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Bezahlung für Hausarbeit

Februar 3, 2012

… wäre eine gute Sache. Sie wurde vor allem in den 70er Jahren bereits von einigen Feministinnen gefordert, die Familien- und Reproduktionsarbeit als gleichwertig zu Erwerbsarbeit verstanden. Kritisiert wurde zudem die zwischen Trennung Privat und Öffentlich: Während beispielsweise die Reinigung von Strassen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden von Steuergeldern bezahlt wird, soll das Putzen des Zuhauses umsonst und freiwillig, nämlich aus Liebe, erfolgen.

Die Autorin Porcshe Moran hat nun auf dieser Seite ausgerechnet, was eine Person verdienen müsste, die typischen häuslichen Tätigkeiten nachgeht. Als Vergleich hat sie dazu die Löhne von Köch_innen, Fahrer_innen, Reinigungskräften und Kinderbetreuer_innen herangezogen. Insgesamt kam sie dabei auf die Summe von 96.261 kanadischen Dollar im Jahr, was umgerechnet ungefähr 73.266 Euro Jahreseinkommen wären.

Irgendwie ist das mehr als die 150 Euro ‘Betreuungsgeld’ im Monat (1.800 Euro im Jahr), die ab 2013 in Deutschland eingeführt werden sollen. Aber die sind ja auch nicht als ‘Lohn’ gedacht: Haus- und Familienarbeit sind – dieser traditionalistischen Logik entsprechend – doch gar keine richtige Arbeit, sondern kommen aus dem Herzen.

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12 Kommentare leave one →
  1. Februar 3, 2012 10:49 vormittags

    Reblogged this on Mama hat jetzt keine Zeit… and commented:
    Es ist spannend, aber auch bedenklich, dass dieselben Themen in jeder Frauen/Mütter-Generation wieder auftauchen – und dabei behandelt werden, als wär’s zum ersten Mal.
    Die Naturwissenschaften stehen „auf den Schultern von Riesen“. Fortschritt ist sichtbar, weil jede Forschergeneration auf den Vorarbeiten ihrer Vorgänger aufbaut und von dort ausgehend weiter forscht.
    Die Frauenbewegung hat das bis jetzt nicht geschafft. Dabei sind seit Hedwig Dohm praktisch keine neuen grossen Themen dazu gekommen. Sie haben sich mit der gesellschaftlichen Veränderung weiter entwickelt, aber die Grundthemen sind seit dem 19. Jahrhundert dieselben geblieben!

    Worauf lassen wir uns da ein: Wir fordern Lohn für Hausarbeit, aber wirklich LOHN, das heißt, eine Summe, die der kapitalistische Staat nicht aufbringen kann. Irgendwann im Laufe unseres Kampfes wird dann ein „Hausfrauengehalt“ eingeführt, ein lächerliches Taschengeld, so wie die bürgerlichen Parteien sich das vorstellen. Und das in absehbarer Zeit, bevor die Frauen sich so richtig radikalisiert haben. Die meisten von uns, gewöhnt daran, gar nichts zu kriegen, werden für das bißchen dankbar sein, und nicht mehr weiter aufmotzen. Und wie sieht dann unsere Situation aus?: Wir müssen sagen, das wollten wir nicht, damit sind wir nicht zufrieden, wir wollen zwar, daß die Hausarbeit bezahlt wird, aber eigentlich wollen wir uns von unserem Rollenverhalten befreien, wir wollen, daß dieHausfrau anerkannt und entlohnt wird, wie jede berufstätige Frau, aber jedes Mädchen soll einen Beruf erlernen, wir fordern die Aufhebung der geschlechtsspezifischen Erziehung, aber Hausarbeit soll als Beruf gelten. Wir manövrieren uns da in ziemlich schlimme Widersprüche hinein! Wider Sprüche, die wir auch kaum vermitteln können, mit denen wir uns unglaubwürdig machen.
    Ingrid Strobl, 1975

    http://www.frauenmediaturm.de/themen-portraets/chronik-der-neuen-frauenbewegung/1974/wider-den-hausfrauenlohn/

    • Februar 3, 2012 11:49 vormittags

      Ich hab mit dieser Darstellung auch Probleme. Mit der gleichen Berechtigung könnte ich doch fordern, mit für alles, was ich selbst mache und womit ich niemanden extern beauftrage, ein Gehalt zu zahlen. Steuererklärung selbst gemacht? – Bumms, gleich ein Steuerberaterhonorar aufs Einkommen draufgerechnet. Mit dem Auto in die Stadt gefahren? Da hätte ich nem Taxifahrer 20 Euronen dafür bezahlen müssen, also das bitte auch gleich aufs Einkommen draufrechnen.

      Problematisch an der Hausarbeits-Kiste ist doch bloß, dass dafür irgendwie immer automatisch die Frauen zuständig sind. Und diesen Zustand kann man sicher nicht beseitigen, wenn man ihnen dafür auch noch Geld zahlt.

  2. Februar 3, 2012 1:51 nachmittags

    Völlog off topic, aber aus gegebenem Anlass: Ihr habt Euch mal gewundert, warum hier so wenig Leute kommentieren. Ich würde sicher öfter mal einen Kommentar schreiben, wenn die auch immer zuverlässig durchkommen würden. Von den 3 Kommentaren, die ich hier geshcrieben habe, hat’s nur einer geschafft, aus der Moderationsschleife befreit zu werden.

  3. Februar 3, 2012 3:03 nachmittags

    Die Frage ist dann immer, wer soll das bezahlen? In der kapitalistischen Gesellschaft ist es sicher nicht vorgesehen, dass die Gesellschaft die Kosten trägt. Aber innerhalb einer Familie sind solche Berechnungen durchaus mal angebracht. In letzter Zeit hat sich irgendwie das Bild der Hausfrau/länger Elternzeitnehmende als Schmarotzerin, die auf Kosten des Mannes und der Gesellschaft lebt, durchgesetzt. Ganz so als hätte diese Arbeit keinen Wert und der andere keinen Vorteil davon. Und selbst wenn Mann/Frau gleich viel Lohnarbeiten, verteilt sich längst nicht bei allen die Haus und Erziehungsarbeit gerecht. Wenn mensch dann mal ausrechnet, was für die Arbeiten fällig wäre, wenns wer anders macht, wirds deutlich. Bezahlen muss wer profitiert, in den meisten Fällen dann eben derdie, derdie weniger Lust auf Hausarbeit hat.

  4. Februar 3, 2012 5:36 nachmittags

    Ich stimme da tibia weiter oben zu, ich meine, ob jetzt zwei Leute getrennt leben und jede/r zur Arbeit geht, sein/ihr Essen alleine kocht und ihre/seine Wohnung alleine putzt, oder zwei Leute zusammenleben und halt die ein Person arbeiten geht und die andere Person den Haushalt macht, ist ja so ziemlich das gleiche.
    Problematisch wird es eben nur, wenn Kinder ins Spiel kommen und Frauen sich dazu gedrängt fühlen (vom Ehepartner direkt oder von der Gesellschaft allgemein), zuhause zu bleiben, obwohl sie viel lieber arbeiten würden.

  5. Anaka permalink
    Februar 4, 2012 12:00 nachmittags

    Bedingungsloses Grundeinkommen für ALLE, das würde meiner Meinung nach Hausarbeit und vorallem Kinderbetreunung bezahlen UND Entscheidungsfreiheit geben.

  6. garinga permalink
    Februar 4, 2012 1:35 nachmittags

    Was für ein unpassender Vergleich!

    “Während beispielsweise die Reinigung von Strassen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden von Steuergeldern bezahlt wird, soll das Putzen des Zuhauses umsonst und freiwillig, nämlich aus Liebe, erfolgen.”

    Wenn dann auch jeder in Ihre Wohnung darf, ist es ok.

  7. Kosmia permalink
    Februar 4, 2012 2:18 nachmittags

    Wie Cluisanna schreibt, spitzt sich die Situation insbesondere dann zu, wenn Kinder ins Spiel kommen. In den meisten Fällen fühlen sich Frauen, aus welchen Gründen auch immer, verpflichtet Sorge zu tragen und alltägliche Pflichten selbstverständlich zu übernehmen. Dafür gibt es weder gesellschaftliche Anerkennung noch finanzielle Absicherung. Vorher noch beruflich und finanziell erfolgreich, kehrt sich das Blatt mit der Geburt des Kindes.
    Gerade Alleinerziehende und damit auch deren Kinder sind von Armut bedroht. Nicht ausser Acht zu lassen, die Altersarmut, die lauert. Ein bedingungsloses Grundeinkommen (für Alleinerziehende) könnte vieles abfangen und dafür sorgen, dass Frauen trotz Kinder unabhängig und selbstbestimmt leben können. Gibt es zur Zeit überhaupt irgendwelche Initiativen, die versuchen dies durchzusetzen?

  8. Februar 5, 2012 6:34 nachmittags

    Ich denke selbst nicht, dass Bezahlung für Familien- und Hausarbeit die absolute Lösung ist, ich finde sie aber trotzdem einen interessanten und wichtigen Gedanken, den man nicht all zu schnell aufgeben sollte.

    – Zum Ingrid Strobel (und tibia) Kommentar: Ich sehe nicht unbedingt den Widerspruch von Rollenauflösung versus bezahlte Hausarbeit. Ich denke Strobels Kommentar zielte darauf auf, weil die Forderung aus den 70er Jahren meist von differenzfeministischer Seite kam, die auch gern die ‘Muttermacht’ und das ‘spezifisch weibliche’ und so hochhielten. Trotzdem muss bezahlte Haus- und Familienarbeit doch nicht gleichzeitig Geschlechterrollen zementieren. Auch Männer (bzw. sich als nicht-weiblich definierende Personen) könnten diese Arbeit übernehmen. Ich würde sogar vermuten, dass diese solche Arbeiten bei Bezahlung und entsprechender gesellschaftlicher Aufwertung sogar häufiger übernehmen würden. Bezahlte Hausarbeit kann also durchaus zur Auflösung von Rollen beitragen.
    Trotzdem gebe ich zu, dass die Bezahlung von Familienarbeit auch nach hinten losgehen kann: als Argument gegen Personen, die trotzdem lieber Lohnarbeit nachgehen wollen, oder als Argument gegen den Ausbau von Kitas und öffentlicher Betreuung. Also hier keine uneingeschränkte Verteidigung der Idee meinerseits.

    – Ein positiver Effekt an bezahlter Familienarbeit wäre, die Person, die mehr Haus- und Familienarbeit leistet, so ökonomisch abzusichern. Wie ja allgemein bekannt, sind diese Personen meist wirtschaftlich abhängig und von Armut bedroht.

    – Zum Karina-Kommentar: Das ist kein unpassender Vergleich. Die Trennung zwischen Privat und Öffentlich ist historisch begründet und beruht auf kulturellen Konventionen. Es bedeutet auch nicht, dass ‘jede_r in deine Wohnung darf': Manche Menschen bezahlen doch sowieso schon Reinigungskräfte fürs Putzen, die lassen dann doch auch nicht ‘jede_n in die Wohnung.’

    – Zu Cluisianna: Ich denke auch, dass wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass es vor allem um Familienarbeit geht. ‘Ein-bisschen-für-sich-selbst-putzen’ ist zeitlich und energiemäßig etwas ganz anderes als z.B. für einen Säugling sorgen.

    – Die Frage ‘wer soll das bezahlen’ und in welchen politischen System das möglich ist, ist natürlich groß und kompliziert. Grundeinkommen ist eine Idee, Familiensubvention (statt nur Unternehmenssubvention, z.B.) auch. Schön wäre, endlich das Ehegattensplitting abschaffen und die Gelder lieber für die Unterstützung von Eltern zu verwenden. Systeme jenseits des Kapitalismus sind ebenfalls eine gute Idee.

  9. Mai 9, 2012 11:02 nachmittags

    Ich denke, das das Betreuungsgeld der fasche Weg ist, egal, ob es jetzt 150 EUR sind oder ein Monatsgehalt von meinetwegen 2000 EUR oder mehr.
    Was verändert werden sollte, sind die starren Rollenbilder, die in unerer Gesellschaft herrschen und die damit verbundenen Erwartungen, die an eine bestimmte Rolle geknüpft sind. Wenn Frau sein nicht mehr nur mit Häuslichkeit, Nachgiebigkeit und Mutterschaft assoziiert wird und Mann sein nicht mehr ausschließlich mit Aggressivität, Öffentlichkeit und Karriere, dann haben wir das Problem auch nicht mehr, dass Frauen (oder Männer) sich zu irgendetwas gedrängt fühlen.
    Das Betreuungsgeld macht Frauen nicht unabhängig, es macht sie vielleicht sogar abhängiger.
    Denn wenn man fürs zu Hause bleiben (das hier soll keine Abwertung von Frauen sein, die sich dazu entschieden haben, zu Hause zu bleiben und für ihr Kind da zu sein!) bezahlt wird, dann besteht die Gefahr, dass sich ein Trend dahingehend entwickelt, dass keine Frau mehr die Ambition hat, dort arbeiten zu gehen, wo Entscheidungen gemacht werden.
    Frauen werden somit – und das ist rückschrittlich – wieder in die Häuslichkeit gedrängt, wenn auch jetzt eine bezahlte; aber in der Öffentlichkeit präsent zu sein und aktiv an gesamtgesellschaftlichen Entscheidungsprozeßen teilzuhaben, das ist dann wieder Rolle des Mannes. Und das ist schlecht! Denn um seine Rechte muss man kämpfen, die werden einem nicht geschenkt.
    Meiner Meinung nach muss sich das System dahingehend ändern, dass Männer und Frauen die Möglichkeit haben, sich gleichermaßen für Haushalt und Kinder einzusetzen.
    D.h. es müssen Strategien her, wie Eltern Job und Karriere gleichermaßen gerecht werden können, Ich sage hier ganz bewusst Eltern, denn man muss den Männern diesbezüglich genauso die Türen öffnen wie den Frauen.

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  1. Die Vier-in-einem-Perspektive « fuckermothers

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