Die männliche Kunst der Schwangerschaft
Schwangerschaft gilt meist als originär weiblicher Zustand. Dementsprechend wird er auch oft mit wallenden Gewändern, zarten Pastelltönen und Erzählungen von ‘typisch weiblichen’ Stimmungsschwankungen zelebriert. Doch durchaus vielschichtigere Deutungen sind möglich. Der bekannteste schwangere Mann war wohl Thomas Beatie, der vor allem 2008 Schlagzeilen machte. Im Buch ‘Gender Outlaws’ von Kate Bornstein und Bear Bergmann findet sich jedoch auch ein Text von J. Wallace. Darin beschreibt er seine Erfahrungen als schwangerer trans*mann und vor allem die von ihm entwickelte ‘männliche Kunst der Schwangerschaft’. Er sieht seinen Zustand als temporären Bierbauch plus Baby:
“There are many ways to go about acquiring what they call ‘a beer belly.’ I chose pregnancy. Beer and wings probably would have been an easier route, but I’ve never been one for the easy route, and I embraced the manly art of pregnancy. I’m a short, stocky guy who over the last year has gone from chunky, to having a great big gut, and back to chunky again. Along the way, I’ve also made a baby.” (S. 188)
Über andere körperliche Veränderungen, etwa, dass ihm mehr Haare wachsen und seine Menstruationsblutung auch ohne Einnahme von Testosteron aussetzt, freut sich Wallace weil sie seine Maskulinität nur erhöhen. Passend dazu kleidete er sich vorrangig in gedeckten Farben, in Muskelshirts, Anzügen, Hemden und Hosen. Er bildet auch statt einer labilen eine eher professionelle Identität: ”The pregnant person is at once a biologist, a mechanic, a weight lifter, and someone providing for his family.” Wenn es wohl auch nicht allen Schwangeren möglich ist, als ‘Mann mit Bierbauch’ rüberzukommen, könnte seine ‘manly art of pregnancy’ zumindest Identitätsangebote eröffnen und Raum zur Selbstwahrnehmung bieten. Als Biolog_in, als Gewichtheber_in und Familienbeschützer_in lässt es sich schwanger ja mitunter leicht fühlen.

Hoffentlich kein Rohmilchkäse auf dem Buffet? (Foto via flickr, ‘Beer & Chutney’ von The Puzzler/ Dan Brown)
Wallace, J. (2010). The manly art of pregnancy. In K. Bornstein & B. S. Bergman (Eds.), Gender outlaws: the next generation (pp. 188-194). Berkeley: Seal Press.
Danke für den Artikel / für die Rezension. Ich poste das auch auf mal Facebook. Gruß, Kim Berra.
Toller Artikel.
Es sei aber auch angemerkt, dass Cismänner auch schwanger werden können – nur ohne Kind (mMn leider)- und sogar “Mutter”milch produzieren.
Und angeblich haben auch frischgebackene Väter (also die, die bei der Frau bleiben und bla) Wochenbettdepressionen, aber das ist noch nicht ganz erforscht.
LG
männer können bei einem schwangerschafttest auch ein “positives” ergebnis haben wenn das beta-hcg erhöht ist….nur leider deutet dass beim mann eher auf (hoden-)krebs als auf ein baby hin