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Stillende Pornokünstlerinnen

August 18, 2011

Bluemilk hat mal wieder einen spannenden Beitrag namens Too sexy for breastfeeding? veröffentlicht, in dem sie von der Debatte berichtet, die zwischen der Künstlerin und Porno-Performerin (mir war unklar, wie man “porn performer” korrekt übersetzt) Madison Young und Furry Girl, ebenfalls Porno-Performerin und Sexarbeits-Aktivistin stattfindet.

Ausschlag gab folgendes Foto:

Foto von Malia Schlaefer

Es zeigt Madison Young, die ihre im März diesen Jahres geborene Tochter Emma stillt. Madison ist unter anderem seit 10 Jahren Leiterin von femina potens, einer Multimedia-Gallerie, die Arbeiten von queeren, transgender und weiblichen Künster_innen zeigt und betreibt zudem das feminist porn network. Das Foto erschien zunächst auf dem Blog Tits and Ass zusammen mit einem lesenswerten Interview, in dem Young unter anderem über ihre Situation als Mutter in der Sex Industrie spricht: “I see my daughter as an inspiration for me to continue doing my work in the sex industry. I want for her to have positive views of sexuality, self worth, a positive body image and not be ashamed to express herself or communicate with those around her in an honest and openminded way. I want to help create a more sex positive world for my daughter to live in, one that values sexual education and celebrates difference. I don’t feel like becoming a mother means that I can’t be a sexual or sex positive individual. Becoming a mom is a new part of my identity but is only one layer of who I am.”

Furry Girl wirft Young nun vor, ihr Kind auf dem Foto zu sexualisieren und auszubeuten, da das Kind selbst noch keine Zustimmung zu dem Bild geben kann (“Your child will need so much therapy when she grows up and finds out how she was treated by you”). Bluemilk wiederum kritisiert diese Kritik: sie sieht in Furry Girls Einwänden typische Argumentationsmuster, die latent mütterfeindlich sind und öffentliches Stillen automatisch mit Exhibitionismus gleichsetzen. Zudem merkt sie an, dass Furry Girl von einem “feminist mommy club” auszugehen scheint, der Sex-Arbeiterinnen kategorisch ausschließt. Ihre Interpretation des Fotos: “I see vulnerability in that photograph (…). I see pride, too, in her decision to pose breastfeeding. Pride in mastering a new skill and pride in her first baby. And I can’t help but relate to the excitement and creativity she is experiencing in exploring her new identity as a mother.”

Hm. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich so eindeutig Verletzlichkeit und Stolz und Kreativität in dem Foto sehe. Ich finde es einfach schön und nicht besonders sexualisierend – zumindest sieht man doch nicht mehr, als auf den typischen Still-Fotos, nur, dass hier die stillende Mutter nicht, wie so oft, einen weißen oder rosa Jogginanzug und ein unauffällig-‘natürliches’ Makeup trägt. Zudem ist auch ein Unterschied zu konventionellen Bildern, dass hier die Stillende ihr Kind nicht anschaut, sondern in Richtung der Kamera blickt – vielleicht macht sie das ja für manche zu sehr zu einem eigenständigen Subjekt?  Zur noch mehr Details der relativ  langen und komplexen Debatte empfehle ich obige Links.

(PS: Mehr Hintergrundinformationen und eine relativ differenzierte Diskussion der Thematik gibt es nun auch in deutscher Sprache von Michèle Binswanger unter dem Titel Zu sexy zu Stillen? auf dem Mamablog. Allerdings schließt sie mit einer seltsamen Argumentation, in der sie meint, Young sei als Pornodarstellerin eine von denen, die Stereotype weiblicher Sexualität “ausbeuten und befestigen.” Aha? Aber Youngs Arbeit im – Betonung: feministischen – Porno und in der queer-feministischen Kunst intendiert doch gerade, sich diese Stereotype anzueignen, zu destabilisieren und zu verschieben… )

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