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Heldinnen

Juni 3, 2012

In dem meisten Kinderfilmen und -serien spielen mehr Jungen als Mädchen mit. Auch der ‘Held’ wird meist von einer männlichen, als ‘weiß’ klassifizierten Person verkörpert. Vielleicht ist das der Grund, warum eine US-amerikanische Studie ergeben hat, dass Fernsehkonsum das Selbstbewusstsein von ‘weißen’ Jungen erhöht, dasjenige von ‘weißen’ und ‘Schwarzen’ Mädchen sowie ‘Schwarzen’ Jungen jedoch mindert.

Die Filmemacherin Peggy Thompson geht in einem Artikel nicht auf rassistische Muster ein, dafür aber auf sexistische. Ihr zufolge wird meist davon ausgegangen, dass Mädchen zwar Filme mit männlichen Helden ansehen würden, Jungen aber keine mit Heldinnen. Tatsächlich gibt es ja einige gute Filme und Bücher mit Mädchen in der Hauptrolle – die gelten dann aber schnell als ‘nur für Mädchen’ statt als ‘für Kinder allgemein’. Thompson erklärt: “When I began my writing career working in theatre for children I was told that girls will watch stories about boys but boys won’t watch stories about girls. Thirty years later, it’s time for that to finally change. And women are the highest film-watching demographic. So the system—and it is a system—is broken.”

Ich würde mir wünschen, dass sie damit recht hat. Vielleicht lassen in den letzten Jahren wirklich einige Filme auf den von Thompson prognostizierten ‘Systemwechsel’ hoffen. Eventuell gehört ja auch Pixars ‘Brave’/ ‘Merida’ dazu, der diesen Sommer in die Kinos kommen soll und von dem ich bislang nur den Trailer gesehen habe. Für Disney-Fans gibt es hier übrigens auch Heldinnen-Ranking nach ihrem feministischen Potential, Gewinnerin ist Mulan.

Aus gegebenen Anlass habe ich mir überlegt, was meine persönlichen Heldinnen so sind – und zwar echt im Sinne von heldenhaften Heldinnen, die man unglaublich toll, cool, bewundernswert, mutig, super, tapfer und anbetungswürdig findet. Dabei bin ich auf folgende Liste gekommen, die sehr subjektiv ist, nicht nur aus Filmen/Büchern besteht, generell eher Affekten und Erinnerungen statt einem logischen Ordnungsschema folgt –  und die vor allem leider so gar nicht kindgerecht ist:

  1. Ich weiß. Das ist sehr billig. Aber ich kann nicht anders – an erster Stelle steht (und sonst sollte diese Liste eigentlich nicht hierarchisch aufgebaut sein): Kara Thrace aka ‘Starbuck‘ aus der Neuverfilmung von ‘Battlestar Galactica‘. Sie ist: einfach.so.toll. Hier noch ein Fanvideo auf youtube, passend unterlegt mit ‘Boys Wanna Be Her’ von Peaches.
  2. Tara Thornton und irgendwie auch ein bisschen Sookie Stackhouse aus ‘True Blood’.
  3. Kathleen Hanna und allgemein sämtliche Mitglieder von Bikini Kill, Sleater Kinney, Team Dresch und Le Tigre. Und eigentlich auch Peaches, wenn ich so drüber nachdenke.
  4. Donna Haraway.
  5. Allana von Trebond aus der Fantasy-Buchreihe von Tamora Pierce. (Ich habe die Bücher über ein Mädchen, das Ritterin wird, als Teenager gelesen und fand sie sehr toll. Manchmal denke ich aber, dass ich als Erwachsene vielleicht doch noch mal einen potentiell kritischen Blick rein werfen sollte).
  6. Die rote Zora.
  7. Auch irgendwie gut fand ich als Kind: Die Comic-Heldin Yoko Tsuno, das Buch Matilda von Roald Dahl und Ronja Räubertochter.
  8. So ein bisschen: Buffy aus ‘Buffy the Vampire Slayer’, Kima Greggs aus ‘The Wire’, Gemma Teller Morrow aus ‘Sons of Anarchy’ und Ellen Ripley aus ‘Alien’.

Gut, hier sieht man nur Starbucks Rücken und Hinterkopf – aber dafür mit Tattoos und beim Boxen. Hach, reicht das nicht schon? (Bild ‘Starbuck’s Space Invader Tattoo’ via flickr von Crys)

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5 Kommentare leave one →
  1. Juni 3, 2012 2:57 nachmittags

    Allana von Trebond aus der Fantasy-Buchreihe von Tamora Pierce. (Ich habe die Bücher über ein Mädchen, das Ritterin wird, als Teenager gelesen und fand sie sehr toll. Manchmal denke ich aber, dass ich als Erwachsene vielleicht doch noch mal einen potentiell kritischen Blick rein werfen sollte).
    Unbedingt den kritischen Blick reinwerfen! Band drei und vier verbringt sie – neben ein paar Heldentagen – damit, den langweiligen Prinzen (wie hiess der schon wieder?) anzuschmachten *grusel*

  2. lema permalink
    Juni 3, 2012 4:53 nachmittags

    kinderbuchtauglich: ronja räubertocher-allein oder mit birk im wald, kein problem für ronja räubertochter. außerdem sind “weibliche und männliche ” emotionen in dem buch sehr aufgehoben, ronjas vater weint so viel wie kein anderer mann und zeigt seine traurigen und freudigen gefühle und ist trotzdem unbestritten ein anführertyp. das mal noch als interessante vaterrolle neben einer starken mädchenrolle. dann auch immer wieder erwähnenswert und wirklich nicht abgedroschen: pipi langstrumpf- kennt keine grenzen und behandelt alle erstmal gleich, egal ob junge oder mädchen, auch wenn anika in dem buch glaub ich als mädchen sehr ängstlich ist, was ich aber angesichts des furchtlosen mädchens pipi total in ordnung finde.
    erwachsenentauglich: skyler white aus breaking bad-die ehefrau des exchemielehrers und dann chrystal meth brauers- deren rolle als mutter, ehefrau, sich selbstverlierende anfang 40 jährige und selbstsuchende zwischen spießigem alltag, gewalt und wahnsinn ist erschreckenderweise so nachvollziehbar und realistisch, dass man sie als starke frau mit etwas unklassischer mehrfachbelastung irgendwie als vorbildcharakter sehen kann.
    die frauen aus der englischen serie absolutely fabulous : weil sie sachen machen, die man bei männlichen figuren kennt, witzig findet und eher als typisch männlich im fernsehen wahrnimmt: rauchen, trinken, sich nicht um erziehung kümmern…- denen bin ich einfach dankbar, dass es mal weibliche charaktere sind, denen man beim asozial sein zusieht und dabei spaß hat, nicht immer nur männern.
    und natürlich: sarah connor, nein, nicht die sängerin und bushidoschwägerin, sondern die mutter der menschennation im terminator film, krasser kann mutterschaft fast nicht sein und die bringt ja ihrem sohn auch alles über waffen, bomben etc bei.

  3. Juni 6, 2012 1:05 nachmittags

    Zugegeben ein bisschen blutrünstig, aber hier darf Beatrix Kiddo aus “Kill Bill” einfach nicht fehlen! Sie hat’s einfach drauf und ist noch dazu eine Mama…
    Bei Allana von Trebond, Ronja Räubertochter und der roten Zora schließe ich mich außerdem auch an!

  4. profin permalink
    Juni 13, 2012 10:11 vormittags

    Habe neulich nochmal systematisch Tamora Pierce nachgelesen und finde, sie gehört weiterhin in die Liste.
    Es ist natürlich leichte Kost, aber keine der Frauen begibt sich letztendlich in die “Prinzenfalle” – Pierce draftet meistens den Partner der Heldinnen als unterstützend. Besonders ihre neuen Bücher über Beka Cooper sind sehr gutes Lesefutter für Mädchen.

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