Skip to content

Aufruf: Wort halten

Juli 1, 2014

Das ist ein wichtiger Aufruf.

Die Refugee Bewegung der vergangenen beiden Jahre hat Deutschland mit praktischen Fragen von Menschenrechtspolitik konfrontiert. Der erste Paragraph des Grundgesetzes lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.“ Die Refugees erinnern an diesen Auftrag des Grundgesetzes, helfen also bei der Wahrung der politischen Interessen der Bundesrepublik. Sie erinnern daran, dass Menschenrechte immer wieder neu erkämpft und verteidigt werden müssen.

Wir fordern die Gewährung eines dauerhaften Bleiberechts nach § 23, Abs. 1 Aufenthaltsgesetz für die Refugees. Wir fordern außerdem den sofortigen Abzug der Polizei, den uneingeschränkten Zugang der Presse in die Schule, ein Ende der Kriminalisierung der Proteste und einen politischen und respektvollen Umgang mit den Protestierenden.”

Bitte unterzeichnen.

Leseempfehlung: Pink stinkt nicht und Käsedesserts

Juni 19, 2014

Ein Text, der genauso voll an guten Argumenten wie an ausgefeiltem Humor ist, ist kommt von tea-riffic. Er beschäftigt sich mit kritischen Aspekten der sicherlich gut gemeinten Kampagne ‘Pinkstinks’. Der ganze Blogbeitrag ist absolut empfehlenswert (auch in Bezug auf die Frage, was das alles mit Käse als Dessert zu tun hat), hier ein Ausschnitt aus der Anfangspassage, die sich mit der problematischen Namensgebung befasst:

You must be shitting me with that name of yours

Allein der Name ist so problematisch, dass ich mich frage, wie sich als Feminist_innen bezeichnende Menschen unter diesem Titel einen Kampf führen können. Es erschließt sich mir nicht. (Und ich bin nicht diejenige, die Gender Studies studiert hat.) Was impliziert der Name denn?
Der Name wertet Femininität ab und macht queere Kämpfe unsichtbar beziehungsweise stellt sie als irrelevant dar. Die Kampagne existiert in keinem sozialen Vakuum, sondern in einer Soziokultur, in der Pink_Rosa für Femininität, Frauen*, Homosexualität, Optimismus, Spaß, Kindlichkeit und Sexualität an sich steht. Der Slogan “Pink stinks!” diskreditiert all dies. So funktioniert Semiotik. So funktioniert Sprache.

“Aber gemeint ist ja ‘Pink für alle!’”

Es schert mich nicht, was eigentlich gemeint ist. Ich kann auch, sagen wir, “Deutschland ist Beste” auf meine Fahne schreiben und dann erzählen, dass es kein Patriotismus mit Referenz auf irgendwelche ehemaligen Strophen der Nationalhymne sei, sondern dass ich damit nationalkritisch unterwegs bin und meine tatsächliche Message “No borders, no nations and who the fuck is Deutschland anyway!” ist. Allerdings zweifle ich an der Glaubwürdigkeit dieses Projekts. Weil es nach Kackscheisze klingt.

Wenn Pinkstinks wirklich vorhätte, Femininität aufzuwerten – und zwar für alle Geschlechter -, dann würden sie nicht diesen Namen wählen. Stellen wir uns bitte dieses Szenario vor: Kind spaziert auf der Straße herum und liest auf einem Sticker “Pinkstinks”. Was passiert nun? Geht das Kind an sein iMac und liest sich die Homepage der Kampagne durch? Oder internalisiert es diese problematische Implikation/Message und reproduziert diese im Alltag, zum Beispiel in Form von Tussi-Bashing an der Schule?

PS: Der Artikel erschien mittlerweile auch auf der Mädchenmannschaft. Sehr lesenswert ist die dortige Kommentar-Diskussion unter dem Text.

Kulturgüter

Juni 6, 2014
Image

Neue Familienportraits – New Family Portraits // Berlin, 10.12.2005, copyright Verena Jaekel

Die Fotografin Verena Jaekel stellt nächsten Monat, genauer vom 5.7. bis 3.8., ihre Reihe “Neue Familienportraits – New Family Portraits” in Köln aus. Ihre Bilder sind im Fotoraum Köln im Rahmen der Cologne Pride 2014 zu sehen.

Dagegen sind die Bilder der Fotografin Natalia Wiernik momentan im Internet zu betrachten. In ihrer fortlaufenden Serie ‘The Protagonists‘ ergründet sie Familienkonstellationen jenseits biologischer Verwandtschaft und normativer Muster.

Auf der Bühne ist das Stück ‘Wir werden alle unsre Mütter‘ von Katharina Kummer anzusehen. Es findet im Puppentheater Halle statt und beschäftigt sich nicht nur mit tradierten Mütter-Bildern sondern auch mit Marlene Dietrich oder Ulrike Meinhof. Die nächsten Vorstellungen sind am 12. und 13.06.

trans*parent

Juni 1, 2014

ich bin trans*parent.

ich bin trans* und elternteil (parent) für mein kind – trans*parent

ich habe das bedürfnis über mich zu schreiben, weil ich selber keine menschen mit ähnlichen lebensumständen kenne.

wenn ich mich skizzieren würde, läge der fokus gerade auf meinem selbstfindungsprozess im zusammenhang mit meiner geschlechtsidentität, meinem körper und meiner verortung in meiner eltern-kind- und freund_innen-beziehungen. ein kompliziertes bild.

definiere ich mich nun als transgender_genderqueer? ich will mich nicht festlegen, vor allem nicht für immer und ewig – weshalb ich mich u.a. bisher (das wird sich in zukunft ändern) auch nur in einem sehr kleinen kreis “geoutet” habe; aber auch aus der angst für immer mit diesem label und den entsprechenden klischees in den köpfen meines umfeld versehen zu werden. diese angst macht mir aber auch in bezug auf die menschen, denen ich mich bisher gegenüber geoutet habe und dem menschen, meinem kind, das das erlebt und irgendwann vielleicht verstehen wird, kopfschmerzen. kopfschmerzen: tiefe löcher in meinem kopf, die aus der angst rühren, dass andere mich durch ihre ansozialisierte transphobe brille sehen, die ich auch manchmal trage, wenn ich mich selbst betrachte. ich habe “gelernt”, das menschen wie ich eklig (und vieles mehr, was ich aufgrund triggerender effekte hier nicht nennen will) sind. manchmal lebe ich in einer phase des verdrängens, aber eigentlich ist das unmöglich. und manchmal prägt dieser begriff “trans*” meinen gesamtes denken und jede sekunde meines alltags. jeden tag denk ich dann darüber nach, wer ich bin. dabei kann ich auch schon mal durchdrehen und meinen ganzen oberkörper mit schwarzer acrylfarbe anmalen oder auf meiner arme groß “wer bin ich?” schreibe.

und dann bin ich jetzt seit etwa 10 monaten eltern. der teil der eltern, der das kind zur welt gebracht hat – eine eher verniedlichende beschreibung für die arbeit und für die schmerzen, die ich erlebt habe. andere würden “mama” sagen, aber ich nenne mich bei meinem namen.

ich bin sehr glücklich mit meinem kind, das ich sehr liebe. ich bin glücklich mit meinem besten freund, andere würden sagen “fester freund”, dem papa von unserem kind, den ich sehr liebe. ich bin glücklich mit der hündin, die ich sehr liebe. ich bin auch glücklich mit meinen freund*innen, die für mich zu familie gehören und die ich sehr liebe. (das hier ist keine hierarchische aufzählung)

aber auch das eltern-sein bringt für mich widersprüche und schwere auseinandersetzungen mit sich, wie zum beispiel “stillen”: stillen, bedeutet für mich brüste entblößen (ich habe keine worte für das, was das für mich bedeutet), bedeutet für mich ein erzwungenes abhängigkeitsverhältnis für mich und alle in unserer familie. und es bedeutet für mich ein immer wiederkehrenden trigger effekt bezüglich meiner geschlechtlichen identität. ich habe also abgestillt, wofür ich mich in dieser gesellschaft aber ständig (!) rechtfertigen muss.

schließlich sehe ich auch ein problem bei der zuteilung des geschlechts nach der geburt meines kindes, ist mein kind jetzt wirklich ein “er”, beschränke ich “ihn” damit nicht in “seinen” entfaltungsmöglichkeiten. die welt da draußen würde “ihn” aber, wenn ich “ihn” nach meinem verständnis von geschlecht wider einer zweigeschlechtlichen/heteronormativen/sexistischen welt “erziehen” würde, kaputt machen – so wie sie auch mich kaputt macht.

ich laufe also bei dieser erzwungenen geschlechter ordnung gegen wände an.

trotzdem finden sich manchmal wände, die ich einbrechen kann, wände, die andere vor mir eingebrochen haben und (schutz-)wände, die ich mir selber gebaut habe – wege, lücken oder kompromisse.

eno

Lesetipps: Interviews bei Glücklichscheitern

Mai 31, 2014

Die Welt jenseits des Internets hat mich die letzten Wochen etwas sehr in Beschlag genommen, weswegen ich erst jetzt dazu kam, die Interviewreihe zu ‘Feminismus und Mutterschaft’ zu lesen, die glücklichscheitern mittlerweile in beachtlichen 1-2-3-4-5-6-7 Teilen veröffentlich hat. Dafür ist es aber umso interessanter, alle Texte gleich hintereinander zu lesen. Auch wenn ich sicher nicht mit allen Autorinnen einer Meinung bin und auch wenn die meisten relativ ähnlich (in einer heterosexuellen Zweierbeziehung) leben, geben sie Beiträge doch ein sehr vielfältiges Bild dazu ab, wie verschieden Mutterschaft und Feminismus gedacht werden kann. Dabei dominiert in punkto Feminismus meist eine Perspektive, die Karriere, Bezahlung und individuelle Entscheidungen betont und die in den USA wohl eher als ‘liberal feminism‘ bezeichnet würde. Ökonomiekritische, queerfeministische oder postkoloniale Perspektiven sind bislang nicht oder kaum vertreten. Aber vielleicht kommt das bald ja noch – es handelt sich schließlich um Einsendungen und weitere Beiträge werden gesucht.

Interessant fand ich bislang etwa den Text der kinderlosen Janina:

mein partner wäre anundfürsich sehr entgegenkommend, nur sind wir beide selbstständig, ein berufliches zurückstecken wäre mit kind unumgänglich.
in gesprächen merke ich schon oft, dass man schnell verurteilt wird, nur wenn man sagt: ich will jetzt keine kinder weil ich mich selbst nicht aufgeben und/oder beruflich noch verändern oder weiterentwickeln möchte. als mann ist das nicht so.
als frau kriegt man oft mal den stempel aufgedrückt, oder wird schief angesehen, wenn man sein leben, also die jahre der kindererziehung nicht zu 100% auf sich allein nehmen mag.

Oder besonders den von Nadine:

Ich behaupte, dass die Mutterschaft für viele Frauen die erste Begegnung mit der Notwendigkeit zum Feminismus überhaupt ist.

Klar sind wir als Kinderlose alle irrsinnig moderne Frauen – und moderne Frauen sind doch automatisch emanzipiert (welch altmodisches Wort) und damit Feministinnen. Schließlich gehen wir arbeiten, und mehr als das, wir stehen im Beruf unseren Mann (eine Formulierung, die sich hartnäckig hält, als wäre die Orientierung an der Arbeit des Mannes die einzig wertige Messgröße).

(…) Und dann werden wir schwanger. (…) Und dann ist es passiert, man ist eine von diesen „Muttis“, eine von denen, wie die man nie werden wollte. (…)

Und dann wird eben nicht dafür gekämpft, dass sich etwas ändert. Nicht beim Partner, dass er mehr übernimmt, als während der zweimonatigen Elternzeit das Kinderzimmer mit Biofarbe zu streichen, nicht beim Arbeitgeber, damit er qualifizierte Arbeit zulässt und auch bezahlt, obwohl man um 13 Uhr gehen muss und vor allem nicht bei sich selbst. Denn man hat es ja so gewollt und schließlich gibt es nichts auf der Welt was einen so glücklich macht wie das eigene Kind.

Mit Feminismus hat das leider nichts zu tun, so wie es das Leben „davor“ auch nicht hatte, denn worauf man mal so stolz war, ist längst gesellschaftliche Selbstverständlichkeit.

Deshalb bedeutet Mutterschaft vielleicht zum ersten Mal, dass wir wirklich für unsere Rechte kämpfen müssen – und wenn wir das tun, dann werden wir auch etwas erreichen. Kämpfen heißt übrigens nicht unbedingt auch gewinnen. Es ist anstrengend und man wird manchmal verletzt. Trotzdem: Ich glaube fest daran, dass man Mutter sein und Mensch bleiben kann, aber von selbst geschieht das ganz sicher nicht.

Ich bin schon sehr gespannt auf die nächsten Texte!

Videos ohne Anlass

Mai 17, 2014

Das Gute am ein-eigenes-Blog haben ist, dass man wichtige Themen und bestimmte, vermeintliche noch wichtigere Feiertage ignorieren kann, was Berufsschreiber_innen oftmals nicht können (abgesehen von den Nachteilen trotzdem manchmal ein schlechtes Gewissen wegen der Auslassungen zu haben und kein Geld mit dem Schreiben zu verdienen)  Dieses Jahr habe ich deswegen den Muttertag ignoriert, nachdem ich ihn drei Jahre lang pflichtbewusst erwähnt hatte. Wenn ich den Tag nicht missachtet hätte, hätte ich allerdings dieses Video gepostet. Da es trotzdem postenswert ist, folgt es hier ohne Anlass.

 

numbers inked into his skin

Mai 8, 2014

‘Mamafesto’ hat ihre Familiengeschichte als Enkelin von Großeltern, die den Holocaust überlebten, aufgeschrieben. Ein Ausschnitt:

To be honest, I don’t think I can ever forget, growing up with grandparents who were Holocaust survivors. But I look to my son who doesn’t quite grasp the horror that occurred, and wonder if he’ll connect with it in the same way I did. Growing up, I just knew. It was hard not to when your grandfather had numbers inked into his skin and you were a curious kid who asked too many questions.

Ihr Text ‘Never Forget‘ erschien zum Holocaust Gedenktag, ist aber sicherlich auch passend zum 8. Mai, dem Tag des Sieges über den deutschen Faschismus.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 281 Followern an