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Meine Tochter mag kein rosa… oder was Rosafizierung mit der Klassenfrage zu tun hat

Februar 16, 2013

Fuckermothers veröffentlich hier einen Gastbeitrag von Hannah Wettig. Sie ist freie Journalistin, Mutti von zwei Mädchen und schrieb auch schon als Kolumnistin für den Mutti-Blog der Mädchenmannschaft.

Foto von Lori Elizabeth (via flickr)

Foto von Lori Elizabeth (via flickr)

Vor vier Jahren habe ich die Kampagne Pink Stinks entdeckt und war begeistert. Kurz zuvor war mir auf dem Spielplatz im Berliner Mauerpark aufgefallen, dass alle kleinen Mädchen wie uniformiert wirkten. Zwar trugen sie nicht dieses grässliche Miss-Piggy-Rosa, auch nicht das grelle Lillifee-Pink, sondern ganz hübsche alt-rosa Töne. Aber alle trugen rosa.

Damals gab es Pink Stinks, eine Kampagne von Müttern, die sich gegen die Rosafizierung ihrer Töchter wehren, nur in Großbritannien. Ich dachte darüber nach, eine Gruppe in Deutschland zu gründen. Aber dafür brauchte ich Mitstreiterinnen.

Auf einem Elternabend in der Kita sprach ich das Thema an. Nicht einfach so. Ein Elternabend ist schließlich nicht der richtige Ort zum Politisieren. Auf der Informationsveranstaltung zum Vorschuljahr ergab sich eine perfekte Gelegenheit. Die ErzieherInnen (ein Mann und eine Frau) erwähnten, dass sie mit den Kindern über Geschlechterrollen reden wollten. Ich hob meine Hand und fragte, ob sie Geschlechtsidentitäten denn auch kritisch hinterfragen würden. Ich hörte ein Murren aus den Ecken des Raums. Die Erzieherin erklärte mir, dass es in diesem Alter erstmal sehr wichtig für die Kinder sei zu erkennen, dass sie Junge oder Mädchen seien, und dass sie die Rollen ausprobieren wollten.

„Ja, aber“, sagte ich, „man kann Rollenverhalten ja auch in Frage stellen. Also zum Beispiel, dass Mädchen immer rosa tragen….“ Ein Sturm der Entrüstung brach los. „Willst Du etwa rosa verbieten?“ „Lass die Kinder doch anziehen, was sie wollen.“ Der Erzieher musste die aufgeregten Mütter zur Ruhe rufen. Ein Vater warf beschwichtigend ein, dass sie doch alle erstmal hören sollten, was ich zu sagen hätte; ob ich denn einen konkreten Vorschlag hätte?

So konkret war das in meinem Kopf aber noch gar nicht. Mit Widerstand hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte gedacht, diese coolen Prenzlauerberg-Eltern, die im Kapuzenpulli zum Elternabend kommen, rufen alle: Ja, genau! Von den Erziehern hatte ich erwartet, dass sie sich über meine Frage freuen, weil sie nun ihr kluges Konzept zum kritischen Umgang mit Geschlechtsidentitäten ausführen konnten. Das war nämlich eine ganz tolle Kita mit ganz tollen ErzieherInnen. Es gab Fußmassagen, Klanggärten und Kräuterbeete, Vorträge über freies Spiel und Diskussionen über Bioessen. Bei soviel Bewusstsein müsse es doch auch ein wenig Bewusstsein für Genderthemen geben, dachte ich mir. Falsch gedacht.

Etwas eingeschüchtert schlug ich vor, mit den Kindern mal ein Gendercrossing zu machen: Die Jungs all die Prinzessinnenkleider anziehen zu lassen und die Mädchen die Cowboy- und Star Wars-Kostüme. Das fanden aber alle doof. Dass mit dem Rosa ginge vorbei, versicherte mir eine Mutter von drei Kindern. Da brauche man nicht eingreifen. Eine andere wies mich darauf hin, dass mir keiner vorschreiben würde, meine Tochter rosa zu kleiden, wenn ich das nicht wolle.

Das war damals meine schwache Stelle. Meine Tochter bekam ihre Kleidung von einer Freundin vermacht, und die hatte nichts gegen rosa und Glitzer. Meine Tochter liebte das, je rosaner und glitzernder umso besser. Auch darum wollte ich, dass das im Kindergarten thematisiert wird. Erzieherinnen haben ja manchmal mehr Autorität als eine nörgelnde Mutter.

Nach dem Elternabend kam eine Mutter zu mir, mit der ich öfter redete, und sagte, dass ich froh sein solle, dass ich keinen Sohn hätte. Sie wäre total angenervt von diesem Star Wars-Scheiß. Rosa sei dagegen doch wirklich erträglich.

Beim Frauen BarCamp vor zwei Jahren erntete ich erstmal Lacher, als ich das Thema ansprach. Wir saßen in einem großen Kreis und es ging um Mode: darum ob Feministinnen hochhackige Schuhe tragen dürfen und so was. Ich weiß nicht mehr genau, was ich über rosane Mädchen gesagt habe, wahrscheinlich wollte ich sogar witzig sein. Aber als alle lachten, wurde mir schlagartig klar, dass die anderen alle zwischen 20 und 30 waren oder über 60. Sie hatten keine Kinder, jedenfalls nicht heute. Sie konnten nicht verstehen, wovon ich redete. Fast alle. Anne kam zu meiner Unterstützung. „Das ist gar nicht witzig“, rief sie. „Noch viel schlimmer ist es, wenn man Söhne hat. Für die gibt es nämlich nur Tarnfarben.“ Sie erzählte davon, wie sie kürzlich ihren Sohn überredet hatte, eine Winterjacke aus der Mädchenabteilung zu akzeptiert. „Er hat das Argument, dass er in einer roten Jacke nicht so leicht von Autos überfahren wird, dann irgendwann eingesehen.“

Das war das zweite Mal, dass ich vom Leid der Eltern von Söhnen erfuhr. Heute weiß ich, dass rosa nicht das Problem ist, militärgrün ist viel schlimmer.

Seit ein paar Monaten spielt meine Tochter nicht mehr mit Mädchen. Das kann ich verstehen. Wir sind umgezogen. Dort, wo wir jetzt wohnen, tragen die Mädchen nicht nur viel rosa, sie spielen auch nur Mädchenspiele. Eine Schulfreundin meiner Tochter war einmal bei uns zu Besuch. Gelangweilt inspizierte sie die Spielsachen im Kinderzimmer und befand, dass sie darauf keine Lust habe. Ich schlug vor, die Eisenbahn aufzubauen. „Nee, Jungsspiele spiele ich nicht“, sagte sie. Eine Holz-Eisenbahn Jungsspielzeug? Das war krass. Im Prenzlauerberg hatten die Jungsfreunde meiner Tochter Barbies und die Mädchen Piratenbetten – insofern war das dort mit dem rosa denn doch nicht so schlimm.

Meine Tochter hat sich sechs Monate lang mit diesen „Mädchen-Mädchen“ rumgezickt. Dann hat sie Fußballspielen und Autorenn-Puzzle entdeckt. Wenn ich sie abhole, steht sie im Tor oder spielt Fangen mit einer Gruppe Jungs auf dem Klettergerüst. Soweit so gut: der Traum jeder feministischen Mutter.

Das Problem ist nur: Sie hasst jetzt rosa. Das schneidet uns nicht nur von der kostenlosen Kleiderversorgung durch meine Freundin ab, es macht jeden Kleidungskauf zu einem zeitaufwendigen Unterfangen. In der Mädchenabteilung gibt es fast nur rosa. Letztens stand ich in diesem „Family“- irgendwas Laden und wollte einfach nur einen Schlafanzug kaufen. Am Mädchenstand ging ich gleich vorbei. Auf den ersten Blick sah ich, dass dort an die 15 verschiedene Nachthemden hingen: rosa mit Rüschen, rosa gestreift, Hello Kitty in rosa, rosa mit Glitzer oder einfach komplettrosa. Also gleich weiter zur Jungsabteilung. Dort gab es militärgrün und dunkelbau – für einen Schlafanzug durchaus akzeptable Farben. Nur leider hatten sie alle zähnefletschende, Messer wetzende, Pistolen schwingende Gestalten auf der Brust, manche Anzüge sahen gleich wie Soldatenuniformen aus.

Das wollte ich meiner Tochter denn doch nicht antun. Sie ist ein friedfertiger Mensch. Nachdem ich jedes Stück genauestens begutachtet hatte, ob es nicht doch in Frage käme, lief ich verzweifelt zurück zum Mädchenstand. „Nachts sieht doch keiner, dass Du rosa trägst“, wollte ich ihr erklären. Und allemal ist es besser als so ein Fiesling auf der Brust – da kriegt sie noch Alpträume, dachte ich. Und siehe da: Zwischen all den rosa-farbenen Nachthemden fand sich eines, das mit bunten Tieren bedruckt war: blau, grün, rot und schwarz, durchaus auch für Jungs geeignet, wenn Jungs denn Nachthemden trügen.

Ich verstehe jetzt, warum Anne mit ihrem Sohn in die Mädchenabteilung geht. Beim ersten Betreten ist der Rosa-Schock dort zwar atemberaubend, aber es findet sich dann eben unter all dem Kitsch doch mal ein niedliches Zoo-Nachthemd, eine rote Winterjacke oder eine schlichte Jeans ohne glitzernde Herzchen-Applikation. In der Jungenabteilung entdecke ich fast nie etwas, was ich einem Kind zumuten würde: Selbst wenn kein Fiesling abgebildet ist, ist es farblich meist so dunkel, dass man kein Kind damit alleine auf die Straße lassen dürfte.

Pink Stinks beantwortet in ihren FAQs die Frage nach den Jungs mit: „Jungs-Spielzeug hat seine eignen Probleme – je pinker die Mädchenwelt, desto rauher die Jungswelt. Hier wollen wir uns jedoch erstmal um Diversität, Selbstwertgefühl und gesunden Ehrgeiz für Mädchen kümmern. Alles auf einmal geht nicht – schon gar nicht in einer Kampagne.“

Genau dem stimme ich nicht zu. Wenn ich das Tierbedruckte Nachthemd nicht gefunden hätte, dann hätte ich meiner Tochter ein rosanes kaufen müssen, einfach deshalb weil die Mode für kleine Jungen absolut inakzeptabel ist (bei Spielzeug gibt es für beide Geschlechter Ausweichmöglichkeiten).

Der Artikel „Was ist mit Jungs Teil 1“ auf Pink Stinks, der allerdings von der britischen Website übersetzt ist, ist beschönigend. Dort heißt es: „Dafür bekommen Jungs starke Botschaften, dass sie “praktisch, aktiv, stark” sein dürfen, was sie weniger verniedlicht und schwächt. Gleichzeitig bekommen sie leider eine ordentliche Ladung Aggro-Marketing dazu, was sie emotional nicht fördert und sie wenig fürsorglich und unbeholfen lässt.“

Die Auswahl an Rollen in der Kinderabteilung beschränkt sich auf Soldat, Fiesling oder Prinzessin. Ich finde, da ist Prinzessin das geringere Übel. Ich verstehe jetzt, warum mir die eine Kita-Mutti gesagt hat, ich solle froh sein, keinen Sohn zu haben – denn dann fällt in der Regel die noch einigermaßen akzeptable Rolle der Prinzessin aus.

Es gibt auch andere Kindermode. Immer ist sie genderisiert, aber zuweilen nur milde. Letztens musste ich Hausschuhe für den Hort kaufen. Diesmal ging ich nicht in den Discount. Es gab auf der einen Seite die üblichen Rosa- und Glitzer-Angebote, auf der anderen entdeckte ich ein dunkelblaues Paar mit einem wirklich niedlichen Tiger drauf. Kostenpunkt: 49 Euro. Für Kinder-Hausschuhe! Ich habe das Paar mit Messer- schwingendem Piraten für 20 Euro genommen.

Kindermode, wenn sie nicht rosa und ohne Fieslinge sein soll, ist teuer. Als ich noch am Mauerpark wohnte, bin ich in eine Schneiderei im Wedding gegangen. Dort nähten sie die Kinderkleider für einen Designer-Laden im Prenzlauerberg. Dort war das wenigste rosa; militärgrün gab es nicht. Weil es die Schneiderei war und nicht der Laden, konnte ich es mir leisten.

Dieser Aspekt fehlt bei Pink Stinks. Dort heißt es in dem Modellvortrag, den ich ansonsten super finde: „Viele Eltern sehen ihre Kinder gerne in rosa und blau, weil es die Rollenbilder bestätigt, mit denen sie selber aufgewachsen sind.“

Tatsächlich ist das falsch. In den 1970er Jahren, in denen die meisten heutigen Eltern aufgewachsen sind, war Kinder-Mode kaum genderisiert, Spielzeugfirmen wir Lego haben bewusst Mädchen als Bauherrinnen gezeigt. Heute hat auch Lego immer mehr brutale Baller-Figuren auf der einen und rosa-lila kuchenbackende Sweeties auf der anderen Seite.

Dass ich heute einen „Rosa-Schock“ in der Mädchenabteilung erleide, liegt genau daran, dass ich das aus meiner Kindheit nicht kenne. Ich kann nicht glauben, was ich sehe – selbst wenn ich zum hundertsten Mal da rein gehe.

Aber viel wichtiger ist: Eltern heute kaufen nicht deshalb ihren Töchtern rosa, weil sie das süß und adäquat für ein Mädchen finden – auch wenn sie das behaupten – , sondern weil es nichts anderes gibt, jedenfalls nicht im unteren und mittleren Preissegment. Rosa oder Nicht-Rosa ist eine Klassenfrage.

51 Kommentare leave one →
  1. Helena permalink
    Februar 17, 2013 2:29 vormittags

    Furchtbare Entwicklung.
    Ich nehme an, da hilft nur, sich eine Nähmaschine zu besorgen und möglichst viel Kinderkleidung selbst herzustellen.

    • Februar 18, 2013 2:32 nachmittags

      Laßt Euch Eure freie Erziehung nicht vom rückschrittlichen Modemarkt kaputtmachen! Näht + strickt selbst oder laßt Rentner/Innen für Euch nähen + stricken, die sich über solche Aufgaben freuen!

  2. Februar 17, 2013 7:34 vormittags

    Sehr guter Artikel, der mir aus dem Herzen spricht! Gerade hier auf dem Land, wo wir wohnen, wird die Frage der Geschlechtsneutralität nicht diskutiert.
    Ich persönlich habe versucht, meinen Zwillingen (Junge und Mädchen) niemals geschlechtsspezifische Spielsachen zu kaufen oder auf Unterschiede in der Farbwahl hinzuweisen. Dieses Bemühen wurde natürlich von allen Seiten (Großeltern, Kindergarten, Freunde) untergraben. Ich selbst bin natürlich als Vollzeitmutter (mit typischen Frauenhobbies) in den ersten 6 Jahren und auch in meiner Wahl eines “typischen Frauenberufes” in den ich nun wieder einsteigen möchte, nicht gerade ein Abbild des Feminismus, denke aber, dass die Werte und Einstellungen, die ich meinen Kindern in den letzten Jahren zu vermitteln versucht habe, irgendwann Früchte tragen werden. Seit einem Jahr kann ich, genau wie Sie, eine ausgeprägte “Rosa-Verachtung” bei meiner Tochter vermelden und die Prinzessinnenkostüme der letzten Jahre wanderten in den Altkleiderkontainer zugunsten von Astronautin und Vampir.
    Die Suche nach zwei geschlechtsneutralen Schulranzen gestaltete sich kompliziert (wie beschrieben sind vor allem für Jungs fast ausschließlich dunkle oder Tarn-Farben erhältlich … ausgezeichnet geeignet für die Schulwegssicherheit!), aber die Wahl fiel letztendlich auf ein hellblau-kariertes (Junge) und ein dunkelblau-orangenes Modell, womit ich mehr als zufrieden bin.
    Ch.

    • Nee permalink
      März 7, 2013 10:54 nachmittags

      “[...] Ich selbst bin natürlich als Vollzeitmutter (mit typischen Frauenhobbies) in den ersten 6 Jahren und auch in meiner Wahl eines “typischen Frauenberufes” in den ich nun wieder einsteigen möchte, nicht gerade ein Abbild des Feminismus [...]”

      Wieso? Immer wieder seh ich im Netz Dinge wie “Frau soll sich verwirklichen – mach Karriere, am besten in einem MINT-Fach”
      Auch wieder eine Form von Sexismus: Du bist eine Frau, “geh deinen Weg”. Was der eigene Weg ist, wird praktischerweise auch gleich vorgeben und mit Mauern eingerahmt: Mach dich nicht von einem Kerl abhängig, such im Beruf dein Glück – und nur da, sonst bist du gleich eine Schande für alle emanzipierten Frauen.

      Feminismus ist für mich auch die freie Wahl zu haben, Selbstbestimmung.

  3. Kiki permalink
    Februar 17, 2013 8:18 vormittags

    Tausend Dank für den Artikel! werde für Verbreitung sorgen. schlimes Thema bin gespannt wie lange wir bei Spielzeug noch die Öko-und Waldorf-schiene fahren können. da gibts ja zum Glück auch viel Forscherzeug, das finde ih für beide Geschlechter toll.
    Aber bei Kleidung hat man selbst auf den Flohmärkten nicht mehr s viel Glück. Meine Lösung, schon weit im Vorraus gucken. ich schau nicht nur nach dne Größen die mein Kind braucht, sondern eher nach gefallen.

  4. Februar 17, 2013 10:58 vormittags

    Vielen Dank für den wunderbaren Artikel. Da ich mich gerade darauf vorbereite, einen Sohn zu bekommen, gehe ich ab und an die Kataloge für Baby- und Kinderklamotten durch. Schon für Babys finde ich fast nur gegenderte Kleidung + (hin und wieder) ‘neutrale’ Angebote in Beige oder Braun. Erst mal versuchen wir, unser Kind neutral, d.h. tatsächlich mit gebrauchten, älteren Sachen in Gelb, Grün oder Rot und Blau zu kleiden, jedenfalls nicht in Rosa mit Rüschchen oder Militärfarben. ‘Die armen Kinder’ denke ich immer öfter…

    Neulich wurde ich darauf hingewiesen, dass nicht nur die Farben wichtig sind, sondern auch die Stoffe. Mädchenklamotten sind oft dünner und weicher, während die für Jungs strapazierfähig und rauer sind. Vor diesem Hintergrund hätte ich meiner Tochter auch Jungsklamotten (bzw. halt als solche deklarierte) gegeben, damit sie wenigstens gut draußen spielen kann.

    Ich habe mich aber gefragt, worin der Unterschied zwischen dem Satz der ErzieherInnen, dass für Kinder das Geschlecht wichtig sei, also es zu erkennen und die Rollen auszuprobieren, und dem Gendercrossing liegt? Abgesehen vom Duktus.

  5. Februar 17, 2013 1:25 nachmittags

    Darf ich das auf Facebook teilen?

  6. Februar 17, 2013 3:44 nachmittags

    Ja, so sieht’s leider in vielen Läden und Kinderschränken aus (auch bei mir).
    Dennoch würde ich den letzten Absatz so nicht unterschreiben, denn es ist schon auch die Nachfrage, die das Sortiment bestimmt. Rosa kriegt, wer rosa will. Und viele Eltern (und Großeltern…) wollen rosa. Ich würde auch nicht ausschließen, daß genau das der Grund ist, warum ich für meine Tochter das eben nicht will: nenn es Individualismus, nenn es Abgrenzung…
    Dieselbe Nachfrage (aber von einer anderen “Klasse”, wie Du es nennst) sorgt für die alternative Kindermode, die (oft skandinavischen) Labels, die Sachen aus der Schneiderei im Wedding. Die Frage ist also: ist unser Geschmack zu exquisit oder wollen wir nur eben nicht Mainstream?

    Unterschreiben würde ich z.B.: Für Mädchen gibt es auch nach meiner Wahrnehmung mehr Alternativen zu Rosa als für Jungs zu Dunkel und Machomotiven. Leider sind es meist die Schnitte (Nachthemd – geraffte Ärmel und Kleidchenform bei T-Shirts), die halbwegs neutrale Farben und Dessins für Jungs “untragbar” machen. Das wiederum könnte m.E. durchaus Strategie der Industrie sein, halbiert es schließlich die Second-Hand-Zielgruppe.

    Ich würde mir auch mehr günstige “Unisex”-Mode wünschen (die Frage ist nur, ob das meine Kinder auch wollen werden. ..)
    Und je länger ich darüber nachdenke: am liebsten hätte ich mehr günstige “Unisex”-Kindermode zur Auswahl, von deren Produktion die Produzenten auch leben können. Das wird nicht bei k*k gehen und nicht bei *family.
    Bleibt die Schneiderei im Wedding und Superpuper-Bio-Stoffe aus Skandinavien. Gerne auch gebraucht, das Zeug ist ja zeitlos. Und nach den paarmal Tragen dann ab zu ebay oder auf den Basar. Es gibt schließlich mehr Mütter mit unserem Geschmack!

  7. Februar 17, 2013 3:45 nachmittags

    Ja, so sieht’s leider in vielen Läden und Kinderschränken aus (auch bei mir).
    Dennoch würde ich den letzten Absatz so nicht unterschreiben, denn es ist schon auch die Nachfrage, die das Sortiment bestimmt. Rosa kriegt, wer rosa will. Und viele Eltern (und Großeltern…) wollen rosa. Ich würde auch nicht ausschließen, daß genau das der Grund ist, warum ich für meine Tochter das eben nicht will: nenn es Individualismus, nenn es Abgrenzung…
    Dieselbe Nachfrage (aber von einer anderen “Klasse”, wie Du es nennst) sorgt für die alternative Kindermode, die (oft skandinavischen) Labels, die Sachen aus der Schneiderei im Wedding. Die Frage ist also: ist unser Geschmack zu exquisit oder wollen wir nur eben nicht Mainstream?

    Unterschreiben würde ich z.B.: Für Mädchen gibt es auch nach meiner Wahrnehmung mehr Alternativen zu Rosa als für Jungs zu Dunkel und Machomotiven. Leider sind es meist die Schnitte (Nachthemd – geraffte Ärmel und Kleidchenform bei T-Shirts), die halbwegs neutrale Farben und Dessins für Jungs “untragbar” machen. Das wiederum könnte m.E. durchaus Strategie der Industrie sein, halbiert es schließlich die Second-Hand-Zielgruppe.

    Ich würde mir auch mehr günstige “Unisex”-Mode wünschen (die Frage ist nur, ob das meine Kinder auch wollen werden. ..)
    Und je länger ich darüber nachdenke: am liebsten hätte ich mehr günstige “Unisex”-Kindermode zur Auswahl, von deren Produktion die Produzenten auch leben können. Das wird nicht bei k*k gehen und nicht bei *family.
    Bleibt die Schneiderei im Wedding und Superpuper-Bio-Stoffe aus Skandinavien. Gerne auch gebraucht, das Zeug ist ja zeitlos. Und nach den paarmal Tragen dann ab zu ebay oder auf den Basar. Es gibt schließlich mehr Mütter mit unserem Geschmack!

  8. Februar 17, 2013 3:45 nachmittags

    > in den 1970er Jahren, in denen die meisten heutigen Eltern aufgewachsen sind,
    > war Kinder-Mode kaum genderisiert, Spielzeugfirmen wir Lego haben bewusst Mädchen
    > als Bauherrinnen gezeigt.

    In anderen Worten: die ganze Geschichte mit den vorgefertigten Rollenbildern kommt nicht nur nicht voran, sondern es geht sogar rückwärts. :(

  9. Mynnia permalink
    Februar 17, 2013 4:03 nachmittags

    Vielleicht eher: Es bestätigt Rollenbilder, in denen sie sich heute selbst befinden. Danke, Kundenerziehung.

  10. Corinna permalink
    Februar 17, 2013 4:20 nachmittags

    Ich habe festgestellt, dass man außer rosa jetzt auch jede Menge Mädchenbekleidung in lila findet. Gelb scheint ebenfalls gerade groß im Kommen. Vielleicht wäre das ein Ausweg für Deine Tochter.

    Allerdings macht die “Rosafizierung” nicht bei den Klamotten halt. Auch ein Mädchenzimmer in einer anderen Farbe als rosa zu finden, wird schwierig. Da kann man dann höchstens noch auf hellgrün ausweichen.

  11. mindscars permalink
    Februar 17, 2013 5:09 nachmittags

    Egal was man von primark halten mag, was ich toll finde und das gilt nicht nur für die Kinder und Jugendabteilung, man findet immer schrille Farbe in allen Regenbogen Farben. Das sowohl bei den männlichen als auch weiblicheren Abteilungen. Meist ohne verstörende Slogans oder aufdrücke und das ist netter stoffqualität.

    V.

  12. Februar 17, 2013 6:10 nachmittags

    >> Rosa oder Nicht-Rosa ist eine Klassenfrage.

    Nein.

    Wenn, dann ist es eine finanzielle Frage, eine des Angebots und eine von Bildungsferne oder eben nicht.

    “Klasse” würde aber voraussetzen, dass es so was wie Klassen überhaupt noch GIBT. Und dass die Autorin den Begriff an sich mal hinterfragt hat. Welcher Klassse rechnet sie sich denn zu? Arbeiterklasse? Gibts IMHO gar nicht mehr. Mittelklasse? Sind die meisten Prenzlauer-Berg-Mütter auch.

    Zu behaupten, es sei eine Klassenfrage und dann kein einziges Mal zu erklären, auf welche Definition von Klasse man sich bezieht bzw. welcher Klasse man sich selbst zuordnet, ist positiv ausgedrückt etwas ungeschickt und negativ ausgedrückt ziemlich dämlich. Wenn man schon mit so großen Begriffen um sich wirft, wär’s super, erstmal zu wissen, wovon man eigentlich spricht. Dass die Autorin hier alles irgendwie durcheinanderwirft und mal alles schön simplifiziert mit “Klasse” überschreibt, zeigt, dass sie keine Ahnung hat, wovon sie spricht, wenn sie es eine “Klassenfrage” nennt.

    Ich will nicht sagen, dass ich ihr nicht zustimme, wenn sie sagt, dass nicht nur Rosa für Mädchen, sondern auch Tarnfarben für Jungs ein Problem sind, weil sie zweifellos Recht hat. Wo aber das in Jungs und Mädchen getrennte Angebot in den meisten Läden eine “Klassenfrage” sein soll, erschließt sich mir nicht. In den Preisen? Sure as hell not. Das würde implizieren, dass Familien ab einer bestimmten Klasse (Welche? Arbeiter, Mittel, Produktionsmittel Besitzende?) sich das eben leisten können und alle anderen nicht.

    Dabei vergisst sie völlig, dass Mittelklasse nicht gleich Mittelklasse ist, dass der gut laufende Handwerksbetrieb genauso Mittelklasse wie das “Was mit Medien”-Ehepaar im Prenzlauer Berg ist und dass beide ganz unterschiedliche finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Menschen mit akademischer Ausbildung werde ums Verrecken keine Arbeiterklasse mehr, und wenn sie noch so wenig Geld zur Verfügung haben und nicht jede/r, der/die eine Ausbildung als Dreher/in hat, ist vollständig von seinem/ihrem Produkt entfremdet und hat keinen Besitz an Produktionsmitteln.

    Das Wort “Klassenfrage” ist also im Grunde völlig deplatziert hier und macht lässt den Artikel, auch wenn er wichtige und richtige Aussagen enthält, mehr wie Dilettantismus als gut geschrieben aussehen. Es verstellt den Blick der Autorin auf tatsächliche Probleme, die sie angeschnitten, aber mit der “Klassenfrage” gleich wieder übermalt hat. Als müssten wir nur den Klassenkampf ausrufen und sie seien gelöst. Das, liebe Autorin, wird aber nicht passieren. Also mal hinter der “Klassenfrage”-Barrikade hervorluken und noch mal aufschreiben, was WIRKLICH wichtig ist.

    • Februar 17, 2013 11:12 nachmittags

      Naja, das sollte jetzt nicht meine Dissertation werden. Dann hätte ich das schon noch ordentlich definiert. Aber doch, ich denke, das hat durchaus was mit “Klassen” zu tun – vielleicht hätte ich es in einem wissenschaftlichen Text “Schichten” genannt – vielleicht, denn dazu müsste ich wohl das Phänomen genauer untersuchen. Meine Überlegungen gehen da in eine ähnliche Richtung wie sie stilhäschen andeutet. Es hat was mit Nachfrage zu tun, vielleicht auch mit Abgrenzung. Natürlich geht es erstmal um den finanziellen Aspekt. Aber warum? Was steckt dahinter?

  13. Februar 17, 2013 7:18 nachmittags

    Die bunte Vielfalt der Kinderkleidung in den Siebzigerjahren kann ich nur bestätigen. Ich habe noch mehrere Handarbeitsbücher aus der Zeit – von rosa keine Spur. Wenn man unbedingt wollte, konnte man aber schon rosa bekommen.

    Über eine Anekdote muss ich heute noch grinsen. Ich stehe mit Kinderwagen in einer langen Schlange. Mein Baby ist rosa gekleidet (Geschenk von der altmodisch eingestellten Schwiegermutter – was will man machen?). Hinter mir ein kleiner Junge mit seinem Vater: “Papa, ist das Baby ein Junge oder ein Mädchen?” Der Vater macht es sich nicht leicht: “Hm, schwer zu sagen. Früher hätte man gesagt, das muss ein Mädchen sein. Denn da haben nur Mädchen rosa getragen. Heute ist das gar nicht mehr sicher.” Ist es jetzt aber wohl doch schon wieder, oder? ;-)

  14. Februar 17, 2013 9:34 nachmittags

    Stimmt. Die Kleidung für Jungs sieht aus, als sollten die alle gleich in ein Bergwerk einfahren. Braun, grau, tarngrün. Schnappe mir auch jedes bisschen orange und rot, das ich finden kann.

  15. Februar 17, 2013 10:39 nachmittags

    Habe deinen Artikel mit einem breiten Grinsen gelesen. Ich habe auch immer versucht die rosa-farbenen Klamotten zu umgehen. Zum Verkleiden spielen durfte sie dann gerne das ganze pinke Glitzerzeugs haben, bis zum Erbrechen. Aber eben zum Verkleiden-Spielen.
    Nun ist sie 6 und findet rosa ziemlich uncool ;)
    Ich erinnere mich auch noch daran, dass es nicht so viele rosige Klamotten in meiner Kindheit gab. Wirklich grausam.

  16. Februar 17, 2013 10:39 nachmittags

    Reblogged this on suthoughtsontravel.

  17. Februar 18, 2013 1:01 nachmittags

    Interessantes, und wichtiges Thema! Allerdings bin ich mit den “Prinzessinnen als das geringere Übel” ganz und gar nicht einverstanden. Die am häufigsten rezipierten Prinzessinnen sind Dornröschen, Schneewittchen und Rapunzel (siehe Linda Dégh „Zur Rezeption der Grimmschen Märchen in den USA“, S. 123 und 202. In: Klaus Doderer (ed.) Über Märchen für Kinder von heute.), allesamt schlafende Schönheiten, die einen männlichen Retter brauchen und ihre Glücksseligkeit in der Heirat sehen. Ich habe regelrecht Angst davor, dass meine Tochter in ein, zwei Jahren, genauso wie *alle* anderen Mädchen in der Kita, zum Fasching als Prinzessin gehen will. Spiderman hingegen, bei den Jungs beliebtes (aber bei weitem nicht einziges!) Kostüm, zusammen mit seinen männlichen Action-Hero-Kollegen, kämpft gegen das Böse, ist ungeheuer stark, schnell – und trotzdem ein netter Kerl. Davon abgesehen finde ich für meinen Sohn in der Jungsabteilung regelmäßig Klamotten ohne nervige Aufdrucke, oder zumindest Aufdrucke von solchen Figuren wie von Peanuts, Winnie Puh (nicht, dass die nicht auch problematisch gegendert wären…) etc., oder eben irgendwelche Tiere oder Autos/Motorräder u.ä. von Noname-Herstellern – während ich die Mädchenabteilung – die wenigen Male, die ich es gewagt habe, sie zu betreten – jedes Mal mit einem sehr unguten Gefühl und leeren Händen verlassen habe. Übrigens trägt mein Sohn, der jetzt dreieinhalb ist, sehr gern rosa und seinen Wunsch nach einem Kleid habe ich gern erfüllt.

    • Björn permalink
      März 12, 2013 10:49 vormittags

      Sehr cool – wie kam denn das Kleid in der Kita an? Ich würde meinen Sohn das auch tragen lassen, aber Mami wäre nicht einverstanden. Ich kämpfe schon daß er wenigstens seinen rosa Nuckel mit in die Kita nehmen darf… Ich kann auch Mama ein bisschen verstehen daß Angst vor Ausgrenzung besteht, ist ja dann auch die Frage ob man diese Gender-Gesellschaftskämpfe wirklich seinem Kleinkind aufbürden muss, oder ob die Kinder das auch noch mit sich selber abmachen können wenn sie grösser sind. Ich denke auch nicht daß man für alle Zeiten verdorben ist nur weil man als Kind rosa oder Bösewichte auf der Kleidung hat.

  18. Februar 19, 2013 2:19 nachmittags

    Als Konsumentinnen können wir in diesem Bereich auch selber Verantwortung wahrnehmen. Denn schliesslich zwingt uns niemand, bei H&M oder C&A oder wie sie alle heissen einzukaufen. Es gibt beispielsweise die skandinavischen Labels mit vielen bunten Farben, Streifen, Tupfen und Sternen usw. Auch dort ist violett, lila und rosa den Mädchen vorbehalten – aber immerhin dürfen Jungs überhaupt Farben tragen. Das ist schon mal ein kleiner Fortschritt in all dem Rückschritt.
    Bei T-Shirts und Pullis kann man auch uni-farbene ohne Druck kaufen und dazu Aufbügelmotive (da gibt es Dutzende Anbieterinnen bei Dawanda), die gefallen.

    Man MUSS den Sch*xx nicht mitmachen, wenn man nicht will!

  19. Februar 19, 2013 2:54 nachmittags

    Vielen Dank! Ich (Mama eines kleinen Jungen, der NIEMALS NIE Monster auf Schlafanzügen von mir bekommen wird!!) würde Deinen Artikel in allen Punkten unterschreiben. Etwas traurig lässt er mich zurück und ratlos. Wegen dem Beschriebenen nähe ich selbst, aber das ist auch kein wirklich ewig gangbarer Weg.

    Wie toll dieses kleine Mädche übrigens aus der alten Lego-Werbung doch ist! Und wo ist das alles hin? Und warum?

    Viele Grüße,
    Stefanie

  20. Februar 19, 2013 9:22 nachmittags

    Ja. Warum? Das frage ich mich auch. Was ist zwischen der damals tollen Legowerbung und den heutigen Schminksalons von Lego passiert? Und da möchte ich @ Nana Nana Hey Hey doch nochmal fragen, was denn die eigentlich wichtigen Fragen sind, die ich mit meiner Klassenfrage überdecke, die ja übrigens keineswegs als Klassenkampffrage gemeint ist, sondern im Sinne von Distinktion. Ich stelle fest, dass eben nicht nur Jungs und Mädchen sehr unterschiedliche Mode angeboten wird, sondern auch denen, die sich die skandinavischen Labels leisten können und denen, die aufgrund knappen Geldbeutels auf H&M und C&A angewiesen sind.

    • Februar 20, 2013 3:14 nachmittags

      Da ich die skandinavischen Labels erwähnt habe, geht das wohl an meine Rechnung: Ich lebe nahe am Schweizer Existenzminimum und fühle mich trotzdem nicht gezwungen, bei Billigstanbietern Kleider zu kaufen. Niemand ist gezwungen in einem Laden X oder Y einzukaufen! Dann haben wir halt nur 3 Pullöverchen im Schrank, diese dafür in einer Qualität die tragen-waschen-tragen-waschen-tragen-waschen während eines Jahres erlaubt. Biliig wäre mir persönlich zu teuer!
      Dann gibt es noch andere Gründe – umwelttechnischer und sozialer Art – weshalb eine nicht bei den Billiganbietern einkaufen möchte. Das mag jede/r halten, wie sie/er will, ich bin nicht zum Missionieren hier.
      Aber die Aussage, dass jemand auf Billiganbieter angewiesen ist und keine Ausweichmöglichkeiten hat, ist für Mitteleuropa schlicht und einfach falsch. Es gibt Alternativen! WIR sind die Nachfrage und solange wir das Zeugs kaufen, wird es auch produziert. Da steckt keine Weltverschwörung dahinter, sondern Marktwirtschaft: Die Leute kaufen und weil die Leute kaufen, produzieren die Produzenten mehr vom Gleichen.

  21. Februar 19, 2013 10:54 nachmittags

    Hier meine recht unzusammenhängenden Beobachtungen:

    Hier (in unserem Kiga) auch dasselbe: je weniger Geld die Familie hat, je bildungsferner, desto gegenderter – zumindest in der Tendenz ist das so. Ich selbst habe mit Monstern und Skeletten eher wenig Probleme, würde aber nie einem Kind – und mir – Tarnkleidung, schweinchenrosa, dunkelblau, ‘Hello Titty’ und ‘Doktor Baumeister’ zumuten. Wir kaufen sehr viel gebraucht, bekommen auch viel geschenkt, wo sich dann beide Kinder recht frei bedienen dürfen, nachdem ich die Sachen vorsortiert habe. (Aber auch bei uns gilt übrigens: Klamottenbeschaffung ist Sache der Mutter.) Die Kinder wissen aber auch, dass es, als wir Kinder waren, keine gegenderten Sachen gab. (Danach haben sie seltsamerweise von sich aus gefragt).

  22. Februar 20, 2013 2:32 nachmittags

    Lori E. ist schon auf dem richtigen Weg. So rosig könnte ihre Zukunft aussehen:

    http://www.spiegel.de/panorama/emanzipation-bei-playmobil-spieleset-mit-bankraeuberin-a-884228.html

  23. Februar 26, 2013 9:42 nachmittags

    Das erlebe ich nicht so. Es stimmt schon, man kann anhand der Kinderkleidung oft sehen, wie es mit Bildung und Besitz der Eltern ausschaut, aber ich empfinde gerade die Premium-Kinderkleidung von Baby Gucci über Kenzo bis Burberry als hochgradig gegendert. Ich laufe da manchmal durchs KaDeWe oder durch die Lafayette-Kinderabteilung, und wundere mich ein bißchen. Da sind die skandinavischen Kindersachen oder die hübschen, bunten handgemachten Sachen aus dem kleinen Prenzlberger Lädchen um die Ecke doch viel weniger festgelegt.

  24. yuriko permalink
    März 1, 2013 10:38 nachmittags

    sorry, vielleicht ein bisschen off-topic – aber warum steht im intro gleich zweimal das wort “mutti”? dient das einer selbstermächtigung durch aneignung von fremdbezeichnungen? für mich ist “mutti” der inbegriff von verniedlichung. mir kräuseln sich die fußnägel, wenn ich mir vorstelle, so bezeichnet zu werden. der text ist nicht niedlich, aber dieses “mutti” im intro hört sich so an.

    • März 7, 2013 9:45 nachmittags

      Die Serie bei Mädchenmannschaft heißt tatsächlich “Mutti-Blog”, übrigens gibt es auch ein sehr spannendes Blog zum Thema “Dr. Mutti”. Ich denke Mutti spielt einmal auf dieses niedliche an, andererseits sagt man das einfach im Osten, und auch in Berlin, nicht nur statt Mama, sondern auch in Kontexten, wo man andernorts Mutter sagen würde. Hier hat es durchaus eine selbstbewusstere Konotation als Mutter oder Mama in Westdeutschland. Zum Muttertag brachte mir meine Tochter einmal ein gebasteltes Herz mit, auf dem stand der herrlich ostige Spruch: “Meine Mutti, die ist tüchtig, alles macht sie flink und richtig. Schafft zu Haus und im Betrieb, Mutti ich habe Dich so lieb.” Das muss man nicht emanzipatorisch finden, aber zumindest muss sich “die Mutti”, wie sie hier verstanden wird, nicht rechtfertigen, wenn sie arbeiten geht.

  25. März 3, 2013 10:19 nachmittags

    “Ich hasse Rosa!” ist ein sehr schönes Kinderbuch zu dem Thema. Und meine Tochter fand das spannend, als sie noch alles in rosa haben wollte, und findet es jetzt immer noch spannend. Nur, dass das mit den Kleidungsstücken, die jetzt partout nicht mehr rosa sein sollen (wg. Schulhofpeers), manchmal nicht ganz einfach ist. Eben auch, weil vieles geerbt von Nachbarn und Freunden ist. Mein Sohn (knapp 4) findet derzeit rosa und lila noch ganz toll.

    Auch der Punkt Kindergarten hat bei mir – tolles Freiburger Ökoviertel – Erinnerungen geweckt, an das Unverständnis, dass ich beim Elterngespräch hervorgerufen habe, als ich Genderfragen angesprochen habe.

  26. März 3, 2013 10:21 nachmittags

    Ach so, zu Lego noch: Vor ein paar Tagen gab es eine Pressemitteilung der Konzernführung, das die neue, gegenderte Lego-Serie speziell für Mädchen ein Kassenschlager sei und den Gewinn um x% gesteigert habe. Aua. :-(

    • Björn permalink
      März 12, 2013 10:53 vormittags

      Ich kann Lego da keinen Vorwurf machen. Keiner ist gezwungen das Zeug zu kaufen.

  27. Lexi permalink
    März 8, 2013 10:56 vormittags

    Man kann auch aus allem irgendwas politisches machen. Aber muss man es auch? Wie erklärt sich, dass neulich unter meinem Balkon ein Macho-Proll in einem ROSA Trainingsanzug vorbeigelaufen ist? Der Typ ist so gesehen viel subversiver als alle Leute, die hier gegen eine Farbe (!) mobil machen wollen. Habt ihr euch mal aktuelle Mädchenkollektionen angesehen? Da ist nichts von wegen Pinke Uniformierung. Also ruhig Blut.

    • März 8, 2013 9:14 nachmittags

      @Lexi Der Link zu den aktuellen Mädchenkollektionen geht zu Tom Tailer. Das verstehe ich unter hochpreisig, also genau die Mode, wo man kein Problem mit rosa hat (ein bisschen gibts das da schon, aber man hat eindeutig die Wahl) Ich merke schon, dass hier einige ein anderes Verständnis von Preisen haben als ich. Aber ich kann mir eben weder Tom Tailer noch skandinavische Lables leisten, sondern bin auf Second Hand angewiesen. Und wenn es irgendwas mal gerade im Second hand-Laden nicht vorrätig gibt, dann lande ich bei den Billiganbietern – und da ist die Genderisierung eben deutlich krasser als bei Tom Tailer.

  28. Jana permalink
    März 15, 2013 4:29 nachmittags

    Eure Probleme verstehe ich nicht, ich kaufe nur Second Hand Second Hand und da ist das Rosa meist schon so ausgewaschen und erscheint in einem blassen Ton. Außerdem sind die ganzen Chemikalien rausgewaschen. Von daher!

  29. Astrid permalink
    März 18, 2013 10:31 vormittags

    Hallo Jana,

    ich verstehe deine Argumente ganz gut, ich habe neulich auch ein paar dieser Storys über die Rückstände in Kinderklamotten gelesen. Da mag man echt nicht mehr neu kaufen, und von Billiganbietern lasse ich so gut es geht die Hände. Ich finde die Farben und Drucke sehen bei diesen schon sehr künstlich aus. Bio-Kleidung als Alternative ist leider sehr teuer obwohl die Sachen super schön sind. Stehe manchmal vor dem Schaufenster und bin ganz entzückt. Meine Knuddelmaus hat gerade ihre Quietsch-Grün Phase. Das steht ihr total gut und ich finde immer mal wieder was Second Hand oder auf dem Flohmarkt in “ihrer” Farbe. Rosa mochte sie eigentlich nie. Bin froh…

  30. April 21, 2013 9:18 vormittags

    toller Artikel, ich habe zwei Mädchen, die auch rosa tragen, aber nicht nur und trotzdem haben sie insgesamt einen eher klaren Kleidungsstil, ohne Glitzer und Flitterkram. Was ich aber krass fand waren die Geburtstagsgeschenke, die meine ältere Tochter beim letzten Kindergeburtstag bekommen hat, das war im Grunde die Komplettausstattung des “Top-Model” Merchandising. So was würde ich nie verschenken.

    Ich würde gerne auf meinem Blog einen Link setzen, wenn das OK ist.

  31. Nicola permalink
    Mai 1, 2013 11:24 vormittags

    Warum seid ihr froh und stolz, wenn eure Töchter kein Rosa mögen?

    Ganz ehrlich ich bekomme immer etwas Bauchweh, wenn wie hier ja auch, Frauen ganz stolz verkünden, dass ihre Töchter Rosa und Prinzessinnenstyle doof finden und keine Röcke tragen. Auch verstehe ich den gewiessen Stolz nicht, wenn Frauen erzählen, sie hätten in ihrer Kindheit ja nicht mit Puppen gespielt, sondern lieber Jungenspiele.

    Ich frage mich: warum ist weiblich sein bäh und wie ein Junge sein cool. Ee ist okay sein Mädchen Bubenhaft zu kleiden, ja sogar cool, aber dass ein Junge rosa Schuhe trägt (selbst wenn die Schuhe geerbt sind und somit gratis) geht gar nicht. Ist es für uns Frauen peinlich, wenn unsere Töchter weiblich sein wollen? Ist frau sein peinlich? In der Schule meiner Tochter ist “Tussi” eins der schlimmsten Schimpfworte für Mädchen. Und “Du Mädchen” ist ein Schipfwort für Jungs. Was sagt uns das?

    Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Diese Genderisierung bei Kinderkleidung und Spielsachen finde ich äusserts problematisch. Aber ist diese Femininitätsfeindlichkeit nicht ein Ausdruck von Sexismus? Und zwar unserem eigenen Sexismus uns selbst gegenüber, wenn wir zur Weiblichkeit stehen können?

    Wie gesagt, ich möchte Weiblichkeit nicht auf Stöckelschuhe, Rosa, Glitzer etc. reduzieren. Aber diese Stereotypisierung von rosa Mädchen ist einer Geleichberechtigung der Geschlechter auch nicht gerade zuträglich. Soll nicht einfach jeder tragen können was er will ohne gleich irgendwie “gelesen” zu werden? Wozu diese Schulbladisierung. Eine Frau die Minirock und hohe Schuhe trägt kann durchaus selbstbewusst unabhängig oder eine Feministin sein.

    Gerade dagegen bin ich: diese allgegenwärtige Reduktion vorallem von Frauen auf ihr Äusseres. Und darin sind leider gerade Frauen mit ihren Mitfrauen besonders hart.

    Auch rosa Mädchen sind cool!

    • Mai 9, 2013 12:37 nachmittags

      @Nicola Die Intention meines Artikels war durchaus die Genderisierung in beide Richtungen zu thematisieren und dabei hoffe ich, dass auch klar geworden ist, dass die Tarnfarben für Jungs sogar noch ein bisschen problematischer sind. Den Aspekt, den Du ansprichst, dass Jungs aus dieser Rolle noch viel schwerer ausbrechen können, halte ich auch für sehr wichtig. Darüber könnte man aber nochmal einen ganzen Artikel schreiben.

  32. Mai 1, 2013 1:48 nachmittags

    Sorry, für die Reklame: Neulich im Kinderkaufhaus:

    http://www.amazon.de/s/ref=sr_nr_p_n_target_audience__mrr_1?rh=n%3A77028031%2Cp_n_target_audience_browse-bin%3A79099031%2Cp_n_target_audience_browse-bin%3A79101031&bbn=77028031&ie=UTF8&qid=1367411386&rnid=79099031

    Es ist nicht alles rosa oder tarnfarben. Man kann sich sogar die Farbe aussuchen. … ein richtiges Fest für feministische M&uumll;tter, zumal die Größe erst an dritter Stelle ausgewählt werden kann. Das erste Auswahlkriterium ist das Geschlecht, das zweite die Farbe.

  33. tinka permalink
    Oktober 22, 2013 1:40 nachmittags

    im prinzip kann ich dem artikel zustimmen, ist aber etwas einseitig. mein sohn hat in 7 jahren kein einziges tarnfarbenes oder kackbraunes teil besessen. wir kaufen auch keine kleidung mit logos, aufdrucken und applikationen. man muss nur die augen aufmachen und sich firmen suchen, die etwas mehr geschmack beweisen und trotzdem im finanziellen rahmen bleiben.
    ausserdem gibts ebay, flohmarkt und nähmaschinen.
    mein tip: hema.nl liefert mittlerweile auch nach deutschland.

  34. Afra permalink
    April 6, 2014 1:52 nachmittags

    Ich finde die Mainstream Mode auch schwierig aber ich habe einen kleinen Internet-Secondhand-Tick und da hat man mehr auswahl als im Laden neben an. Auch schleiche ich manchmal entgegen meines schlechten Gewissens zu Amazon und finde dann auch sowas http://www.amazon.de/13100538-DARCO-MINI-LS-TOP/dp/B00EQW9KAY/ref=sr_1_25?ie=UTF8&qid=1396788125&sr=8-25&keywords=name+it+jungen. Komisch, es fällt mir leichter meinem Sohn pink anzuziehen als meinem Mädchen unisex und vor kurzer Zeit war das noch anders, aber jetzt ist sie dem Babyalter entwachsen und das Kleidungsangebot verändert sich…
    Ich muss bei mir auch aufpassen, dass ich nicht dem Denken anhafte, alles was als typisch weiblich gilt schlecht zu finden und männliches gut.
    Aber die Mode ist schwierig und ich denke sie transportiert doch immens viel!
    Hier noch was für nicht-rosa-mögende Mädchen die sich gerne bewegen wollen ohne gleich ihre Unterwäsche zeigen zu müssen

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