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Entspann dich

Oktober 21, 2011

Ein weiterer Diskursschnipsel von ‘Unter den Haaren':

Mein Mann geht irgendwie nie aus. Ich versteh den nicht. Wenn ich ausgehe, dann länger, aber der ist nach zwei Stunden immer wieder da. Ich weiß auch nicht. Letzten Freitag war er nach langem wieder mit seinen Jungs unterwegs. Ich hab mich gefreut. Der sah auch Bombe aus, hat zwei Stunden vorher im Bad verbracht. War voll aufgeregt. Immer wieder kam der mit neuen Anziehsachen raus und hat gefragt „geht das?“ „geht das?“ „und das?“ …voll süß.

Er hat dann immer Angst, dass er alt und müde aussieht, aber ich sag ihm, er sieht voll spitze aus. Dann als er in der Tür steht fragt er, ob es wirklich in Ordnung wäre, wenn er ginge. Ich sage, es ist doch nur für ein paar Stunden, mach dir einen schönen Abend. Dann küsst er mich, dann den Kleinen, wieder mich, wieder den Kleinen und sieht voll fertig aus und fragt den Kleinen immer „ist das wirklich ok, wenn Papa geht?“ Ich sag, „hau ab! Wir kommen schon klar.“ Der Kleine fängt dann natürlich an zu weinen und ruft immer „Papa“, aber er geht. Toll, denke ich, was mach ich denn jetzt?

Ich bring den Kurzen ja sonst nicht ins Bett und bevor er sich Sorgen macht, hab ich zwischendurch immer mal wieder angerufen und es klang auch wirklich sehr nett im Hintergrund. Ich weiß ja nicht, ob das normal ist, wenn das Kind eine halbe Stunde schreit, bevor es einschlafen soll. Der will eigentlich zu seinem Papa, den Eindruck habe ich. Er hat mich am Telefon gar nicht verstanden und immer gebrüllt, ob was wäre, ich hab geantwortet, das ich das auch nicht wisse. Dann ist er raus, hat mich zurückgerufen. Da war der Kurze gerade erst eingeschlafen und er hat ihn geweckt. Das Kind brüllt also wieder. Er, „soll ich wieder nach Hause kommen?“. Ich, „Nein! Genieß den Abend, alles unter Kontrolle, wir werden das Kind schon schaukeln.“

Dann hab ich halt nicht bemerkt, dass er mir zwei SMS geschrieben hat. Da ruft er nach einer halben Stunde an und schreit mich an, warum ich nicht wieder anrufen würde. Ob der Kleine jetzt schläft und ich sage, „jetzt noch nicht, wir gucken gerade Fußball.“ Er, „der soll nicht Fußball gucken, sondern muss seinen Rhythmus behalten, damit der am Montag in die Kita gehen kann und früh rauskommt“. Der ist so unentspannt. Warum ich fernsehen würde, ich sag, „das ist doch nur Fußball, mach dir mal nicht ins Hemd“. Ich sage, „aber was du willst Chef“ und lege den Kleinen hin. Der fühlt sich allerdings etwas wärmer an. Ich bin irgendwie unsicher, aber ich denke, er wäre sauer, wenn ich es ihm nicht sagen würde, also ruf ich schnell noch mal an und frage ab wann eigentlich Fieber anfängt. Ist ja auch eh gut, das mal grundsätzlich zu wissen. Ob er denn gut trinke? Ich: „Woher soll ich das wissen? Wo ist der Zusammenhang?“ Er knallt den Hörer auf.

Zehn Minuten später steht er heulend und wütend vor der Tür. Ich sag: „Schatz, was machst du denn hier? War es nicht nett? Du hättest doch noch bleiben können, der Kurze schläft, warum bist du denn jetzt schon wieder da?“ Der kann nicht mehr zwei Stunden ohne die Kinder. Ich wünschte, der würde mehr für sich selbst machen.

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