Skip to content

Zum Wert von Familien: Familienpolitik und Elterngeld

November 19, 2014

Welche Personen als Familie zusammenleben und was überhaupt unter diesem Begriff verstanden wird, ist verschieden – und zwar nicht erst seit heute. Die Norm von Vater-Mutter-Kind ist keineswegs eine menschliche Konstante, sondern Familiendefinitionen variieren je nach historischer Epoche und sozialer Schicht, Region und Kultur. Meist bezeichnet der Begriff eine Lebensgemeinschaft, die besonders um die Sorge für Kinder zentriert ist. Das kann biologische und soziale Eltern ebenso einschließen wie Alleinerziehende, mehrere Erziehende, Groß- und Pflegeeltern oder umfangreichere Verwandtschafts- und Gemeinschaftssysteme. Angesichts dieser möglichen Vielfalt betont die aktuelle Familienforschung, dass „Familie im Plural gedacht werden muss“ (Ecarius 2007, 27). Dieser Plural stößt allerdings schnell an seine Grenzen, wenn Familie im Bereich staatlicher Politik verhandelt wird. In diesem Text möchte ich nachvollziehen, ob und wie die aktuelle Familienpolitik die Vielfalt von Familien berücksichtigt. Hierzu betrachte ich eines ihrer wichtigsten Instrumente näher: das Elterngeld, das von der großen Koalition zum 1.1.2007 eingeführt wurde, um das vorhergehende einkommensunabhängige Erziehungsgeld durch ein flexibles, einkommensabhängiges System zu ersetzen.

(Collage: Fuckermothers)

(Collage: Fuckermothers)

Ein wichtiger Kritikpunkt richtet sich gerade auf diese Einkommensabhängigkeit und ihre Funktion als „neoliberale Eliteförderung“ (Nowak 2010, 141). Denn sie hat zur Konsequenz, dass in erster Linie diejenigen Familien profitieren, in denen mindestens ein Elternteil gut verdient. Dadurch sind die Gewinner_innen des Elterngeldes wohl situierte, beruflich qualifizierte, heterosexuelle Paare – zu den Verlierer_innen zählen dagegen Geringverdienende und Erwerbslose, zu denen viele Migrant_innen, Alleinerziehende und chronisch Kranke gehören (Hajek 2013, Strobel 2012). Das bedeutet, dass Menschen mit geringerem Lohn durch die Sorge für Kinder weiterhin einem massiven Armutsrisiko ausgesetzt sind und dass ihnen viele Möglichkeiten zur Gestaltung des Familienlebens verschlossen bleiben: Weder können sie sich hochwertige Ernährung, Bildungsangebote oder ärztliche Zusatzleistungen leisten, noch Babysitter, Tagesmütter oder Putzkräfte um die eigene Arbeitsbelastung zu reduzieren.

Doch auch im Kreis derjenigen, die das Ziel aktueller familienpolitischer Maßnahmen bilden – also Akademiker_innen und gut verdienende Mittelklassefamilien – gibt es keineswegs nur Gewinner_innen. So ist ein paradoxer Effekt des derzeitigen Elterngeldmodells, dass ein nicht unerheblicher Teil der in der Wissenschaft beschäftigten Akademiker_innen gerade keinen Zugang dazu hat. Denn das Elterngeld orientiert sich am versteuerbaren Einkommen. Im Rahmen von Sparmaßnahmen und Prekarisierung wurden jedoch viele vormalige Qualifikationsstellen an Universitäten abgebaut. Studierende, Promovierende und Post-Dokdorand_innen sind daher in erheblichem Maße auf nichtsozialversicherungspflichtige Stipendien angewiesen und haben daher nur Anspruch auf den Mindestsatz. Das sei aber nur am Rande bemerkt, denn vor allem kommt es zu erheblichen geschlechtsspezifischen Ungleichheiten innerhalb der von Elterngeld profitierenden Elternpaare. Dies betrifft zum einen die Tatsache, dass die Betreuungs- und Sorgearbeit weiterhin primär an Frauen delegiert wird: Nur 20-30 % aller Väter gehen überhaupt in Elternzeit und der Großteil von ihnen nimmt lediglich die gesetzlich vorgesehenen zwei Monate. Zum anderen zeigt sich eine erhebliche Diskrepanz in Bezug auf das Einkommen: Der durchschnittliche Elterngeldanspruch von Vätern, die vor der Geburt des Kindes berufstätig waren, liegt bei 1204 Euro – der von Müttern bei 868 Euro (Bundesministerium für Familie 2013). Die Diskriminierung und geringere Bezahlung von Frauen im Erwerbsleben setzt sich so auch beim Elterngeld fort.

Die Abhängigkeit des Eltergelds vom Einkommen führt außerdem dazu, dass Familienarbeit keinen Wert an sich bildet, sondern sich ihr Wert maßgeblich von der bezahlten Lohnarbeit herleitet. Damit hängt der Lohn für Betreuungstätigkeiten allein davon ab, wer sie erledigt. Der Vater, der beispielsweise als vollberuflicher Unternehmensberater die zum Erhalt zweier zusätzlicher Partnermonate erforderlichen zwei Monate Auszeit nimmt (die dann gern im gemeinsamen Familienurlaub verbracht werden) erhält für seine Leistungen mehr Geld als die alleinerziehende Mutter, die als zuvor z.B. als Zahntechnikerin angestellt war. Und wenn ein Mann Windeln wechselt, so scheint das im Durchschnitt sehr viel mehr Geld wert zu sein, als wenn eine Frau die identische Tätigkeit verrichtet.

Bislang war von den Eltern die Rede, die überhaupt Zugang zu familienpolitischen Unterstützungen wie dem Elterngeld haben. Dieses Privileg besitzen jedoch keineswegs alle Familien. Besonders Familien mit inter-, trans* oder gleichgeschlechtlichen Eltern, werden oft vom Anspruch an Elterngeld ausgeschlossen. Denn während heterosexuell lebende Elternpaare auch unverheiratet Anspruch auf Elterngeld und Elternzeit haben, ist das für Eltern, die außerhalb der heterosexuellen und zweigeschlechtlichen Norm leben, ungleich schwieriger. Sie müssen zunächst eine offizielle Lebenspartnerschaft eingehen. Das ist nicht nur ein bürokratischer und mitunter langwieriger Prozess – sondern auch Ausdruck einer eklatanten Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare: Im Gegensatz zu den unverheirateten gegengeschlechtlichen Paaren wirken sie defizitär und werden gezwungen, das scheinbar fehlende Vertrauen in ihre Verantwortung durch juristische Verbindlichkeit auszugleichen. Noch mehr Nachteile haben Familien, die sich nicht in die Norm eines Elternpaares fügen können oder wollen, weil sie aus mehr als zwei Eltern bestehen. Diese können sich in verschiedensten Lebenssituationen befinden – sei es, dass sich etwa ein lesbisches und ein schwules Paar zusammengetan haben, um zu viert Kinder aufziehen, sei es, dass sich eine klassische ‚Patchworkfamilie’ durch die Trennung eines heterosexuelles Elternpaars ergeben hat oder dass sich mehrere Co-Eltern ohne romantische Partnerschaften zusammen gefunden haben. In all diesen Familienkonstellationen ist es nicht möglich, dass soziale Eltern Elterngeld erhalten, so dass eine gerechte Aufteilung der Betreuungsarbeit erheblich erschwert wird. Im Gegensatz dazu können Verwandte bis zum dritten Grad Elterngeld erhalten. Biologischer Verwandtschaft wird also mehr Wert beigemessen als gewachsenen Beziehungen, nicht-genetischer Verantwortungsübernahme und sozialen Fürsorgegemeinschaften.

Auch Familien ohne deutsche Staatsbürgerschaft haben, je nach Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis, nur begrenzt Zugang zum Elterngeld. Hierbei sind geflüchtete Menschen sicherlich am stärksten von Diskriminierung betroffen. Sie erhalten nur Elterngeld, wenn sich die antragstellende Person seit mindestens drei Jahren rechtmäßig, gestattet oder geduldet in Deutschland aufhält und hier außerdem berechtigt erwerbstätig ist – Voraussetzungen, die an der Lebensrealität fast aller Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, vorbeigehen. Auf diese Weise wird die massive Armut und Abhängigkeit geflüchteter Familien weiter verstärkt. Die Hürden, die die ‚Festung Europa‘ um sich errichtet hat, finden damit auf familienpolitischer und bürokratischer Ebene ihre Fortsetzung. Dabei ist die mangelnde finanzielle Unterstützung von Geflüchteten allerdings leider nur eine von vielen Schikanen. Ein Beispiel bildet das Asylbewerberleistungsgesetz, durch das Geflüchtete nicht der gleiche Zugang zu Krankenversorgung wie deutsche Patient_innen erhalten. Vielmehr bekommen Asylbewerber_innen keine Krankenkassenkarte. In Auffanglagern müssen sie die Mitarbeiter_innen der Flüchtlingsunterkünfte um Erlaubnis bitten, um medizinische Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen. Und für die Einweisung in ein Krankenhaus muss zuerst der Einweisungsschein ein_er Mediziner_in vorliegen. Als Folge solcher bürokratischen Hürden starb Anfang 2014 das Baby einer Asylbewerberin aus Ghana, nachdem es nicht in eine Kinderklinik in Hannover aufgenommen wurde.

Die aktuelle deutsche Familienpolitik – das sollte aus den Fällen deutlich geworden sein – macht keinesfalls Politik für die in Deutschland lebenden Familien. Statt die Pluralität und die unterschiedlichen Bedürfnisse von Familien wahrzunehmen und dafür einzutreten, dass alle Kinder gleichberechtigt, gesund und gut betreut aufwachsen können, hierarchisiert diese Politik Menschengruppen, Familienkonstellationen und Arbeitsformen. Gefördert wird nur ein kleiner Kreis: Familien mit zwei heterosexuell lebenden, berufstätigen Eltern, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und ein mittleres bis hohes Einkommen haben. Hinter der derzeitigen Familienpolitik verbirgt sich somit eine selektive Bevölkerungspolitik, die über die kalkulierte Ungleichbehandlung von Menschen operiert. Sie misst nicht allen Familien den gleichen Wert zu, sondern richtet sich auf eine Zukunft, der sie versucht ihre eigene Wunschvorstellung von Familie aufzuzwingen.

Der Text erschien bereits im Oktober im ‘Prager Frühling‘.


Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (2013). Trend hält ungebrochen an: Immer mehr Väter beziehen Elterngeld. Pressemitteilung.http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=198354.htm

Ecarius, Jutta (Hg.) (2007): Handbuch Familie. Wiesbaden.

Hajek, Katharina (2013): Familienduell: Von der politischen Regulierung und den Kämpfen um Familie. In: PROKLA: Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 43/4, 519-537.

Nowak, Jörg (2010): Familienpolitik als Kampfplatz um Hegemonie. Bermerkungen zur Leerstelle eines linken

Feminismus. In: Auth, Diana, Buchholz, Eva and Janczyk, Stefanie (Hg.), Selektive Emanzipation: Analysen zur Gleichstellungs- und Familienpolitik. Opladen, 129-149.

Strobel, Katja (2012): Zwischen Selbstbestimmung und Solidarität: Arbeit und Geschlechterverhältnisse im Neoliberalismus aus feministisch-befreiungstheologischer Perspektive. Münster.

Homophobie und moderne Sexualpädagogik

Oktober 26, 2014

… passen logischer Weise nicht zusammen. Ansonsten äussert sich Homophobie aber meist ziemlich unlogisch. Leider beweist das auch mal wieder die FAZ, die – nachdem dort kürzlich zwei ältere Herren ausführlich ihre Meinung kund tun durften, dass ausgerechnet alleinerziehende Mütter in unserer Gesellschaft nur Vorteile geniessen – mal wieder gegen sexuelle Vielfalt zu Felde zieht. Micha Schulze fasst auf ‘queer.de’ einige Punkte des FAZ-Artikels zusammen, der von Martin Voigt geschrieben wurde, der im Fach Literaturwissenschaften promoviert:

Voigts Text ist keine sachlich-pädagogische Auseinandersetzung – der Text dient einzig dazu, weiter Stimmung zu machen gegen die Sichtbarkeit nicht-heterosexueller Lebensweisen im Schulunterricht. Er besteht vor allem aus einer Aneinandereihung von Fremdzitaten zu Themen, die kaum zusammengehören. Aufklärung über Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender vermischt der Jugendforscher etwa gezielt mit Gruppensex-Rollenspielen im Klassenzimmer. In beiden sieht Voigt einen Angriff auf die heterosexuelle Kleinfamilie: “Vom ersten Bilderbuch bis zum Abitur soll die Vorstellung von Vater/Mutter/KInd ‘entnormalisiert’ werden”.

Dagegen berichtet die bekannte Bloggerin Nele Tabler auf ‘Vice’ von ihrer Teilnahme an einer der homophoben Demos, die angeblich “für alle” sind:

Die Liebste und ich haben uns von Anfang an nicht gerade besonders wohl gefühlt und befürchtet, jemand könne uns erkennen und sich mit dem Schrei „Da sind Lesben!“ auf uns stürzen. Bis sich endlich der Demonstrationszug in Bewegung setzt, ist aus dem Unbehagen regelrecht Angst geworden. Schon mehrmals hatte sich „Demo für alle“ wenigstens formal von Gewalt- und Hassparolen, wie sie zum Beispiel in den Petitionskommentaren vorgekommen waren, distanziert. Doch das hindert viele Teilnehmer nicht daran, in Gesprächen laut und deutlich ihre Meinung zu äußern. Homosexuelle zwangsweise gesundbeten zu wollen, war da noch eine der harmloseren Äußerungen. Als der Redner von Sex-Führerschein spricht, will ein Mensch neben mir „alle Schwuchteln einschließlich Kretschmann kastrieren“. Je länger die Veranstaltung dauert, desto aggressiver wird die Stimmung und das Vokabular militärischer. Es geht nicht um eine politische oder vielleicht auch religiöse Auseinandersetzung, sondern um einen Überlebenskampf. „Wir oder die Perversen, für beide ist auf diesem Planeten kein Platz“, sagt eine Frau mit Glaubenszwiebel und Gesundheitsschuhen und wie zur Bestätigung werden ein paar Meter weiter riesige Deutschlandfahnen geschwenkt.

gruselig, das alles.

Nicht ohne (m)eine Mutter – Wissenschaftlerinnen*Werkstatt

Oktober 1, 2014

Am Wochenende war ich auf einer Wissenschaftlerinnen*Werkstatt eingeladen, die nicht nur toll war, weil sie ein spannendes Thema in dem Mittelpunkt stellte, nämlich “(Queer-) Feministische Perspektiven auf vertikale Beziehungen im Kontext von Mutterschaft und Mütterlichkeit”. Sondern es gab auch kostenlose Kinderbetreuung für alle Teilnehmer*innen, was eigentlich der Standard für jede Konferenz und jedes Workshop sein sollte. Die Werkstatt findet jährlich im Rahmen der Promotionsföderung der Hans-Böckler-Stiftung statt. Organisiert wurde die Tagung zu Mutterschaft von Ann-Madeleine Tietge, Claudia Jerzak, Hannah Holme und Maya Dolderer. Mit Erlaubnis der Organisatorinnen hier der Ankündigungstext, den ich lesens- und verbreitenswert fand.

Auch wenn der Begriff der „Mutter“ normativistisch oder traditionalistisch anmutet, bleibt die Beschäftigung mit dem „Kinderkriegen“, der eigenen Bereitschaft zur Fürsorge oder der Beziehung zur Doktormutter doch in den meisten Lebensläufen von Doktorandinnen* nicht aus.

Weiterlesen…

“I was intersex. I wasn’t sure whether I could have a baby.”

September 24, 2014

Die Intersex-Aktivistin Thea Hillman hat auf dem ‘Mutha Magazine’ über ihren langsamen Entscheidungsprozess für ein eigenes Kind geschrieben, die sie als ‘Anti-Sehnsucht’, als ‘anti-desire‘ beschreibt. Der gesamte englischsprachige Text ist überaus lesenswert. Hier ein Ausschnitt:

Becoming a mother wasn’t a decision as much as realizing a part of myself that for so many reasons seemed like it wasn’t supposed to be. In my darkest moments, it still seems like an impossibly huge task, being responsible for keeping someone else alive. Having the confidence or the arrogance or the ignorance to think I know enough to support someone else’s growth and self-realization. But I took that advice to take just one step. I trusted my anti-desire. And slowly, really, it was slowly, months after my kid was born, I fell in love. I found my desire, a desire born of long nights together with the stomach flu, of poopy baths, of more exhaustion and intimacy than I ever thought possible.

I bring this here, because I wonder what you do with information that’s different than what you always thought about yourself, when you make a decision that will change the rest of your life and it comes from a completely different place. That decision, and making it differently, was the beginning of a transition, chemical and otherwise, in which I began to not recognize myself. I didn’t recognize way I make decisions or where I live or how small I’d become or how I’d aged or the shape of body. I use the word transition with full respect for the myriad ways trans women transition and with no illusion of comparison of my experience to a transwoman’s. I use the word transition only to reference that anyone who becomes a parent through any means goes through a transition of simultaneously becoming and disappearing. Which is complicated by being queer. Or trans. Or intersex. I wonder what your decisions have been or whether you even feel such things have actually been decisions.

Nancy Fraser und universelle Sorge-Arbeit

September 20, 2014

Der Schlüssel zur Verwirklichung der vollen Gleichheit der Geschlechter in einem postindustriellen Wohlfahrtsstaat liegt (…) darin, die gegenwärtigen Lebensmuster von Frauen zum Standard und zur Norm für alle zu machen (…). Wir könnten eine solche Vision das Modell der „universellen Betreuungsarbeit“ nennen. Wie würde so ein Wohlfahrtsstaat aussehen? (…) Alle Arbeitsplätze würden für Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, die auch Betreuungsaufgaben haben. Alle wären mit einer kürzeren Wochenarbeitszeit verbunden (…). Die informelle Betreuungsarbeit würde einesteils staatlich unterstützt und wie die Erwerbsarbeit in ein einheitliches Sozialsystem integriert werden. Anderenteils würde sie in den Haushalten von Verwandten und Freunden geleistet werden. (Nancy Fraser 2001, 101)

Das Zitat stammt aus dem Einleitung zum Band ‘Feminismus revisited’ der Freiburger Geschlechterstudien, die als pdf heruntergeladen werden kann (S. 23). Wie der Text weiter ausführt, verlangt die US-amerikanische Politikwissenschaftlerin und Feministin Nancy Fraser das Aufgeben der „Liebschaft mit dem Neoliberalismus und eine gewissenhafte Allianz mit den Kräften der sozialen Absicherung“ (ebd.). Feministinnen sollten wieder in großen Maßstäben denken und erneut ihre Kritik am Androzentrismus aufnehmen, um „für eine Lebensform zu kämpfen, die den Status bezahlter Arbeit mindert, unbezahlte Leistungen … hingegen schützt und stützt“ (ebd.).

Weiterlesen…

Lifestyle-Blogs und Geschlechterrollen

September 17, 2014

Über den Text von Nina Scholz ‘Immer das gleiche Strickmuster‘ im ‘Freitag’ musste ich noch einige Zeit nachdenken. Sie schreibt dort über (häufig von Müttern geschriebene) Lifestyle-Blogs. Es sei vorausgeschickt: Ich bin zwar kein grosser Fan von Lifestyle-Blogs, habe aber durchaus einige abonniert und schaue mir gerne schöne Bilder von schöner Kleidung und geschmackvoller Wohnungseinrichtung an.

Was Blogs wie Lovetaza so problematisch macht: Junge Frauen, die auf den ersten Blick modern wirken, führen alte Rollenbilder auf, sie zementieren sie sogar. Viele Lifestylebloggerinnen wie Davis sind berufstätig und berichten von ihrer individuellen Kombination aus Kindern und Lohnarbeit. Aber die Inhalte und Fotos, die sie drumherum präsentieren, sind nichts anderes als eine verjüngte Form der Homemaking-Bewegung, die in den USA seit Jahrzehnten mit Publikationen wie Good Housekeeping oder den Zeitschriften von Martha Stewart begleitet wird. Tipps zum Putzen, Kochen, Erziehen sind dabei Standard. Seltener bis nie kommen Themen wie Depression, Frustration oder Wut vor. Negatives hat im Bild einer demonstrativ glücklichen Mutter keinen Platz. (…)

Weiterlesen…

Sauer macht lustig, Salon4 und Pro-Coice-Demo: Veranstaltungen in Berlin

September 13, 2014

Das machtkritische Festival ‘Sauer macht lustig‘ findet vom 9.-11. Oktober im Theater Distel in Berlin statt. Das Festival beschäftigt sich damit, warum etwas lustig ist - und was das mit Sexismus und Rassismus zu tun hat. Dabei widmet es sich laut Ankündigung “den verschiedenen Machtdimensionen von Lachen und Humor – was macht ein solidarisches, subversives, komplizenhaftes, verletzendes oder ausgrenzendes Lachen aus?” Neben Comedy gehören auch Podiumsdiskussionen zum Programm, etwa zu ‘Lachen über Rassismus vs. rassistischen Lachen‘.

Der queerfeministische ‘Salon4′, der regelmäßig in der Bar Marianne stattfindet, hat bereits einige Berühmtheit erlangt. Am 23. September geht es im Gespräch mit Hengameh Yaghoobifarah und Frederik Müller darum, dass pink nicht stinkt und was für queere Weiblichkeit(en) so möglich sind.

Schon am Samstag den 20. September findet die Demo für reproduktive Rechte statt. Sie ist eine Gegendemo zum “Marsch für das Leben”, mit dem christliche Fundamentalist_innen und andere Abtreibungsgegner_innen für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen am 20. September 2014 in Berlin demonstrieren wollen. Treffpunkt der Gegendemo ist 11:30 U-Bahnhof Kochstrasse.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 297 Followern an