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Artikelempfehlung ‘Entweder – oder?’

April 27, 2012

Auf querelles-net findet sich ein lesenswerter (wenn auch manchmal etwas trockener) Artikel zu Mutterschaft der beiden Wissenschaftlerinnen Barbara Thiessen und Paula-Irene Villa. Der Text wurde bereits 2010 veröffentlicht und trägt den Titel ‘Entweder – oder? Mutterschaft zwischen Fundamentalismen und vielschichtigen Praxen‘. Besonders interessant fand ich den Schluss, der sich mit der gesellschaftlichen Sicht auf Fürsorge- und Pflegearbeit beschäftigt. Diese werde als Liebesdienst romantisiert aber gleichzeitig abgewertet, sei also von “Idealisierung als auch einer Geringschätzung” geprägt. Die beiden Autorinnen führen das auf Geschlechterrollen und auf “die derzeitige Fetischisierung von Autonomie” zurück. In anderen Worten: Das Leitbild des unabhängigen, aktiven und sich selbst verwirklichen Karrieremenschen steht im Vordergrund. Personen, die sich um andere kümmern, wirken irgendwie nett, irgendwie aber auch verdammt uncool.

Nun noch ein Ausschnitt aus dem Abstract des Artikels: “Mutterschaft wird in Deutschland ‚fundamentalistisch‘ diskursiviert: Die Leitbilder der ‚guten‘ Mutter sowie deren negative Schattenseiten sind moralisch und politisch überfrachtet, so dass scheinbar nicht nur das Wohl und Wehe der Kinder, sondern auch das der ganzen Nation an der Erfüllung spezifischer Normen von Mutterschaft zu hängen scheinen. In der alltäglichen Praxis von Mutterschaft brechen sich diese phantasmatischen Bilder allerdings – der Familien- und Mutteralltag ist vielmehr geprägt von vielfältigsten, durchaus eigensinnigen und nach Ungleichheitslagen differenzierten Arrangements sowie entsprechender ‚Identitäten‘ von Müttern. (…) Insgesamt diagnostizieren wir einerseits die Pluralisierung von Mutterschaftsbildern, die andererseits aber hochgradig widersprüchlich ist. Mütter nehmen diese Konflikte – etwa zwischen der ‚guten Mutter‘, die ganz in der langjährigen Vollverfügbarkeit für die Kinder aufgeht, und der ‚guten Mutter‘, die durch die Brille ihrer eigenen Karriere ihre Kinder als Humankapital betrachtet, in das sie investiert – individualisiert wahr, was wir entlang einiger exemplarischer ‚Druckstellen‘ darstellen. Der Beitrag schließt mit einem Plädoyer für die gesellschaftliche Aufwertung fürsorgebasierter Beziehungen und damit mit einer Kritik an der Fetischisierung von Autonomie.”

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