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Männer und Hausarbeit: zehn Minuten in zehn Jahren

September 25, 2012

Eine neue Studie des Allensbach-Instituts, der Familienmonitor 2012, kam zu einigen un-neuen Ergebnissen: Sie stellte unter anderem eine äußerst traditionelle Rollenaufteilung bei Haus- und Pflegearbeiten fest, besonders bei heterosexuellen Paaren mit Kindern. Dabei machte es keinen grundlegenden Unterschied, ob beide erwerbstätig waren oder nicht.

Putzen – Who does it? (Bild: fuckermothers)

Wie etwa ‘der Spiegel‘ zusammenfasst: “90 Prozent der Männer behaupten, sie könnten weder Wäsche waschen noch bügeln. Zugleich sagten 51 Prozent der vollerwerbstätigen Frauen aus, dass sie Kindererziehung und Hausarbeit in ihren Familien völlig allein neben dem Job schultern müssten.”

Auch die ‘Financial Times‘ berichtet von der Studie und geht noch mehr auf die Kinderbetreuung ein: “Insgesamt 37 Prozent der Frauen klagen, dass ihr Partner wenig zu Hause sei. So bleibt auch die Kinderbetreuung in weiblicher Hand: 38 Prozent der Mütter gaben an, dass sie viel damit beschäftigt sind, ‘die Kinder zu Betreuungseinrichtungen, zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten zu bringen oder abzuholen’. Nur 14 Prozent der Väter sagen das Gleiche.”

Das ist nichts neues. Vielmehr verändert sich die Aufteilung der Haus- und Pflegearbeit zwischen den Geschlechtern seit Jahrzehnten kaum. Dies ergab auch die Zeitbudget-Studie des statistischen Bundesamts: Zwischen 1991 und 2001 gab es kaum Verschiebungen. Wie etwa Silke Anger und Anita Kottwitz in einem Artikel des DIW erklären, ist seit Anfang der 90er Jahre der Anteil erwerbstätiger Männer an der Hausarbeit um zehn Minuten gestiegen – derjenige erwerbstätiger Frauen liegt aber weiterhin eine halbe Stunde höher. Und während Männer mit Partnerin deutlich weniger Haushalttätigkeiten verrichten als alleinstehende, ist es bei Frauen genau umgekehrt: Mit männlichem Partner arbeiten sie mehr. Eine andere ‘Verlagerung’ innerhalb von 10 Jahren wird von Claudia Pinl in der Zeitschrift ‘Frauenrat (2/2012)’ beschrieben: Seit 1991 verwenden Frauen – wait for it – drei Minuten täglich weniger fürs Kochen, und Männer dafür drei Minuten mehr. Die Autorin bezeichnet das als “Hoffnungsschimmer” – ich hoffe das ist Zynismus.

Heterosexuelle Paarbeziehungen führen also zu höherer Arbeitsbelastung bei Frauen. Das stellt auch der Text von Cornelia Koppetsch mit dem sprechenden Titel ‘Heim & Herd: Eine Selbsttäuschung‘ fest. Hier geht es darum, dass heute viele Paare zwar Gleichheitsideale haben und sich als unabhängige Individuen fühlen, die Praxis aber anders aussieht: “Die Hausarbeit wird zur Frauensache, je länger das Paar zusammenlebt – und das selbst bei kinderlosen Paaren.” Koppetsch analysiert einige der Mechanismen, wie diese Ungleichheit heute funktioniert: “Dabei schafft die Idee der Gleichheit eine Situation, durch die Geschlechterungleichheiten nicht aufgelöst, sondern in bestimmter Weise noch verschärft werden: Sie verhindert, das eigene Verhalten im Bezugsrahmen vorgegebener Geschlechtsrollen wahrzunehmen. Deshalb kann die Mehrarbeit der Frauen auch nicht mehr innerhalb des traditionellen Geschlechtervertrags honoriert werden. Sie wird als Pingeligkeit, als unnötige Sauberkeit zurückgewiesen und aus dem gegenseitigen Nehmen und Geben in der Paarbeziehung herausgenommen.” Von ‘Feministmum’ kommt allerdings eine Kritik an Koppetschs Argumentation, denn diese trage “zur Individualisierung und Privatisierung eines Problems bei, dass kollektiviert und politisiert werden muss.”

Ich denke diese Kritik ist wichtig: Wir sollten stärker auf die Seite der Männer schauen und auf gesellschaftliche Machstrukturen. Zehn Minuten in einem Jahrzehnt, in dem es angeblich neue Väter und endgültige Gleichberechtigung und all das gab, sind lächerlich. Frauen machen nicht zuviel Hausarbeit, sondern Männer zu wenig.  Oder, wie Jessica Valenti einmal sagte: ” The problem isn’t that women are trying to do too much, it’s that men aren’t doing nearly enough.”

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18 Kommentare leave one →
  1. September 25, 2012 12:25 nachmittags

    Ich dachte mir gerade beim Lesen, dass diejenigen die so viel damit beschäftigt sind, “die Kinder zu Betreuungseinrichtungen, zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten zu bringen oder abzuholen” auch mal darüber nachgedacht haben, das Kinder auch ganz alleine zu Fuß oder Bus dorthin kommen könnten?

    Ich krieg ja immer Plaque, wenn ich sehe, wie viele Eltern jeden Tag mit dem Auto in die Schule karren, obwohl es nicht mal einen halben Kilometer weit weg ist. Mich hat als Kind nie einer irgendwohin gefahren. Ich hatte Beine und konnte selbst laufen…

    • September 28, 2012 11:22 vormittags

      Ja, schon – ich frage mich auch manchmal, ob der Zeitaufwand für Kinderbetreuung (also z.B. auch, dass heutige Erwachsene mehr mit Kindern spielen als unsere Elterngeneration) gestiegen ist. Das mit den Wegen ist aber schon eine Frage des Wohnortes: Ich bin auf dem Land aufgewachsen und ohne Auto wäre man dort noch nicht einmal zum Schulbus gekommen. Und auch in Großstädten kann ich verstehen, dann Menschen ihre Kinder lieber länger auf Wegen begleiten.

  2. September 25, 2012 1:57 nachmittags

    Dass 90 % angeblich weder Wäsche waschen noch bügeln können, mag ich nicht glauben. Kann ich nicht glauben. Wenn es der abgerissene Knopf wäre… Aber eine Waschmachine bedienen.. In meinem Blog startete ich mal eine Umfrage zum Bügeln, weil ich es ablehne, Männerhemden zu bügeln (mehr wird hier eh nicht gebügelt). Und siehe da: bei den meisten läuft es ähnlich: Die Männer bügeln ihre Hemden. Das mag nicht repräsentativ sein, aber ich bitte euch, wo kämen wir hin, wenn die Frauen den Männern die Hemden plätten? Um so mehr erschreckten mich die Zahlen, die ich gestern auch las. Kann ich wohl dankbar sein, dass mein Haushalt nicht der Statistik entspricht.

  3. September 26, 2012 7:17 vormittags

    Wir sind auch nicht Statistik-konform. Ich habe kein Männerhemd mehr gebügelt, seit ich denken kann, das macht mein Mann selbst. Er macht auch unsere komplette Wäsche, er kümmert sich um den Müll und den Getränkeeinkauf inkl. -schlepperei. Und niemand bringt unsere Küche so toll auf Hochglanz wie er. Er macht das zwar alles nach dem Lustprinzip, was nicht immer zum idealen Erledigungszeitpunkt paßt, aber dankbar bin auch ich… Die Zahlen sind erschreckend.

  4. September 26, 2012 7:34 vormittags

    Churchill sagte einmal, er traue keiner Statistik, die er nicht selber gefälscht hat. Auch ich habe gelernt, dass die meisten Statistiken mehr oder weniger im Sinne des Auftraggebers bearbeitet und beeinflusst werden. Dabei stellt sich die Frage, wie neutral diejenigen waren, die die Studie in Auftrag gegeben haben, und wie neutral diejenigen waren, die die Studie durchgeführt haben.
    Eine weitere Frage, die ich mir stelle, betrifft das schöne Wort erwerbstätig. Es ist ja für einige schön, dass beide erwerbstätig sind. Sind aber beide auch in Vollzeit erwerbstätig? Es gibt ja auch Statistiken, die sagen, dass Teilzeitjobs und 400 Euro-Jobs überwiegend von Frauen ausgeübt werden. Wenn dann beispielsweise der Mann Vollzeit arbeitet und die Frau Teilzeit oder gar nur auf geringfügiger Basis, ist es ganz normal, dass sie ein wenig mehr Hausarbeit macht als der Mann, weil sie einfach mehr Zeit dafür hat. Und dass sie dann auch mehr für die Kinder da sein kann, als der Mann, ist auch logisch. Insofern müsste man das Ganze entsprechend differenziert betrachten und dann eine entsprechende Statistik erstellen, die ganz unvoreingenommen rein mathematisch ausgewertet wird.

    • September 27, 2012 12:03 nachmittags

      @Wolfgang
      Die Logik funktioniert auch anders herum. Die meisten Bildungssysteme sind auf eine ständig erreichbare Person ausgelegt, in der überwiegenden Mehrheit sind das die Mütter*. Weil ja schon vorher “Hauptbezugsperson”. Rechtlich gesehen.
      Und wenn dann einige überhaupt was arbeiten wollen oder aus finanziellen Gründen müssen, dann höchstwahrscheinlich eine Teilzeit- oder geringfügige Stelle.

      Dein Erklärungsansatz ist höchstens tauto/logisch.

    • September 28, 2012 11:24 vormittags

      An Wolfgang: hier empfehle ich, die Studien genauer anzusehen: Es wurde bei der Datenanalyse auf Vollzeit-/ Teilzeitbeschäftigung kontrolliert – das ganze wurde also nach diesen Kriterien durchaus differenziert betrachtet.

      • ichposenuraufhatr permalink
        November 5, 2012 3:53 nachmittags

        @fuckermothers: selber
        Vollzeit= mehr als 18h in der Woche.

      • ichposenuraufhatr permalink
        November 5, 2012 4:03 nachmittags

        @fuckermothers: Immer nochmal: selber nachlesen
        Im Tabellenteil steht bei der tägliche erwerbsarbeit für Männer n(Tabelle 1 Zeile 22) 8:23 h bei den Frauen 6:55 h . Demgegenüber haben Frauen 1:27 h mehr Zeitaufwand in der Familie und im Haushalt.

        Worüber sprechen wir jetzt?

        Vielleicht darüber daß Männer mehr Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten aufbringen (2:17h versus 1:59 h).

        Irgendwie taugen die vorgelegten Daten nicht, einem Partner irgendwie einen schwarzen peter zuzuschieben – jedenfalls nicht,wenn man sich die Zahlen ansieht.

        Es sei denn man trägt die Gender-Brille.

  5. September 26, 2012 8:40 vormittags

    wobei nicht ausser acht gelassen werden sollte, dass manche Frauen es ihren Männern systematisch abgewöhnen etwas im Haushalt zu tun weil die das alles nicht “richtig” (also so wie sie) machen oder es gar als Kränkung betrachten wenn der Mann nach dem Staubsauger greift (“Findest du es hier etwa dreckig?”). Ich hätte auch keine Lust was zu tun wenn dann doch hinter mir hergewischt wird oder ich benörgelt oder belächelt werde für meine “Versuche”…^^

  6. Nicole permalink
    September 26, 2012 11:32 vormittags

    Eine sehr schöner Überblick über verschiedene Sichtweisen zu dem Thema. Ich frage mich gerne, wie ein möglicher Lösungsansatz aussehen könnte und musste feststellen, dass ich die Auseinandersetzung mit dem Thema Hausarbeit in meiner Familie scheue. Warum? Aus kurzsichtiger Faulheit. Stundenlang über die gemeinsamen Aufgaben zu sprechen, dann den Zeitbedarf zu erfassen und einen Plan zu erstellen, erscheint mir zu anstrengend. Zunächst jedenfalls.
    Dann muss ich mich aber auch fragen, wie wichtig mir die Gleichberechtigung ist. Und siehe da: Plötzlich bin ich motiviert, mich nochmal mit dem Thema auseinanderzusetzen. Leider bin ich vermutlich nicht die Einzige, die glaubt, das die Hausarbeit sich nach einigen grundsätzlichen Aussagen wie “Wir erledigen das gemeinsam” ” Ich bin hier nicht die Putzfrau” von alleine regelt. Jede*r geht so ihren/seinen bequemsten Weg und verfällt in Automatismen. Das ist nur menschlich! Aber leichter zu ändern als die gesellschaftlichen Machtstrukturen!

  7. September 26, 2012 1:04 nachmittags

    Ist bei meinen Freundinnen (alle Anfang bis Mitte 20) teilweise leider auch so! Da feiert ein Kumpel eine Party in seinem Wohnheimzimmer und wer räumt am nächsten Tag alles auf, während er im Bett liegt und schwachen, symbolischen Widerstand leistet? Ganz genau!

    Am schönsten finde ich dann immer: “Lass doch, ich helf dir später.”

    Verzeihung, aber das ist DEIN Müll! DU hilfst also nicht IHR, sondern maximal hilft SIE DIR!

    So sollte es zumindest sein.

    • September 29, 2012 9:29 nachmittags

      ist genau das beispiel das ich meine, und ich finde nicht, dass ER dafür verantwortlich ist. MUSS sie denn morgens direkt aufräumen? es ist doch sein Müll, er wird ihn schon irgendwann wegräumen. Also sorry aber wenn meine wohnung scheiße aussieht und jemand darauf nicht klarkommt und anfängt zu putzen darf er sich danach nicht beschweren, ich würde ihn ausnutzen.

      • September 30, 2012 11:05 vormittags

        Ja, das sehe ich eigentlich genauso! Wir Mädels hatten deswegen schon häufiger Diskussionen, weil die obige Freundin sich nämlich tatsächlich immer beschwert hat, dass er ihr nie hilft! Ich sagte ihr, dass sie es doch halt einfach mal lassen und ihm nicht helfen soll, aber “Ich kann das nicht, ich bin zu weich mimimi”.
        Selbst Schuld.

      • Oktober 6, 2012 6:16 nachmittags

        Wenn die beiden aber eben zusammen wohnen und sie sich wegen seines Mülls in ihrer eigenen Wohnung nicht wohlfühlen und entspannen kann? Den Spruch hab ich nämlich von meinem Ex auch ständig gehört. Da war ich berufstätig und er arbeitslos und ich hab trotzdem den Haushalt allein geschmissen, weil ihn stört’s ja nicht und “irgendwann” macht er’s schon weg. Ja, super…

  8. September 26, 2012 8:41 nachmittags

    Vielen Dank für diese super Zusammenfassung! :) In Schweden wurde zuletzt ein Modell diskutiert in dem ein Elternteil/Partner eine Woche lang Kinder und Haushalt komplett übernimmt und nur Teilzeit arbeitet. Bin selbst kinderlos, vielleicht mag einer von euch das mal einordnen? :)
    Detail findet ihr hier: http://notizanmichselbst.wordpress.com/2012/09/26/die-hausfrauenfalle-uuargh/ (zweit letzter Absatz)

  9. Lexi permalink
    März 8, 2013 10:58 vormittags

    Kann es sein, dass häufig ein Unterschiedlicher Anspruch an die Ordnung/Sauberkeit der Wohnung das Thema erschwert? Da sollte Mensch sich erstmal über die Standards einig werden.

Trackbacks

  1. Die Hausfrauen*falle… uuargh! | Notiz an mich selbst.

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