Skip to content

Sti-Sta-Stillen

Januar 31, 2013
Monster-Mütter füttern Flasche, sagt der Mythos (Foto: fuckermothers)

Monster-Mütter füttern Flasche, sagt der Mythos (Foto: fuckermothers)

Die Stilldebatten sind über den Jahreswechsel in eine neue Runde gegangen. Zum einen gab es Ende 2012 einen tollen Text von talentfreischön mit dem Titel ‘Wie, Du stillst nicht?‘. Darin schreibt sie:

“Ich bin Stillverweigerin. Oha. Etwas schlimmeres kann man seinem Kind kaum antun, wenn man die veröffentlichte Meinung und die gängigen Mütterdiskurse als Maßstab nimmt. (…) Die Mutterrolle wird biologisiert und naturalisiert – und damit die faktische Wahlfreiheit “Brust oder Flasche – oder irgendwas dazwischen?” unterminiert. Aber was heißt schon Wahlfreiheit? Wer die einfordert ereilt den Ruch des Egoismus – seit je her das schlimmste Stigma, das einem als Mutter in Deutschland aufgezwängt werden kann. ‘Du willst nicht das Beste für Dein Kind – und ich definiere was das Beste ist! -? Du RABENMUTTER!’”

Zudem kritisiert sie einen Ratgeber für nicht-stillende Mütter, der stattdessen den grauenhaft anmutenden Begriff des ‘Mutterleibservice’ einführt. Sie erklärt: “Mir geht es – nur für den Fall, dass ich in den Verdacht gerate – nicht darum, pauschal das Stillen zu verurteilen oder ein Loblied auf die Flasche zu singen. Mich interessiert die öffentliche Diskussion und was sie mit Frauen und Paaren macht. Ich finde, erwachsene Frauen sollten sich selbstbewusst und eigenverantwortlich um ihr Kind kümmern – und die betroffenen Väter ebenso.”

Dagegen beschäftigt sich ein Artikel auf Offbeat Families nicht mit einer freiwilligen Weigerung, sondern damit, dass manche Frauen schlicht nicht stillen können. Viele von ihnen leiden unter gesellschaftlichem Druck und strikten medizinischen Vorgaben. In dem Text beschreibt Andrea Karim ihre eigene Geschichte, da sie ihre Tochter auf Grund von Schilddrüsenproblemen und großen Brustwarzen nicht stillen konnte. Nach frustrierenden und oft schmerzhaften Versuchen erkennt sie schließlich: “being a good mother has nothing to do with breastfeeding (…) for the most part, my child is fed, and yes nourished, by formula. Like millions of other kids, who all grew up just fine.”

So wichtig es ist, für die Rechte für Frauen einzutreten, die nicht stillen wollen oder können – so wichtig ist es, auch für die Rechte Frauen zu kämpfen, die stillen wollen. Denn trotz des breiten Still-Imperativs soll es meist weiterhin fernab der Öffentlichkeit erfolgen. Frauen werden so von vielen Lebensbereichen und Aktivitäten ausgeschlossen. Dies kritisiert auch Stillberaterin Regine Gresens in einem Interview mit der SZ: “Es gibt eine Doppelmoral: Zum einen wird das Stillen als das Beste und Gesündeste für das Kind gepriesen. Dennoch wird Müttern, die öffentlich stillen, oft das Leben schwergemacht.” Sie fordert deswegen, dass Stillen in der Öffentlichkeit zu einer Selbstverständlichkeit werden sollte.

In den USA wurde eine Mutter aus einem Geschäft der Kette Hollister verwiesen, weil sie dort ihr Kind stillte. Anschliessend kam es zu Protesten und Still-Ins in verschiedenen Hollister-Filialen – Fotos der Aktion können hier angesehen werden. Keinerlei Lorbeeren hat sich auch 2012 wieder Facebook verdient. Besonders in englischsprachigen Ländern werden immer wieder Fotos von stillenden Frauen gelöscht und teilweise deren Accounts gesperrt. Vor allem The Feminist Breeder lieferte sich einen erbitterten Kampf mit Facebook um einige Fotos, phd in parenting fasst die Auseinandersetzung in einem (in diesem Land leider nicht einfach verfügbaren) Video zusammen. Trista Hendren fragt deswegen: “Does Facebook Hate All Women—or just Feminists?

About these ads
4 Kommentare leave one →
  1. Februar 1, 2013 9:03 vormittags

    Das Stillen war am Anfang für mich das Schlimmste und Schmerzhafteste am Mutterwerden. Das Gebären war ein Spaziergang dagegen. Ich habe dennoch durchgehalten, weil ich mich in meiner Familie sonst nicht als vollwertige Mutter akzeptiert gefühlt hätte. Viele andere Mütter berichteten mir von ähnlichen Qualen. Darüber öffentlich zu reden, empfinde ich immer noch als Tabu. Niemand will von einer frischen Mutter hören, wie unangenehm das Stillen sein kann.

  2. yvette permalink
    Februar 2, 2013 12:24 nachmittags

    Hier ein Artikel zur Stilldauer in Bayern:

    http://www.hag-gesundheit.de/uploads/docs/293.pdf

    Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was der Unterschied zwischen “voll stillen” und “ausschließlich stillen” ist. Was ist ganz interessant finde ist, dass obwohl stillen so gehypt wird nach 6 Monaten “nur noch” ca.. 50% stillen.
    Auf jeden Fall sollte jeder Mutter selbst entscheiden ob und wie lange sie stillen will oder Fläschchen geben will.

  3. Februar 6, 2013 1:21 nachmittags

    Und dann gibt es da neben allem mütterlichen Wollen, Können, Nicht-Wollen, Nicht-Können, Nicht-dürfen etc. noch eine Person, die beim Stillen mitentscheidet: Das jeweilige Kind, das eben nicht genau so ist, wie das davor oder danach oder das der Freundin. Bei dem es völlig unproblematisch – oder auch nicht – mit dem Stillen oder dem Nicht-Stillen läuft … Trotz aller Umweltfaktoren, die uns beinflussen, sollten wir uns endlich von dem inneren Bild befreien, Stillen/Nicht-Stillen würde allein an uns Müttern liegen und wäre somit allein unsere Verantwortung oder gar Verpflichtung.

  4. Lexi permalink
    März 8, 2013 11:06 vormittags

    Ich finde es unglaublich anstrengend, wenn Leute ihre Mutterschaft, Elternschaft und alles was damit zusammenhängt dazu benutzen, sich in einem sozialen Kontext zu profilieren. Das sollte wirklich eine Verantwortung gegenüber dem eigenen Kind sein und nichts anderes. Und da sollte jede(r) selbst Entscheiden, was geboten ist und sich nicht um das Urteil der Allgemeinheit scheren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 297 Followern an

%d Bloggern gefällt das: