: ihren Angehörigen.

Fredericis wichtigste Arbeiten – die Aufsatzsammlung ‘Aufstand aus der Küche’ und das Buch ‘Caliban und die Hexe’ – werden übersichtlich und doch ausführlich auf ‘beziehungsweise – weiterdenken’ vorgestellt. Ebenfalls ein Ausschnitt:

Für Silvia Federici ist Lohnabhängigkeit nichts Erstrebenswertes. (…). So vertritt sie implizit die Vorstellung, dass Menschen ein Recht auf eine materielle Existenzsicherung haben, weil sie ein Recht haben auf Leben. Man könnte sagen, dass so, wie (frei lebende) Tiere kein Eigentum kennen, sondern sich einfach nehmen, was sie brauchen, (aber auch nicht mehr!) so müssten auch Menschen Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen haben, um daraus alles das zu produzieren, was zum Leben notwendig ist. Warum soll erst eine durch Einhegung verursachte Lohnabhängigkeit Zugang verschaffen zu den zum Leben benötigten Mitteln? Und warum sollen manche Menschen für ihre Tätigkeiten entlohnt werden und andere nicht?

Wie kann Widerstand organisiert werden gegen diese lebensfeindliche wirtschaftliche System und gegen die spezifische Ausbeutung der Frauen?

„Sie nennen es Liebe. Wir nennen es unbezahlte Arbeit.
Sie nennen es Frigidität. Wir nennen es Schwänzen. (…)”

Neue Familienportraits in Berlin

November 21, 2015

Ein Teil der Serie ‘Neue Familienportraits / New Family Portraits’ von Verena Jaekel wird aktuell in der Berlinischen Galerie ausgestellt. Zu sehen sind die Bilder im Rahmen der Ausstellung “Das sind wir: Portraitfotografie 1996 bis 2013” vom 20.11.2015 bis zum 21.03.2016.

 

New York City, 15.04.2006 from the series: Neue Familienportrait

New York City, 15.04.2006 (Verena Jaekel copyright) 

Anne-Marie Slaughter hat ihre Meinung (ein bisschen) geändert

Oktober 27, 2015

Anne-Marie Slaughter wurde hierzulande vor allem wegen ihres Artikels ‘Why women still can’t have it all‘ bekannt. In eher reaktionären Argumentationen wurde der Text oft verkürzt zitiert, um vermeintlich zu belegen, dass Frauen und insbesondere Mütter, nun ja, eben nicht alles haben können. (Und das dann gefälligst auch nicht mehr verlangen sollten.) Interessanter Weise hat Slaughter in ihrem neuen Buch ‘Unfinished Business’ ihre Meinung etwas geändert und sieht nun die Aufwertung von Sorge-Arbeit als wichtiges Ziel. Hier ein Interview zu dem Buch.

What I’m really now talking about is the work that we do investing in other people—as mothers, as fathers, as children taking care of our own parents, as someone taking care of anybody who is disabled or ill.

That work of investing in others is actually just as important as the work we do for money. I now look at my mother’s work as a homemaker as well as her work as an artist, and I say, “Those things are equal.” I didn’t believe that three years ago.

So erfreulich diese Meinung ist, so großes Unbehagen erzeugen andere Stellen des Interviews. Zum einen präsentiert sie ihre Perspektive als neue Erkenntnis und scheint der Frauenbewegung zu unterstellen, sie hätte einheitlich dazu beigetragen, dass allein Erwerbsarbeit gewertschätzt wird.

I started thinking my way through the women’s movement and how we had come to define equality—that women are equal to men only as long as they are doing the work that men have traditionally done.

That’s not a full gender revolution. That’s saying, “Men were the ones who earned the income, and now women can be men.” When women do that, they’re equal; but women who are caring for others are still very much devalued. If you’re really going to have equality, you’ve got to value both kinds of work.

Was sie hier anzusprechen scheint, ist vor allem eine Spielart des Feminismus, der in den USA oft als ‘liberal feminism’ bezeichnet wird – und die bereits oft kritisiert wurde, etwa von marxistischen, poslcolonialen oder queeren Feminist_innen. Die Forderung, Sorge-Arbeit aufzuwerten, existiert jedoch schon sehr lange und wurde aus verschiedensten politischen Spektren immer wieder vorgebracht.

Zum anderen scheint für sie der Ausweg aus all der Misere vor allem in der Flexibilisierung der Erwerbsarbeitszeit zu liegen – was ja mittlerweile ein Standardvorschlag ist. Wenn es ihr aber wirklich darum ginge, Sorge-Arbeit und Erwerbs-Arbeit als gleichwertig zu betrachten, wären durchaus weitreichendere Alternativen denkbar: eine Reduzierung – und nicht nur Flexibilisierung – der totalen Zeit für Erwerbstätigkeit, beispielsweise. Trotzdem: ich bin gespannt auf das Buch und verbleibe in der Hoffnung, dass sie dort eingehender auf verschiedene Positionen der Frauenbewegung eingehen wird.

PS: Corinne vom ‘Makellosmag’ hat das Buch bereits gelesen und ausführlich rezensiert (siehe Kommentar)- sehr zu empfehlen.

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