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“After a year back in Germany I feel like a radical feminist activist.”

August 11, 2014

Eine US-amerikanische Professorin, die für ein Jahr in Deutschland lebte, beschreibt ihre Erfahrungen auf dem Blog von Till Westermayer. An der deutschen Universität wurde sie laut eigener Aussage zu einer radikalen Feministin. Ein Auszug:

At the junior research award ceremony at the local university 44 of 56 awards went to men across disciplines. When I pointed that out to the male next to me at the awards luncheon he was really surprised and had not even noticed.

Most of the boards I had to deal with this year where exclusively or at least primarily made up of males. If there were women on the board, it was typically for “female” roles such as K-12 education or art.

More than once when I was introduced as the director of the program, the men (and some women) responded with different versions of “I expected an older male.” Well, I am a younger woman, deal with it, jerk!

In a few situations the Prof. Dr. MaleImportance expected me to address him with full title and the formal address, while I was addressed with the informal as Frau Idontreallyneedtoknowyourname. I don’t really care about my degrees, but if you insist on yours, you have to give me the same respect.

In Deutschland waren 2003 nur 12,8 Prozent aller Professuren von Frauen besetzt (zugleich waren 48,4 Prozent aller Studierenden weiblich). In den USA hielten Frauen 2003 immerhin 24 % der Professuren und 39 % aller Vollzeitbeschäftigten in der Wissenschaft waren weiblich.

Reproduktionstechnologien im Kapitalismus

August 6, 2014

Collage: Fuckermothers

Reproduktionstechnologien sind in feministischen Debatten häufig umstritten. Viele wichtige Vertreterinnen lehnen Technologien mehr oder weniger ab, da sie diese als Enteignung des weiblichen Körpers betrachten. Die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun erklärt beispielsweise, dass die Technologien dazu führten, dass der Uterus – metaphorisch – dorthin komme, wo der Logos ihn immer haben wollte, nämlich in den Kopf des Mannes. Die Soziologin Katz-Rothman kritisiert, dass Technologien eine funktionalistische Logik von Leben durchsetzen und dazu führen, dass der weibliche Körper nur noch als Maschine betrachtet wird. Ähnlich analysiert auch die Historikerin Barbara Duden, dass  der Körper der Frau durch Technologien nur noch als Umgebung eines schützenswerten Fetus erscheint und die Subjektivität der Schwangeren dahinter vollkommen verschwindet. So sehr ich diese Theoretikerinnen schätze, so problematisch finde ich diese Sichtweise auf Technologie: Zum einen gehen die Ansätze von einem körperlichen Dualismus Mann-Frau aus und nehmen an, dass einen reinen, essenziellen und natürlichen weiblichen Körper gibt. Zum anderen unterschätzen Sie das Potential von Technologien, zur Erweiterung von individueller Handlungsmacht genutzt zu werden und die vermeintlich strengen Grenzen von Geschlecht und Elternschaft zu durchkreuzen.

Zugleich bedeutet das im Umkehrschluss selbstverständlich nicht, dass Reproduktionstechnologien automatisch emanzipatorisch und toll und abfeiernswert sind. Denn – wie alle Dinge – hängen sie stark vom Kontext ab, in dem sie genutzt werden. Und in Zusammenhängen, in denen Mutterschaft traditionell gedacht wird und ein vermeintlich ungeborenes Leben von dem von schwangeren Menschen abgetrennt und über dieses gestellt wird, ist es mit den Freiheitsgraden dieser Technologien nicht so weit her. Ähnlich ist es in kapitalistischen Kontexten, in dem eine starke ökonomische Ungleichheit zwischen Menschen besteht, so dass einige ihre Reproduktionskraft auf dem Markt anbieten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Oder in dem Kinder als optimierenswerte Produkte betrachtet werden, die bestimmten Normen von Gesundheit und Leistung entsprechen sollen.

Erinnert an diese negativen Aspekte von Reproduktionstechnologien im Kapitalismus hat mich der Fall des Babies. Eine Kurzzusammenfassung des Falles aus der Süddeutschen Zeitung (In derselben Zeitung gibt Anna Günther noch einen guten Überblick zu Leihmutterschaft):

“Pattharamon Janbua und ihr Mann haben Schulden, als das Angebot aus Australien kommt. Etwa 8000 Euro soll die 21-Jährige dafür bekommen, sich die befruchteten Eizellen einer ihr unbekannten Frau einsetzen zu lassen und neun Monate später ein Kind auf die Welt zu bringen. (…) Leihmutterschaft ist in Thailand zwar nicht gesellschaftlich anerkannt, aber toleriert. Im dritten Monat ihrer Schwangerschaft erfährt Pattharamon Jubua, dass Zwillinge in ihrem Bauch heranwachsen. (…) Im vierten Monat entdecken die Ärzte bei einer Routinekontrolle, dass einer der beiden Zwillinge das Down-Syndrom hat. Sie informieren das Paar, das in Australien auf seine Kinder wartet. Statt ein behindertes Kind zu bekommen, wollen sie lieber gar keines. Sie verlangen eine Abtreibung. Pattharamon Jubua ist Buddhistin, eine Abtreibung gilt in ihrem Glauben als Sünde. Im Dezember 2013 kommen die Zwillinge auf die Welt. Nach der Geburt übergibt der Agent, der das Geschäft vermittelt hat, das gesunde Mädchen an das australische Paar. Den Jungen lässt er zurück.”

Bei diesem Fall handelt es sich selbstverständlich um ein Extrem und um einen ‘medialen Aufreger’, bei dem die Berichterstattung selbst schon Geld wert ist. Zudem sind die Narrative über Baby Gammy ebenfalls nicht frei von problematischen Klischees und Mutteridealen. Leihmütter sind keine passiven Opfer, sondern leisten Reproduktionsarbeit – eine Arbeit, die aber in einer marktförmig organisierten Reproduktionsindustrie stattfindet, in der sie nicht ausreichend gesichert, gewürdigt und entlohnt wird. Nicht die Technologien oder (mit Donna Harway) die Cyborgs sind das Problem, sondern ökonomische Abhängigkeit und die ungleichen Machtverhältnisse.

Duden, B. (1993). Disembodying women: perspectives on pregnancy and the unborn. Cambridge, MA: Harvard University Press.

von Braun, C. (1990). Nicht Ich. Logik Lüge Libido (3 ed.). Frankfurt am Main: Neue Kritik.

Katz Rothman, B. (1989). Recreating Motherhood: Ideology and technology in a patriarchal society. New York: W.W. Norton & Company.

6 % versus 69 %: Väter und Mütter in Teilzeit

August 2, 2014

Zurück aus der Sommerpause wirken einige Nachrichten, als wäre die Zeit sowieso nicht vergangen. Denn zumindest in Hinblick auf die Beteiligung von Männern an Pflege- und Familienarbeit scheint die Zeit still zu stehen. Das bestätigte einmal wieder der neue Datenreport über die Lebenssituation von Männern und Frauen in Deutschland, der vom Statistischen Bundesamt kommt. Über ihn berichtet Tina Groll in der ‘Zeit’ und stellt fest: ‘Vereinbarkeit bleibt Frauensache‘. In dem Text ist unter anderem zu erfahren: “Insgesamt haben nur 6 Prozent der Männer mit minderjährigen Kindern einen Teilzeitjob; dagegen sind es 69 Prozent der Frauen mit Kindern unter 18 Jahren.” Das bedeutet, dass Mütter nicht doppelt so oft, nicht dreimal so oft, sondern mehr als ELF mal so oft wie Väter in Teilzeit erwerbstätig sind. Von den wenigen Vätern, die in Teilzeit arbeiten, geben – im Gegensatz zu den Müttern – die meisten an, dass sie das nicht für die Kinderbetreuung sondern aus anderen Gründen zu tun. Zudem gehört die Personengruppe der Männer in Teilzeit zu derjenigen, die am wenigsten Stress empfindet.

Das Problem ist sicherlich nicht Berufstätigkeit in Teilzeit an sich – sondern die Konsequenzen, sie sich in unserer Gesellschaft daraus ergeben: weniger Einkommen, ökonomische Abhängigkeit und geringe berufliche Aufstiegschancen. Und davon sind meist Mütter betroffen. Bleibt die Frage, wie auf diese Ungerechtigkeit zu reagieren ist. Falsch ist – was ja leider so häufig passiert – den Frauen selbst die Schuld zu geben. ‘Frauen hängen zu sehr an den Kindern’, ‘Frauen fallen immer noch auf das alte Mutterideal herein’, ‘Sie tappen in die Teilzeit-Falle’ und ‘Mütter wollen den Vätern keine Aufgaben abgeben’ heisst es dann oft. Diese Argumentationen sind aus mindestens zwei Gründen Unsinn:

  1. In diesen Argumentationen wirkt es erstens, als sei die Wahl der Teilzeit nur eine individuelle, etwas irrationale Entscheidung einzelner Frauen – und als gäbe es keine politischen Strukturen und notwendigen Gegebenheiten, die sie mit bedingen. Zum einen fördert etwa die deutsche Gesetzgebung das Vollzeit-Teilzeit-Modell, schließlich wirft das Ehegattensplitting gerade in der Kombination Vollzeit/ Teilzeit das meiste Geld ab. Zum anderen brauchen Kinder, je nach Alter, feste erwachsene Bezugspersonen, die sich um sie kümmern. Es sollte mindestens eine Person geben, die ein Kind pflegt, wenn es krank wird, es von der Kita abholt, in der Schule bei den Hausaufgaben hilft, mit ihm redet, Mahlzeiten koch und Einkäufe erledigt. All das lässt sich aber kaum erfüllen, wenn alle Eltern mindestens 40 Stunden in der Woche arbeiten. Auch wenn eine Person (vermeintlich ‘nur’) Teilzeit arbeitet, kommt sie mit all diesen unbezahlten Pflege und Sorge-Tätigkeiten auf eine Arbeitszeit von weit über 40 Wochenstunden. Nicht zufällig empfinden Frauen im Schnitt mehr Stress als Männer und alleinerziehende Mütter sind diejenigen, die am stärksten von negativem Stress betroffen sind – und keinesfalls Top-Manager, die ja landläufig als die Gestressten gelten.  
  2. Zweitens scheint es in solchen Argumenten so, als die die Altersarmut logische Folge von Teilzeitarbeit. Wer 30 Stunden in der Woche arbeitet, so scheint es, muss automatisch mit einem geringen Einkommen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen rechnen, denn die vermeintliche Norm sind schließlich mindestens 40 Stunden. Doch Arbeitszeitmodelle und Einkommensstrukturen sind keine Naturgesetze sondern Folge gesellschaftlicher Aushandlungen. Es ist möglich, die Löhne für Teilzeitarbeit zu erhöhen. Es ist möglich, ein Rentensystem zu schaffen, in dem Berufstätigkeit in Teilzeit (oder ausschließliche Sorgearbeit) nicht automatisch weniger Alterssicherung bedeutet. Ebenso ist möglich, den Standard einer Vollzeitbeschäftigung für alle Menschen auf z.B. 32 Wochenstunden zu senken – so dass eine egalitäre Aufteilung von Familienarbeit und Pflegetätigkeiten möglich ist. “Wir müssen die Arbeit umverteilen” sagt nicht nur der Soziologe Richard Sennett. Es gibt viele Möglichkeiten und Vorschläge, wie solch eine Umverteilung aussehen kann. Sie werden nur nicht umgesetzt.

Das Problem ist also nicht nur die Geringschätzung, die Care-Tätigkeiten und Pflegearbeit entgegen gebracht wird, indem sie gar nicht oder nicht ausreichend bezahlt werden und als minderwertig gelten. Sondern das Problem ist auch die Abwertung von Teilzeit und das Festhalten am Ideal der 40-Stunden-Woche. Deswegen gehört der Satz ‘Oh, Sie wollen nur in Teilzeit arbeiten’ sicherlich auch zu den “Dingen, die working moms nicht hören wollen“.

Aufruf: Wort halten

Juli 1, 2014

Das ist ein wichtiger Aufruf.

Die Refugee Bewegung der vergangenen beiden Jahre hat Deutschland mit praktischen Fragen von Menschenrechtspolitik konfrontiert. Der erste Paragraph des Grundgesetzes lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.“ Die Refugees erinnern an diesen Auftrag des Grundgesetzes, helfen also bei der Wahrung der politischen Interessen der Bundesrepublik. Sie erinnern daran, dass Menschenrechte immer wieder neu erkämpft und verteidigt werden müssen.

Wir fordern die Gewährung eines dauerhaften Bleiberechts nach § 23, Abs. 1 Aufenthaltsgesetz für die Refugees. Wir fordern außerdem den sofortigen Abzug der Polizei, den uneingeschränkten Zugang der Presse in die Schule, ein Ende der Kriminalisierung der Proteste und einen politischen und respektvollen Umgang mit den Protestierenden.”

Bitte unterzeichnen.

Leseempfehlung: Pink stinkt nicht und Käsedesserts

Juni 19, 2014

Ein Text, der genauso voll an guten Argumenten wie an ausgefeiltem Humor ist, ist kommt von tea-riffic. Er beschäftigt sich mit kritischen Aspekten der sicherlich gut gemeinten Kampagne ‘Pinkstinks’. Der ganze Blogbeitrag ist absolut empfehlenswert (auch in Bezug auf die Frage, was das alles mit Käse als Dessert zu tun hat), hier ein Ausschnitt aus der Anfangspassage, die sich mit der problematischen Namensgebung befasst:

You must be shitting me with that name of yours

Allein der Name ist so problematisch, dass ich mich frage, wie sich als Feminist_innen bezeichnende Menschen unter diesem Titel einen Kampf führen können. Es erschließt sich mir nicht. (Und ich bin nicht diejenige, die Gender Studies studiert hat.) Was impliziert der Name denn?
Der Name wertet Femininität ab und macht queere Kämpfe unsichtbar beziehungsweise stellt sie als irrelevant dar. Die Kampagne existiert in keinem sozialen Vakuum, sondern in einer Soziokultur, in der Pink_Rosa für Femininität, Frauen*, Homosexualität, Optimismus, Spaß, Kindlichkeit und Sexualität an sich steht. Der Slogan “Pink stinks!” diskreditiert all dies. So funktioniert Semiotik. So funktioniert Sprache.

“Aber gemeint ist ja ‘Pink für alle!’”

Es schert mich nicht, was eigentlich gemeint ist. Ich kann auch, sagen wir, “Deutschland ist Beste” auf meine Fahne schreiben und dann erzählen, dass es kein Patriotismus mit Referenz auf irgendwelche ehemaligen Strophen der Nationalhymne sei, sondern dass ich damit nationalkritisch unterwegs bin und meine tatsächliche Message “No borders, no nations and who the fuck is Deutschland anyway!” ist. Allerdings zweifle ich an der Glaubwürdigkeit dieses Projekts. Weil es nach Kackscheisze klingt.

Wenn Pinkstinks wirklich vorhätte, Femininität aufzuwerten – und zwar für alle Geschlechter -, dann würden sie nicht diesen Namen wählen. Stellen wir uns bitte dieses Szenario vor: Kind spaziert auf der Straße herum und liest auf einem Sticker “Pinkstinks”. Was passiert nun? Geht das Kind an sein iMac und liest sich die Homepage der Kampagne durch? Oder internalisiert es diese problematische Implikation/Message und reproduziert diese im Alltag, zum Beispiel in Form von Tussi-Bashing an der Schule?

PS: Der Artikel erschien mittlerweile auch auf der Mädchenmannschaft. Sehr lesenswert ist die dortige Kommentar-Diskussion unter dem Text.

Kulturgüter

Juni 6, 2014
Image

Neue Familienportraits – New Family Portraits // Berlin, 10.12.2005, copyright Verena Jaekel

Die Fotografin Verena Jaekel stellt nächsten Monat, genauer vom 5.7. bis 3.8., ihre Reihe “Neue Familienportraits – New Family Portraits” in Köln aus. Ihre Bilder sind im Fotoraum Köln im Rahmen der Cologne Pride 2014 zu sehen.

Dagegen sind die Bilder der Fotografin Natalia Wiernik momentan im Internet zu betrachten. In ihrer fortlaufenden Serie ‘The Protagonists‘ ergründet sie Familienkonstellationen jenseits biologischer Verwandtschaft und normativer Muster.

Auf der Bühne ist das Stück ‘Wir werden alle unsre Mütter‘ von Katharina Kummer anzusehen. Es findet im Puppentheater Halle statt und beschäftigt sich nicht nur mit tradierten Mütter-Bildern sondern auch mit Marlene Dietrich oder Ulrike Meinhof. Die nächsten Vorstellungen sind am 12. und 13.06.

trans*parent

Juni 1, 2014

ich bin trans*parent.

ich bin trans* und elternteil (parent) für mein kind – trans*parent

ich habe das bedürfnis über mich zu schreiben, weil ich selber keine menschen mit ähnlichen lebensumständen kenne.

wenn ich mich skizzieren würde, läge der fokus gerade auf meinem selbstfindungsprozess im zusammenhang mit meiner geschlechtsidentität, meinem körper und meiner verortung in meiner eltern-kind- und freund_innen-beziehungen. ein kompliziertes bild.

definiere ich mich nun als transgender_genderqueer? ich will mich nicht festlegen, vor allem nicht für immer und ewig – weshalb ich mich u.a. bisher (das wird sich in zukunft ändern) auch nur in einem sehr kleinen kreis “geoutet” habe; aber auch aus der angst für immer mit diesem label und den entsprechenden klischees in den köpfen meines umfeld versehen zu werden. diese angst macht mir aber auch in bezug auf die menschen, denen ich mich bisher gegenüber geoutet habe und dem menschen, meinem kind, das das erlebt und irgendwann vielleicht verstehen wird, kopfschmerzen. kopfschmerzen: tiefe löcher in meinem kopf, die aus der angst rühren, dass andere mich durch ihre ansozialisierte transphobe brille sehen, die ich auch manchmal trage, wenn ich mich selbst betrachte. ich habe “gelernt”, das menschen wie ich eklig (und vieles mehr, was ich aufgrund triggerender effekte hier nicht nennen will) sind. manchmal lebe ich in einer phase des verdrängens, aber eigentlich ist das unmöglich. und manchmal prägt dieser begriff “trans*” meinen gesamtes denken und jede sekunde meines alltags. jeden tag denk ich dann darüber nach, wer ich bin. dabei kann ich auch schon mal durchdrehen und meinen ganzen oberkörper mit schwarzer acrylfarbe anmalen oder auf meiner arme groß “wer bin ich?” schreibe.

und dann bin ich jetzt seit etwa 10 monaten eltern. der teil der eltern, der das kind zur welt gebracht hat – eine eher verniedlichende beschreibung für die arbeit und für die schmerzen, die ich erlebt habe. andere würden “mama” sagen, aber ich nenne mich bei meinem namen.

ich bin sehr glücklich mit meinem kind, das ich sehr liebe. ich bin glücklich mit meinem besten freund, andere würden sagen “fester freund”, dem papa von unserem kind, den ich sehr liebe. ich bin glücklich mit der hündin, die ich sehr liebe. ich bin auch glücklich mit meinen freund*innen, die für mich zu familie gehören und die ich sehr liebe. (das hier ist keine hierarchische aufzählung)

aber auch das eltern-sein bringt für mich widersprüche und schwere auseinandersetzungen mit sich, wie zum beispiel “stillen”: stillen, bedeutet für mich brüste entblößen (ich habe keine worte für das, was das für mich bedeutet), bedeutet für mich ein erzwungenes abhängigkeitsverhältnis für mich und alle in unserer familie. und es bedeutet für mich ein immer wiederkehrenden trigger effekt bezüglich meiner geschlechtlichen identität. ich habe also abgestillt, wofür ich mich in dieser gesellschaft aber ständig (!) rechtfertigen muss.

schließlich sehe ich auch ein problem bei der zuteilung des geschlechts nach der geburt meines kindes, ist mein kind jetzt wirklich ein “er”, beschränke ich “ihn” damit nicht in “seinen” entfaltungsmöglichkeiten. die welt da draußen würde “ihn” aber, wenn ich “ihn” nach meinem verständnis von geschlecht wider einer zweigeschlechtlichen/heteronormativen/sexistischen welt “erziehen” würde, kaputt machen – so wie sie auch mich kaputt macht.

ich laufe also bei dieser erzwungenen geschlechter ordnung gegen wände an.

trotzdem finden sich manchmal wände, die ich einbrechen kann, wände, die andere vor mir eingebrochen haben und (schutz-)wände, die ich mir selber gebaut habe – wege, lücken oder kompromisse.

eno

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